Promi-Tipps für München und die Region:Die Woche von Tanja Graf

Lesezeit: 3 min

Promi-Tipps für München und die Region: Tanja Graf in ihrem Büro im Literaturhaus.

Tanja Graf in ihrem Büro im Literaturhaus.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Literaturhaus-Chefin freut sich in der Woche vom 29. November bis 5. Dezember auf Yoga, die Fotografin Herlinde Koelbl und weitere besondere Begegnungen. Kultur- und Freizeittipps einer Herzens-Schwabingerin. Ein Gastbeitrag.

Das Literaturfest München ist in vollem Gange, mit neuen Highlights auf der Bücherschau im (Original-)Gasteig und im Literaturhaus - live vor Ort und digital per Stream. Für mich ist es die schönste, intensivste, aber auch eine herausfordernde Zeit, nicht nur wegen der täglichen Last-Minute-Änderungen aus Pandemiegründen. Aber die Vorfreude auf besondere Begegnungen lässt den Stress vergessen. Nicht zuletzt ist es eine tolle Gelegenheit, sich sein Lieblingsbuch der Saison persönlich signieren zu lassen - das gilt vor allem auch für unser Publikum.

Montag: Heiße Brezen zum Meeting

Ich bin Herzens-Schwabingerin seit meiner Studentenzeit, und mit dem Fahrrad durchs Univiertel in Richtung Literaturhaus zu fahren, ist der perfekte Auftakt in die Woche. Fast in jeder Straße haben Künstler und weltberühmte Literaten gelebt, darunter Rainer Maria Rilke, Fanny von Reventlow und Thomas Mann. Gerne mache ich Halt bei der Traditionsbäckerei Huber an der Türkenstraße und nehme eine große Tüte der besten, noch heißen Brezen mit ins Büro. Heute Nachmittag gibt es eine Zoom-Vorbesprechung mit den prominenten Teilnehmern einer demnächst geplanten Veranstaltung im Literaturhaus, wo es um die Restitution eines Lenbach-Gemäldes aus dem Umfeld der Familie Pringsheim-Mann geht, das in der Nazizeit zwangsversteigert wurde.

Dienstag: Merkels Facetten

Bundeskanzlerin Merkel und Fotografin Koelbl

Langzeitstudie: Die Fotokünstlerin Herlinde Koelbl (rechts) hat die CDU-Politikerin Angela Merkel in einem Bildband von 1991 bis heute porträtiert.

(Foto: Steffen Kugler/dpa)

Eine besondere Freude: Die große Fotografin Herlinde Koelbl stellt heute im Literaturhaus ihr gefeiertes Buch über Angela Merkel vor. Dreißig Jahre lang hat sie die Ausnahmepolitikerin jedes Jahr fotografiert, das Ergebnis ist das Bild einer Epoche und eine einzigartige Langzeitstudie über einen Menschen in der Öffentlichkeit. Im Gespräch mit Herlinde Koelbl: Kurt Kister, langjähriger Chefredakteur dieser Zeitung und exzellenter Kenner der Merkel-Ära. Merkels drei wichtigste Reden ihrer Amtszeit erscheinen dieser Tage in einem schmalen Bändchen im Aufbau Verlag - vielleicht nicht verkehrt, sie nochmal nachzulesen.

Mittwoch: Belgische Meister

"Fantastisch real. Belgische Moderne von Ensor bis Magritte"
15. Oktober 2021 â€" 6. März 2022
in der Kunsthalle München, Theatinerstr. 8, 80333 München
www.kunsthalle-muc.de
täglich 10 bis 20 Uhr
Tel. 089 â€" 224412

Emmanuel Viérins "Alte Brücke in Flandern" aus dem Jahr 1910 ist derzeit in der Ausstellung "Fantastisch real" zu sehen.

(Foto: Hugo Maertens /VG Bild-Kunst, Bonn 2021)

In der Mittagspause laufe ich durch die neue Ausstellung in der Kunsthalle, die derzeit Meisterwerke der belgischen Moderne aus dem Königlichen Museum Antwerpen zeigt: Neben James Ensor und René Magritte viele Künstler, von denen ich noch nie gehört hatte, aber die für mich echte Entdeckungen sind. Es ist ein Rausch der Farben, auch die Gestaltung der Säle, bis hin zu den originellen Sitzmöbeln. Abends wird im NS-Dokumentationszentrum die Schau über den Fotomontagekünstler John Heartfield eröffnet, einen mutigen Anti-Faschisten. Ich werde digital dabei sein.

