Was läuft in der LiteraturSommer, Sonne, Bücher

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Das Sommerfest der Monacensia hat gute Tradition; hier ein Eindruck vom vergangenen Jahr.
Das Sommerfest der Monacensia hat gute Tradition; hier ein Eindruck vom vergangenen Jahr. Antje Weber

Zum Ausklang der Saison feiert die Literaturszene so manches Sommerfest – bei letzten Lesungen werden allerdings nicht nur leichte Töne angeschlagen.

Von Antje Weber

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Sommer, Sonne, Leichtigkeit? Wenn es nur so einfach wäre, in einer Welt der Wetter- und sonstigen Kapriolen. Und doch schwingt im Sommergefühl etwas flirrend Leichtes mit, wie auch in der Literaturszene zu spüren ist. Die nimmt in der zweiten Juli-Hälfte einen letzten Anlauf, um das geschriebene und gesprochene Wort zu feiern, ehe sich Urlaubsruhe über die Stadt legt.

Das Literaturarchiv Monacensia beispielsweise feiert am 18. Juli sein traditionelles Sommerfest – zu erwarten sind keine Wasserglas-Lesungen, sondern ein Chor, Jazz und eine grenzüberschreitende Performance von Lilian Robl und Raphael Weilguni. Umso mehr wird beim Sommerfest des Münchner Literaturbüros am 31. Juli gelesen: Wer will, kann ohne Voranmeldung eigene Texte mitbringen und vortragen.

Auch die Hermann-Lenz-Stiftung feiert am 24. Juli ein Sommerfest (mit Voranmeldung), im ehemaligen Wohnhaus von Hanne und Hermann Lenz in Schwabing. Es ist der 111. Geburtstag von Hanne Lenz, der an diesem Abend mehr Aufmerksamkeit zuteilwird als ihrem berühmteren Mann:  Denn gefeiert wird auch, dass Erzählungen, die sie als junge Frau nach dem Krieg veröffentlichte und als „Jugendsünde“ verwarf, bald erneut erscheinen.

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Dass Frauen die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen gebührt, beschäftigt auch die Historikerin Bianca Walther (Monacensia, 14. Juli). In ihrem Sachbuch „Die Vorkämpferinnen“ schildert sie, „wie aus vielen Frauen eine Bewegung wurde“. Anhand von Pionierinnen wie Louise Otto-Peters oder Anita Augspurg erzählt sie vom mühsamen Ringen um Gleichberechtigung – und auch wenn das längst noch nicht beendet ist: Viel ist schon erreicht.

Ein Grund zu feiern ist auch, dass der Freistaat Bayern wieder ein Arbeitsstipendium für literarische Übersetzerinnen und Übersetzer vergibt. Am 20. Juli erhält Jan Schönherr das mit 10 000 Euro dotierte Stipendium im Rahmen einer Lesung samt Werkstattgespräch im Literaturhaus. Es ist ein bemerkenswertes Buch, für das Schönherr ausgezeichnet wird: Er hat den Roman „Julienne“ der ruandischen Autorin Scholastique Mukasonga aus dem Französischen übersetzt. Mukasonga verarbeitet darin den Völkermord an den Tutsi, bei dem auch viele Mitglieder ihrer Familie getötet wurden.

Sommer, Sonne, Leichtigkeit? Das Feiern fällt bei solchen Themen schwer. Doch Probleme auszublenden, ist auch keine Lösung. Das denkt man sich auch bei der Lektüre des neuen Romans „Alle glücklich“ von Kira Mohn. Denn glücklich ist in ihrem Familienroman tatsächlich niemand. So leicht sich der Roman weglesen lässt, aus wechselnden Perspektiven der Eltern und der halbwüchsigen Kinder erzählt – die Probleme, die alle mit sich herumtragen, haben Sprengkraft. Auch wenn die Münchner Autorin am Ende etwas arg viel Drama auffährt: Ihre Beobachtungen aus dem Familienalltag wirken sehr glaubwürdig.

Mohn stellt ihren Roman am 24. Juli in der Glockenbachbuchhandlung vor, wo am 17. Juli eine weitere Münchner Autorin zu Gast ist: Alexandra Blöchl mit „Diesen Sommer springen wir“. Auch in diesem soghaft erzählten Coming-of-Age-Roman ist trotz sommerlicher Temperaturen nicht nur Leichtigkeit zu spüren; eine junge Ich-Erzählerin mit verkorkster Familie versucht hier, ihren Weg und echte Liebe zu finden.

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Jung zu sein ist nicht immer ein Spaß, alt zu sein allerdings auch nicht. Wie sich „Abschied leben“ lässt, vermittelt Gabriele von Arnim am 16. Juli im Literaturhaus. Wie sich hingegen zwischen Kulturen wie der deutschen und der japanischen leben lässt, lässt Yuko Kuhn in „Oniri“ spüren (Pasinger Fabrik, 22. Juli). Und wie sich eine unglückliche Liebe überleben lässt, schildert Dana von Suffrin in „Toxibaby“ und im Literaturhaus (27. Juli).

Um das Leben und den Sommer nicht zu vertändeln und auch mal aus der Sonne zu kommen, bieten sich übrigens auch Lernorte an. Wer nicht bei der Sommerakademie der Volkshochschule ins Philosophieren geraten will, ist vielleicht bei der Bayerisch-Tschechischen Sommerschule der LMU richtig.  Kulturelle und literarische Spuren von Migrationsbewegungen will sie an verschiedenen Orten nachvollziehen (27. bis 31. Juli). Unter anderem liest die Münchner Autorin Désirée Opela in der Seidlvilla aus ihrem Roman „Das Wetter in uns“. Und Sommer und Sonne hin oder her: Entscheidend ist ja letztlich stets das Wetter in uns selbst.

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