Was bedeutet es, Mutter zu sein? Und was bedeutet es, Tochter zu sein und über die eigene Mutter nachzudenken, und vielleicht auch über deren Mutter? Es ist ein nicht endender Reigen, unter immer neuen Vorzeichen, mit einer immer ähnlichen Verantwortung und so vielen Fragen. Lena Gorelik stellt sie in ihrem neuen Roman „Alle meine Mütter“ mit gewohnter Intensität. Als „der Mensch, den meine Mutter erzog“.
Ihr Roman wird Mitte März erscheinen, und dann steht auch sogleich die Buchpremiere im Literaturhaus München an: Am 12. März wird die Münchner Schriftstellerin, die passenderweise soeben den diesjährigen „Preis der Literaturhäuser“ erhalten hat, dort über die unsichtbaren und die deutlich sichtbaren Bande sprechen, die Mütter und ihre Kinder verbinden. Und über die Entwicklung, die diese so besonders innigen wie komplexen Beziehungen durchmachen. Denn wie schreibt Gorelik so fein: Die Mutter denke schon lange, die Tochter sei ihr entwachsen, doch die verschweige ihr das Gegenteil – „wie ich hinwachse zu ihr“.

Programm 2026 steht fest:Literaturfest München mit Maria Aljochina und Peter Sloterdijk
„Freiheit!“, hat Kuratorin Dana Grigorcea als Motto für das Literaturfest 2026 gewählt. Das Festival öffnet sich stärker als bisher anderen Sparten wie Musik und Kunst – und eine „Münchner Schiene“ gibt Einblicke in den Werkraum der Literatur.
Die Auseinandersetzung mit den Müttern und natürlich immer wieder auch mit den Vätern – sie ist und bleibt ein großes Thema. Es treibt auch viele der jungen Autorinnen und Autoren um, die beim Internationalen Festival Wortspiele zu Lesungen und kurzen Gesprächen antreten werden. Am 11., 12. und 13. März kann man insgesamt 18 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich, Polen und Luxemburg lauschen, von Alisha Gamisch bis Denis Pfabe, von Hannah Häffner bis Son Lewandowski.
„Wir Töchter“ heißt zum Beispiel der Debütroman von Oliwia Hälterlein, der von drei Generationen von Frauen zwischen Polen und Deutschland erzählt. Mit der Mutter setzt sich auch der Münchner Autor Stefan Sommer in seinem zweiten Roman „Partypeople“ auseinander: Ein Techno-DJ auf der Überholspur des Lebens muss erkennen, dass ihn der Verlust der Mutter mehr beschäftigt, als er sich eingestehen wollte. Leon Engler sieht in der Biografie seiner Familie entsetzt einen „Stammbaum des Wahnsinns“. Und Anja Gmeinwieser erzählt in ihrem Debütroman „Wir Königinnen“ von Frauen Mitte dreißig auf großer Fahrt und der Suche nach Sinn.

Anja Gmeinwiesers Debütroman „Wir Königinnen“:„Ich regiere nicht die Welt, ich mache nur meinen Job“
Eine Lkw-Fahrerin, eine Aussteigerin und viele trächtige Kühe auf großer Fahrt durch Europa: In Anja Gmeinwiesers Debütroman „Wir Königinnen“ wird gekotzt, gestritten, geküsst, gevögelt. Ein Leben endet, ein Leben beginnt. Dazwischen: vitale Freude am Diskurs.
Wie Frauen die Welt beeinflussen können, auch unter widrigsten Umständen, zeigt zum Beispiel auch die Münchner Schriftstellerin Tanja Kinkel in ihrem Roman „Im Wind der Freiheit“ über die Revolution von 1848/49 und frühe Frauenrechtlerinnen; sie stellt ihn anlässlich des Weltfrauentags am 5. März im Amerikahaus vor. Dass Frauen im Laufe der Geschichte aber auch oft um ihre Verdienste gebracht wurden, legt Leonie Schöler in „Beklaute Frauen“ dar; am 18. März ist dazu im Technikum eine multimediale Show mit einer Mischung aus Lesung, Doku, Konzert und Talk zu erleben.
Auch an sonstigen politisch relevanten Themen ist ja kein Mangel, was sich im Literaturprogramm im März spiegelt. So kann man bei einer Lesung des Autors Holger Stark im Amerikahaus über „Das erwachsene Land“ nachdenken: Deutschland ohne Amerika, darin erkennt er „eine historische Chance“ (3. März). Der italienische Autor und Anti-Mafia-Staatsanwalt Gianrico Carofiglio stellt in der Buchhandlung Lehmkuhl einen neuen Justizthriller vor (16. März), und die Autorin und SZ-Redakteurin Annette Ramelsberger macht sich im Literaturhaus Gedanken über die bedeutendsten Kriminalfälle der Bundesrepublik (17. März).
Dazu gehören auch die sogenannten NSU-Morde. Und es sind Töchter ermordeter Väter, die daran Jahre später in einem gemeinsamen Buch erinnern, das sie am 19. März im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus im Münchner Volkstheater vorstellen. Gamze Kubaşık war 20 Jahre alt, als ihr Vater von der rechtsextremen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ umgebracht wurde, Semiya Şimşek war vierzehn. Zusammen mit Co-Autorin Christine Werner haben sie die Geschehnisse und Folgen aufgearbeitet. Und es war für diese Töchter, Frauen, Menschen sicher nicht einfach, zu jener Erkenntnis zu gelangen, die auch zum Titel des Buches wurde: „Unser Schmerz ist unsere Kraft“.