Donnerstag: Kino als Leidenschaft

Filmszene

Szene aus dem Dokumentarfilm "Die Unbeugsamen": Petra Kelly bei einer Rede im Deutschen Bundestag.

(Foto: Majestic Verleih)

Als eigentlich leidenschaftliche Kinogängerin schaue ich automatisch, welche neuen Filme heute anlaufen. Meist bleibt es bei Wunsch und Vorstellung, denn allzu oft schaffe ich es nicht. Zuletzt hat mich der Dokumentarfilm "Die Unbeugsamen" beeindruckt - eine Zeitreise, in der viele bis heute imponierende Politikerinnen zu Wort kommen. Hoffentlich hat der Film auch viele jüngere Menschen erreicht, damit sie sehen, wieviel noch zu tun ist in Sachen Gleichberechtigung.

Freitag: Die Qual der Wahl

Wie jeden Morgen beginne ich den Tag mit Lektüre, auf dem heimischen Schreibtisch stapeln sich die Neuerscheinungen und Leseexemplare ebenso wie im Literaturhaus-Büro. Ein Luxus, wie ich finde, denn die Themenvielfalt ist enorm, und die Anregungen sind grenzenlos. Ich überlege, welche Bücher ich mit ins Wochenende nehme, damit ich bald mit dem Team diskutieren kann, welche Autorinnen und Autoren wir im kommenden Frühjahr einladen. Freitagabends geht es privat zum gemeinschaftlichen Kochen mit unseren Nachbarn. Auch außerhalb von Pandemiezeiten ist eine gut funktionierende Hausgemeinschaft Gold wert, schließlich will man sich ab und zu ein Ei ausleihen können.

Samstag: Die Woche ausatmen

Englischer Garten

Blick auf den Nördlichen Teil des Englischen Gartens.

(Foto: Rainer E. Kunert)

Der Start ins Wochenende beginnt mit einer Vinyasa-Stunde in meinem Schwabinger Yoga-Club, die beste Möglichkeit, die Woche "auszuatmen" und die Batterien aufzuladen. Den Wochenvorrat an Obst und Gemüse hole ich mir auf dem Bauernmarkt vor der Pinakothek der Moderne oder auf dem Elisabethmarkt. Trotz Riesenbaustelle gibt es hier weiterhin das legendäre Châlet du fromage oder bei Fizzy Bubele eine gesunde Kalorienbombe mit Hummus. Am Nachmittag freue mich auf einen ausgedehnten Spaziergang mit meiner Schwester im nördlichen Teil des Englischen Gartens in Richtung Aumeister.

Sonntag: Swing in der Brasserie

Neu jeden Sonntag ab 11 Uhr in der Brasserie OskarMaria: Daniel Fischer und Julia Hornung vom Monaco Swing Ensemble spielen in entspannt-lässiger Atmosphäre mit hochkarätigen Gästen Gypsy Swing, Valse Musette, traditionellen New-Orleans-Jazz oder Chanson. Alle schwärmen davon, ich selbst war noch nie dabei, weil ich sonntags mit der Familie auf dem Land bin. Aber bestimmt schaffe ich es noch, bevor uns der nächste Lockdown den Spaß verdirbt.

Zur Person: Tanja Graf, aufgewachsen in der Nähe von München, machte zunächst eine Ausbildung als Buchhändlerin und studierte anschließend in München Romanistik, Neuere Deutsche Literatur und Theaterwissenschaften. Von 1990 an war sie Lektorin und später Cheflektorin beim Piper Verlag. 2003 gründete sie mit Lothar Schirmer einen eigenen Verlag, den SchirmerGraf Verlag, den sie 2010 als Graf Verlag weiterführte; als Verlegerin entdeckte sie Autorinnen wie Lena Gorelik oder Daniela Krien. 2015 ging Tanja Graf zum Diogenes Verlag nach Zürich, um Mitte 2016 zurückzukehren: Seither leitet sie das Literaturhaus München und ist als Geschäftsführerin auch für das Literaturfest zuständig.

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