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Siedlung Hartmannshofen:Leere Häuser in bester Lage

Die Siedlung Hartmannshofen wurde vor gut 100 Jahren gegründet. Dem Freistaat gehören hier mehrere Häuser - nicht alle von ihnen sind auch bewohnt.

Die Siedlung Hartmannshofen wurde vor gut 100 Jahren gegründet. Dem Freistaat gehören hier mehrere Häuser - nicht alle von ihnen sind auch bewohnt.

(Foto: Robert Haas)

Etliche Immobilien des Freistaats werden schon seit Jahren nicht genutzt - die SPD spricht von Verwaltungsversagen und regt temporäre Vermietung oder Zwischennutzung für Künstler an.

Von Bernd Kastner

In München stehen zahlreiche Immobilien leer, die dem Freistaat gehören. Das geht aus einer Antwort des bayerischen Bauministeriums auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn hervor. Betroffen sind vor allem kleinere Wohnhäuser auf großen Grundstücken. Viele davon liegen in Hartmannshofen, einer Siedlung nördlich des Nymphenburger Parks, die von einem großen, alten Baumbestand geprägt ist. Von Brunn zeigt sich "empört". Er sieht im Leerstand, der teils seit Jahren andauert, ein "massives Staats- und Verwaltungsversagen".

Das von Kerstin Schreyer (CSU) geführte Bauministerium hat von Brunn eine Tabelle mit 46 Grundstücken und Objekten geschickt, von denen 36 als "leerstehend" gekennzeichnet sind. Auf manchen dieser Flächen sind aber laut Bauministerium Arbeiten für Neubauten im Gange oder stehen bald bevor; oder der Verkaufsprozess läuft.

Unterm Strich dürften es etwa zwei Dutzend Anwesen sein, die leer stehen, manche seit fünf Jahren oder noch länger, ohne dass eine Aktivität vermerkt ist. Ein ehemaliges Forstwohnhaus am Schilcherweg auf einem gut 7000 Quadratmeter großen Grundstück, ganz im Süden des Stadtgebiets unweit der Isar, steht seit 2010 leer. Es sei laut Ministerium für den Bau von geförderten Wohnungen durch eine staatliche Gesellschaft vorgesehen.

Die meisten der nicht bewohnten Häuser finden sich in Hartmannshofen, wo der Freistaat vor Jahrzehnten viele Grundstücke in Erbpacht vergeben hat. Allein in Lechel-, Waldhorn- und Haldenbergerstraße stehen 15 Anwesen leer. Die sogenannten Erbbaurechtsnehmer bauten in der Regel eher kleine Häuser, diese sind inzwischen an den Freistaat zurückgefallen.

Das Ministerium relativiert den Leerstand mit dem Hinweis, dass in diesen Gebieten meist nur Baurecht für Ein- oder Zweifamilienhäuser bestehe. Für die Grundstücke sei ein Verkauf über eine öffentliche Ausschreibung vorgesehen; viele der Häuser dürften bald abgerissen werden. Warum die seit Jahren leer stehenden Häuser nicht schon längst verkauft oder zwischenvermietet sind, erklärt das Ministerium nicht in seiner Antwort auf die Anfrage des SPD-Politikers. Wer Hartmannshofen kennt, der weiß, dass die Grundstücke begehrt sein dürften, und alles andere als günstig. Sie sind oft deutliche größer als 1000 oder gar 2000 Quadratmeter.

Der Münchner Abgeordnete Florian von Brunn nimmt die Leerstandsliste zum Anlass, die CSU-geführte Staatsregierung massiv zu kritisieren: "Viele Menschen suchen verzweifelt eine bezahlbare Wohnung - und dann das! Ich frage mich: Interessiert die Regierung Söder und die zuständige Ministerin überhaupt die Situation der Mieterinnen und Mieter hier in München?" Von Brunn geht davon aus, dass in vielen Fällen eine befristete Vermietung oder eine Zwischennutzung möglich wäre. Wo sich die Häuser nicht für normales Wohnen eignen, könnten Künstlerinnen und Künstler zumindest vorübergehend mit Ateliers einziehen. Der Stadt München empfiehlt von Brunn zu prüfen, ob es sich bei den leer stehenden Häusern um Zweckentfremdung handle. Dann solle man ein entsprechendes Verfahren einleiten.

Der Leerstand von Wohnungen im Eigentum der öffentlichen Hand in München war vor sieben Jahren schon einmal ein Aufreger. Damals war die seit Jahrzehnten SPD-dominierte Stadt verantwortlich dafür und stand politisch im Feuer. 2014 wurde bekannt, dass rund 1200 städtische Wohnungen ungenutzt waren, etwa die Hälfte länger als sechs Monate. Die leeren Wohnungen wurden zum großen Thema im Kommunalwahlkampf 2014. Damals war es die CSU, die der Stadtverwaltung "organisierte Verantwortungslosigkeit" vorwarf.

© SZ vom 14.04.2021/wean
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