Ganz oben in fast 80 Metern Höhe ist diese 24. lange Nacht der Musik einfach magisch. Dieser Blick über München, die blinkende Stadt! Ganz hinten im Norden, winzig klein die rot erleuchtete Fußballarena, in der FC-Bayern-Legende Thomas Müller zum Abschied wohl gerade die Meisterschale in die Luft gestreckt hat. Und ganz unten eine Schlange Menschen.
Musikbegeisterte warten darauf, in eine der 27 Gondeln des Riesenrads „Umadum“ im Werksviertel zu steigen. Manche sogar eineinhalb Stunden lang. Denn in jeder Kabine gibt es eine musikalische Überraschung. Pop, Rock, Jazz. Unplugged. Zum ersten Mal ist das Riesenrad schwebende Bühne – das wunderbare Panorama inbegriffen.
In einer Gondel spielt „Frida.“ aus Mühldorf am Inn. Markus Frisch, 39, und Sebastian Dietl, 26, haben ihre Gitarren ausgepackt, drehen eine Proberunde. Gitarren stimmen, Akustik testen und nur staunen über diesen ungewöhnlichen Auftrittsort. Höhenangst? Nein, sagt Sebastian Dietl, aber „hoch ist es schon“.
Die Kabinentür geht auf, elf Gäste steigen ein, Frisch und Dietl legen gleich los. Sie singen von der Liebe, dem Sommer in der Stadt, von Wien, von Passau und München. Schön bayrisch. Und sehr „hautnah“.
Die Gäste wippen im Takt. Darf man das überhaupt? Ohne, dass die Gondel wackelt, fragt sich Sebastian Dietl. Aber die Gondel schwebt ruhig über dem Werksviertel. 15 Minuten lang. Bis Mitternacht spielt Frida. Andere Bands noch bis zwei Uhr.
Die Idee, das Riesenrad zu bespielen kam Christoph Schmid „ganz spontan“. Viele Musiker aus dem Bezirk Oberbayern sollten bei der Langen Nacht spielen können, bekannt werden können in der Stadt, sagt der Popularmusikbeauftragte des Bezirks.
Warum also nicht das Riesenrad bespielen? 30 Acts sind dabei. Die Musiker sind begeistert, die Zuhörer erst recht. „Das ist wirklich ein tolles Konzept“, sagt Monika Bauer aus München, „coole 15 Minuten und durch Zufall genau meine Musik“.



Normalerweise kostet eine Umadum-Fahrt 14 Euro. Jetzt ist eine Fahrt mit dem 20-Euro-Ticket der langen Nacht, das für alle 400 Konzerte gilt, möglich. 20 000 musikbegeisterte Menschen nutzen an diesem Samstagabend die Angebote in München. Schlange stehen. Das tut man daher durchaus öfter. Vor der Abendkasse am Odeonsplatz, den Bars, an den Shuttlebus-Haltestellen oder sogar im kleinen Schwabinger Akthof an der Türkenstraße, wo zum ersten Mal bei Live-Musik und einem Live-Modell gezeichnet wird.
Auch vor den gläsernen Schiebetüren der Stadtsparkasse im Tal stehen viele Menschen. Sie wollen gleich zu Beginn der langen Nacht die Münchner Symphoniker unter der Leitung von Chefdirigent Joseph Bastian hören, kommen aber nicht hinein. „Schon voll“, heißt es um 20.30 Uhr. Geduld ist also gefragt.

Die, die in einem ersten Schwung hineingekommen sind, lauschen unter Wortskulpturen der Musik. Genießen. Auf Sitzhockern, auf dem Boden. „Ach“, sagt eine ältere Frau, die sich an der Bar noch einen Hugo holt, „so schön!“.
Die längste Schlange aber hat sich gegen 23 Uhr auf der Leopoldstraße gebildet. Die Fans des FC-Bayern, die den Meistertitel ihrer Mannschaft gefeiert haben, ziehen unter großem Polizeiaufgebot heimwärts. Irgendwohin. In die Nacht.

