Lateinamerikanische Filmtage in München19 Überraschungen und ein Oscar-Anwärter

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„The Secret Agent“ des Brasilianers Kleber Mendonça Filho ist ein Mix aus Gangsterfilm, Widerstandsdrama, Rachekrimi und Politthriller.
„The Secret Agent“ des Brasilianers Kleber Mendonça Filho ist ein Mix aus Gangsterfilm, Widerstandsdrama, Rachekrimi und Politthriller. (Foto: Port Au Prince Pictures)

Wildnis und Zivilisation: Bei den Lateinamerikanischen Filmtagen München werden neue Filme aus Argentinien, Kolumbien und Peru gezeigt – auch einer der besten Filme des Jahres.

Von Josef Grübl

In der Reihe „Bestiarium“ der Süddeutschen Zeitung geht es jede Woche um Menschen und Tiere, um eine 300 Jahre Riesenschildkröte in einem afrikanischen Zoo etwa, um Alpaka-Touren in der Rhön oder um Laufenten, die auf einem Weingut mithelfen. Auch das Team der Lateinamerikanischen Filmtage München (Lafita) benutzt den schönen Begriff des Bestiariums: „Wildnis und Zivilisation treffen aufeinander“, schreiben sie über das diesjährige Festivalprogramm, in den Filmen würden Fragen um Nähe und Distanz, Neugier und Fremdheit ausgehandelt.

Lafita gibt es seit 1986, an fünf Tagen stehen 20 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus Lateinamerika auf dem Spielplan, dieses Jahr habe man kein spezielles Land im Fokus, verraten die Veranstalter, sondern betrachte vielmehr ein Bestiarium. Es gehe um den lateinamerikanischen Puls der Gegenwart sowie um historische Zusammenhänge des Subkontinents, so das Lafita-Team. Wie immer führen sie die Filme in ihren jeweiligen Originalsprachen auf, mit deutschen oder englischen Untertiteln.

Um dem selbst auferlegten Mensch-Tier-Thema gerecht zu werden, gibt es bei einigen Vorstellungen Vorfilme zu sehen, unter anderem mit sprechenden Flusspferden und Pfauen („About Happy Hippos And Sad Peacocks“) oder mit Krokodilen, die Menschen beobachten („Nido de Cocodrilo“).

Eröffnet wird Lafita am 26. November mit einem kolumbianisch-deutsch-schwedischen Spielfilm, der in diesem Jahr eine beeindruckende Festivalkarriere hingelegt hat: „Un Poeta“ lief in Cannes, Toronto, Marrakesch oder Thessaloniki. Simón Mesa Sotos Tragikomödie erzählt von einem Dichter, der mehr trinkt als dichtet. Um nicht weiter abzustürzen, nimmt er einen Job an einer Schule an. Dort entdeckt er das literarische Talent einer Schülerin – und will fortan ihr Mentor sein.

Zu sehen ist „Un Poeta“ im Kulturzentrum Luise, die restlichen Filme des Festivalprogramms laufen im Werkstattkino und im Gasteig HP8. Zusätzlich ist am 29. November ein Film- und Konzertabend im Import Export geplant: Dort wird der argentinische Spielfilm „El Jockey“ gezeigt, der erst vor wenigen Monaten unter dem Titel „Kill The Jockey“ in den deutschen Kinos lief und der von einem Jockey erzählt, den ein Unfall aus der Bahn wirft. Im Anschluss soll es ein Konzert des Band-Projekts Los Babriks und ein DJ-Set von Soundsystem DJ González & Don Caramelo geben.

Aus Argentinien stammt der Spielfilm „Kill The Jockey“.
Aus Argentinien stammt der Spielfilm „Kill The Jockey“. (Foto: MTA Film)

Viele Filme des diesjährigen Festivalprogramms haben in München Deutschlandpremiere, andere sind dagegen schon recht bekannt. „O Agente Secreto – The Secret Agent“ etwa läuft seit einigen Wochen regulär in den deutschen Kinos, es geht darin um einen Mann, der in den späten 1970er-Jahren auf der Flucht vor einer Militärdiktatur ist. Der Film des Brasilianers Kleber Mendonça Filho kommt als Mix aus Gangsterfilm, Widerstandsdrama, Rachekrimi und Politthriller daher, er gilt als sicherer Anwärter für diverse Oscar-Nominierungen – und einer der besten Filme des Jahres.

Als Preview ist das Drama „La misteriosa mirada del flamenco – Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“ über eine queere Familie im Chile der 1980er-Jahre zu sehen. Auch Gäste haben sich angekündigt: Zur Vorstellung der brasilianisch-deutschen Koproduktion „Boalândia“ am 30. November im Gasteig HP8 werden die Regisseure Patrik Thomas und Mathias Reitz Zausinger erwartet. In ihrem Dokumentarfilm geht es um die Präsidentschaft von Jair Bolsonaro in Brasilien – und um den Widerstand gegen diesen verurteilten Rechtspopulisten. Am 29. November stellt Regisseur Dario Aguirre ebenfalls im Gasteig HP8 seinen Dokumentarfilm „Nosotros los Wolf“ vor, darin zieht es ihn in Sachen Ahnenforschung nach Ecuador. Und am 27. November will Hermes Paralluelo im Werkstattkino sein im Amazonas-Urwald angesiedeltes Drama „Las Muertes de Chantyorinti“ vorstellen.

Lafita - Lateinamerikanische Filmtage, Mittwoch, 26., bis Sonntag, 30. November, im Kulturzentrum Luise, Import Export, Werkstattkino und Gasteig HP8

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