Bewerbung um GroßveranstaltungMünchen will die Leichtathletik-WM ausrichten

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Wettkampf unter Münchner Wahrzeichen: Athleten messen sich bei den European Championships 2022 bei einem Wettbewerb über 35 Kilometer Gehen und passieren dabei den Odeonsplatz.
Wettkampf unter Münchner Wahrzeichen: Athleten messen sich bei den European Championships 2022 bei einem Wettbewerb über 35 Kilometer Gehen und passieren dabei den Odeonsplatz. Tobias Schwarz/AFP
  • München will sich um die Leichtathletik-WM 2029 oder 2031 bewerben. Die Kosten von etwa 110 Millionen Euro sollen sich Stadt, Bund und der Freistaat Bayern teilen.
  • Die WM soll hauptsächlich im sanierten Olympiapark stattfinden und Münchens Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 unterstützen.
  • Die Chancen stehen gut, da nur London als ernsthafte Konkurrenz gilt - und sich die Termine gut ergänzen könnten.
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Die Chancen auf die Ausrichtung in den Jahren 2029 oder 2031 stehen gut. Die WM dürfte zudem die Olympia-Bewerbung der Stadt unterstützen. Doch Kritiker warnen vor hohen Kosten.

Von Linus Freymark

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Um kurz nach halb zehn am Mittwochvormittag ist es beschlossene Sache: Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft soll nach dem Willen des Stadtrats 2029 oder 2031 in München stattfinden. Die Stadt muss sich für beide Jahre bewerben, der Internationale Leichtathletik-Verband entscheidet dann im Vergabeverfahren, ob München den Zuschlag bekommt – und für wann.

Die Kosten für die Ausrichtung in Höhe von etwa 110 Millionen Euro will sich die Stadt zu gleichen Teilen mit dem Bund und dem Freistaat Bayern teilen. Beide haben nach Angaben der Stadt bereits ihre Bereitschaft signalisiert, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen, eine verbindliche Zusage steht jedoch noch aus. Ohne Gelder von Staats- und Bundesregierung wäre die Ausrichtung der WM für die Stadt nicht finanzierbar. Und auch trotz der Zuschüsse würde München noch immer Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro stemmen müssen. Kritiker wie Stefan Jagel (Linke) halten eine Bewerbung „angesichts der Haushaltslage“ deshalb für falsch. Auch die Stadtkämmerei meldet wegen hoher Kosten und leerer Kassen Bedenken an.

Die Mehrheit im Stadtrat hingegen erhofft sich von der Großveranstaltung positive Effekte für München und den Breiten- sowie den Spitzensport. Das Referat für Bildung und Sport (RBS) rechnet mit einem „erheblichem indirektem Einnahmenpotential“ – der Wirtschafts- und Werbewert der Leichtathletik-WM sei inzwischen enorm. Die für Sport zuständige Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) sieht in einer möglichen WM einen „Gewinn für den Sport“ und die Stadt.

Auch im Stadtrat sehen das viele so: Die Ausrichtung der Wettkämpfe, bei denen mehr als 2000 Athletinnen und Athleten aus 195 Ländern antreten, würde zwar viel Geld kosten, erklärt Kathrin Abele (SPD). Gleichzeitig sei die Leichtathletik-WM ein „wahnsinniges Highlight“. Und: Die Großveranstaltung sei „ein wichtiger Schritt für Olympia“. München bemüht sich neben der Leichtathletik-WM auch um die Olympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.

Dafür muss sich München zunächst gegen die inländische Konkurrenz aus Berlin, Hamburg und der Region Rhein-Ruhr durchsetzen, bevor die Stadt als deutsche Kandidatin an der offiziellen Vergabe teilnehmen kann. Eine Leichtathletik-WM im Süden dürfte die anderen deutschen Bewerber zusätzlich unter Druck setzen, die Ambitionen der Stadt in Sachen Olympia unterstreichen und das selbst erklärte Image von München als „Sportstadt“ stärken.

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Auch deshalb hat die Stadt bereits 2022 die European Championships ausgerichtet, bei denen Europameisterschaften in verschiedenen Disziplinen wie Leichtathletik, Radsport oder Beachvolleyball ausgetragen wurden. Solche Sportveranstaltungen hätten „der Stadt gutgetan“, befindet Beppo Brem von den Grünen – genau wie Olympia 1972 oder die Fußball-WM 2006.

Sollte München den Zuschlag erhalten, soll die Leichtathletik-WM vor allem im Olympiapark stattfinden. Dessen Sanierung soll bis dahin abgeschlossen sein, sodass die Sportlerinnen und Sportler und ihr Publikum modernisierte Stätten vorfinden würden. Und: Mit jeder Großveranstaltung, die auf dem für Olympia 72 errichteten Gelände stattfindet, würden sich die Investitionen in die Modernisierung des Areals mehr lohnen.

Die Chancen für den Zuschlag stehen gut

Überhaupt sollen im Olympiapark wieder mehr Sportveranstaltungen stattfinden – die Leichtathletik-WM könnte vor Olympia die größte sein und als Testlauf für die Sommerspiele dienen.

Und wie stehen die Chancen auf die WM in München? Gut, sagt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV). Da mit Tokio (2025) und Peking (2027) zwei Städte in Asien den Zuschlag erhalten haben, sieht der DLV in Zukunft gute Chancen für europäische Bewerber. Neben München hat bislang nur London ernsthaftes Interesse bekundet.

Im Rathaus präferieren die meisten den späteren Termin, da 2029 mit dem Internationalen Deutschen Turnfest und der Fußball-Europameisterschaft der Frauen bereits zwei große Sportereignisse in München gastieren. Den nichteuropäischen Bewerbern wie dem indischen Ahmedabad, der kenianischen Hauptstadt Nairobi und Addis Abeba in Äthiopien räumt der DLV kaum Chancen ein.

Bis Anfang April muss die Stadt nun ihre Bewerbungsunterlagen einreichen. Im September entscheidet dann der Internationale Leichtathletik-Verband, welche Städte den Zuschlag für 2029 beziehungsweise für 2031 bekommen – und ob eine davon München ist.

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