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LMU-Klinikum: Neuer Scanner setzt Maßstäbe bei plastischer Chirurgie

Deutschlands ersten 3D-Ganzkörperscanner

Mithilfe des Scanners lässt sich eine Art Landschaftskarte der Haut erstellen, um beispielsweise Hautkrebs frühzeitig zu erkennen.

(Foto: dpa)

92 Kameras, die binnen Sekunden ein präzises 3-D-Abbild des ganzen Körpers erstellen: Von diesem Apparat gibt es weltweit nur etwa zehn Stück, eines davon nun in München.

Futuristisch geht es zu, in den großen Hallen der Abteilung für plastische Chirurgie an der Uniklinik. Ein bis auf die Unterhose nackter Mann steht zwischen zwei leuchtenden Bögen. "Drei, zwei, eins", sagt der Arzt, der neben ihm am Computer steht, ein kurzes Blitzlichtgewitter erhellt den Raum, dann ist es schon fertig: ein auf dem Bildschirm einsehbares 3-D-Abbild des Mannes. Erzeugt vom ersten 3-D-Ganzkörperscanner in der plastischen Chirurgie in Deutschland - seit September steht dieser in der Münchner Poliklinik an der Pettenkoferstraße.

Weltweit sind bislang davon nur etwa zehn Stück im Einsatz. 92 hochauflösende HD-Kameras bilden gleichzeitig den gesamten menschlichen Körper ab, innerhalb weniger Sekunden entsteht so ein makelloses Bild. "Nicht nur die Haut selbst mitsamt ihren Läsionen und Muttermalen, sondern auch das Körpervolumen wird dargestellt", sagt Riccardo Giunta, Direktor der plastischen Chirurgie an der Uniklinik. Bei jeder Art eines körperformenden Eingriffs spiele das eine wichtige Rolle. Bei Brustrekonstruktionen zum Beispiel könne so auf exakte Symmetrie geachtet werden, statt sich wie bisher auf das ärztliche Augenmaß und Maßbandwerte zu verlassen. Man könne mit dieser Technik außerdem Körper "kartografieren", also eine Art Landschaftskarte der Haut erstellen, um Hautkrebs frühzeitig zu erkennen, sagt Giunta. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat das Gerät, das 250 000 Euro kostet, zur Hälfte gefördert.

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Mit dreidimensionalen Modellen arbeiten die Mediziner bereits, doch bisher musste der Arzt mittels eines Handscanners den Patienten erfassen, während dieser sich auf einem bewegten Untergrund um die eigene Achse dreht. "Für perfekte Symmetrie ist diese Methode nicht brauchbar, durch die Bewegung ist eine exakte Abbildung nicht möglich", sagt Giunta.

Vor vier Jahren entdeckte Riccardo Giunta das Gerät auf einer Präsentation in New York. "Mir war sofort klar, dass wir so ein Gerät brauchen", sagt er.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Vor vier Jahren entdeckte er das Gerät auf einer Präsentation in New York. "Mir war sofort klar, dass wir so ein Gerät brauchen", sagt Giunta und startete den Prozess. Bis alle organisatorischen Hindernisse beseitigt und die Finanzierung geklärt waren, vergingen etwa drei Jahre. Bisher sind 70 Patienten mit dem neuen Scanner behandelt worden. Jeder, der sich dafür interessiert, kann im Sekretariat einen Termin vereinbaren, so Giunta. Ein Scan kostet den Patienten laut dem Direktor 80 Euro. Bei den Krankenkassen sei das Gerät aber noch nicht bekannt.

In der plastischen Chirurgie können Operationen mit der neuen Technologie vereinfacht und für den Patienten mögliche Zweitoperationen unnötig gemacht werden. "Wird beispielsweise ein Tumor in der Brust entfernt, kann im gleichen Schritt die Brustrekonstruktion durchgeführt werden", sagt Giunta.

Auch zur Vorbereitung von Operationen kann das Gerät genutzt werden: "Bei einer Brustverkleinerung kann man mit dem Scanner das Ergebnis simulieren." Und bei einer krebsbedingten Amputation könne dank der neuen Technik genau ermittelt werden, wie viel Körperfett für die neue Brust benötigt wird. "Aber nicht nur bei Brüsten ist Symmetrie wichtig", sagt Giunta. Wird bei einem Unfall etwa ein Fuß in Mitleidenschaft gezogen, hilft der Scanner dabei, dass der Fuß wieder perfekt in den Schuh passt.

Der menschliche Körper - genaustens einsehbar.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der neue WB360, so heißt das Modell des 3-D-Scanners, soll allen Abteilungen zur Verfügung stehen: von der Gynäkologie bis zur Pathologie. Voraussichtlich Ende des Jahres wird er mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet, um etwa auf Hautveränderungen eigenständig aufmerksam machen zu können. Ob der Scanner einen Mediziner überflüssig mache? "Natürlich nicht", sagt Giunta, "die Entscheidung trifft letztendlich immer noch der Arzt."

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