„Schicksal“ heißt der bisher letzte Roman von Zeruya Shalev, vor vier Jahren ist er erschienen. Der israelischen Bestsellerautorin fällt es seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 schwer, sich in Romanwelten zu versenken – zu bleischwer wiegt die Realität, und auch die derzeitige Waffenruhe macht Shalev das Leben nicht viel leichter. Wie es der Schriftstellerin im Moment geht? Das wird man von ihr bald in München direkt erfahren können.
Denn Zeruya Shalev wird am 4. Dezember im Jüdischen Gemeindezentrum zu erleben sein. Sie wird dort „Zwiesprache“ mit ihrer Übersetzerin Anne Birkenhauer halten und über den Roman „Schicksal“ sprechen, der so spannend wie psychologisch fein von Schuld, Trauer und Gewalt erzählt; dazu werden beide in hebräischer und deutscher Sprache lesen.
Und sie ist nicht die einzige illustre israelische Autorin, die bald nach München reisen wird. Drei Tage nach Shalev wird die Soziologin Eva Illouz, die nach dem 7. Oktober insbesondere das Verhalten linker Intellektueller kritisiert hat, mit der Publizistin Rahel Salamander in den Kammerspielen auftreten. Ausgangspunkt des Gesprächs wird Illouz’ neuer Essay sein: „Der 8. Oktober“.

Marbacher Schillerrede 2025:Eine Krankheit namens Eigenlob
Donald Trump zersetzt die Moral und stürzt die Welt ins Chaos. Dabei erinnert er an King Lear aus Shakespeares Drama – die Willkürherrschaft beider Männer gründet in den gestörten Verhältnissen zu ihren Egos.
Wie komplex „Der Nahost-Komplex“ ist, davon zeugt auch ein neues Buch der Journalistin Natalie Amiri – zusammen mit dem Schriftsteller Navid Kermani wird sie im Literaturhaus einen weiten Bogen über Syrien nach Israel schlagen. Der Untertitel ihres Buches und des Abends: „Von Menschen, Träumen und Zerstörung“ (1.12., nur noch Stream-Tickets).
Von Menschen, Träumen und Zerstörung – das wäre auch ein guter Titel für einen Abend in der Monacensia. Es geht am 3. Dezember dort um den sogenannten Fall Philipp Auerbach, der die Münchner Nachkriegszeit erschütterte. Nach einem Hörspiel von Dana von Suffrin beschäftigt sich nun auch ein Theaterstück an den Kammerspielen mit dem Thema („Play Auerbach!“, Premiere 4.12.). Dessen Autor Avishai Milstein spricht mit Auerbach-Biograf Hans Hermann Klare und wiederum Rahel Salamander.
Eine jüdische Biografie im München der Nachkriegszeit erzählt auch Roman Haller – es ist seine eigene. Der Münchner Autor und Unternehmer, 1944 unter unvorstellbaren Umständen als Kind im Wald versteckter jüdischer Eltern in Polen geboren, stellt seine Autobiografie „Vom Überleben ins Leben“ am 3. Dezember im Jüdischen Gemeindezentrum vor.
Zwar im selben Jahr 1944 geboren, doch von ganz anderen Erfahrungen geprägt ist die US-amerikanische Schriftstellerin Joy Williams. Ihre Kurzgeschichten, die sie im neuen Band „Stories 2“ am 5. Dezember im Literaturhaus präsentiert, handeln allerdings auch auf eigentümliche Weise vom Schicksal, von Leben und Tod.
Wer heutzutage auf das Leben von Marie Antoinette zurückblickt, denkt in jedem Fall zuallererst an ihren Tod: Die französische Königin endete 1793 auf dem Schafott. Dass ihr Leben zuvor zwar teils von großem Luxus, doch auch von vielen Zwängen geprägt war, spiegeln die Aufzeichnungen ihrer Kammerfrau Henriette Campan wider. Der Münchner Schriftsteller Hans Pleschinski hat sie übersetzt und herausgegeben (Literaturhaus, 11.12.).

Schriftsteller Jonas Lüscher über KI und Maschinen:"Wir können nicht ohne die Technik. Aber auch nicht ohne die Liebe"
Mensch und Maschine – eine konfliktreiche Beziehung. Jonas Lüscher hat darüber einen Roman geschrieben und ist sich bei aller Kritik an KI-Entwicklungen und Elon Musk bewusst: Maschinen retteten ihm während einer Corona-Erkrankung das Leben.
Dass Leben und Tod nicht nur von den Mitmenschen, sondern auch von Maschinen abhängen können, führt Jonas Lüschers Roman „Verzauberte Vorbestimmung“ eindrucksvoll vor. Auch Künstliche Intelligenz beschäftigt den Münchner Schriftsteller, der in der Abschlussveranstaltung von Elvira Steppachers Schreib-Residency in der Monacensia darüber mit der KI-Vordenkerin Mercedes Bunz diskutiert (15.12.).
Die Furcht vor dem Tod hat auch das berühmte Werk „Dekameron“ von Giovanni Boccaccio geprägt: Schließlich flüchtet darin eine Gruppe von Freunden vor der Pest in ein Landhaus und vertreibt sich die Zeit mit Erzählen. Anlässlich von Boccaccios 650. Todestag huldigen der Neu-Übersetzer Luis Ruby, die Biografin Franziska Meier und Manesse-Verleger Horst Lauinger dem Klassiker im Literaturhaus (3.12.).
Ein Klassiker ist auch Rainer Maria Rilke, dessen 150. Geburtstag am 4. Dezember etliche Veranstaltungen in München nach sich zieht, zum Beispiel eine Lesenacht im Gasteig HP8, zu der Fans ihre Lieblingsgedichte mitbringen können (5.12.). Und da wir schon bei Klassikern sind: In der Bayerischen Akademie der Schönen Künste regt das Jubiläum des 200. Todestags von Jean Paul einen Abend am 2. Dezember an. Und so sei dieser Meister der Aphorismen noch flugs mit einem zumindest ansatzweise tröstlichen Satz herbeizitiert: „Die Poesie ist die Aussicht aus dem Krankenzimmer des Lebens.“

