Süddeutsche Zeitung

Lärmschutzwall in Neuhausen:Protest gegen die "Monster-Mauer"

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Gut sieben Meter hoch soll der Lärmschutzwall an der Landshuter Allee werden - doch dagegen regt sich Widerstand. Die Opposition im Stadtrat fordert stattdessen den Bau eines Tunnels.

Von Andreas Schubert

Manchmal ist auch ein Megaphon gegen den Autolärm weitgehend machtlos. Man muss trotz Flüstertüte schon näher herantreten, wenn man die Redner verstehen will, die sich am Freitagvormittag an der Klosterkirche St. Theresia in Neuhausen versammelt haben. Die Redner, das sind unter anderem Manuel Pretzl, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Stadtrat, sowie Jörg Hoffmann, FDP-Fraktionschef, FDP-Stadtrat Fritz Roth und Felix Meyer (FDP) vom Bezirksausschuss Neuhausen-Nymphenburg. Sie haben zur Demonstration geladen, weil sie befürchten, dass die Stadt den Anwohnern eine mehr als sieben Meter hohe "Mauer" vor die Nase baut.

Die "Monster-Mauer", wie die Demonstranten sie nennen, soll dem Lärmschutz dienen. Denn die Verlängerung des Landshuter-Allee-Tunnels, wie sie lange geplant war, ist bekanntermaßen vom Tisch. Das hat die grün-rote Stadtratsmehrheit in ihrem Koalitionsvertrag so festgelegt. Stattdessen soll es eben Lärmschutzwälle geben. Rund sieben Meter hoch wären sie, wenn es statt eines Tunnels eine begehbare Einhausung gäbe. Eine solche hatte die Verwaltung nach einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2014 abgelehnt, weil sie zu aufwendig zu bauen wäre. Vergangenen Sommer aber hat der Stadtrat beschlossen, erneut eine Einhausung prüfen zu lassen. Die könnte 26 Meter breit und 730 Meter lang sein.

Wie das dann zum Beispiel von der Dom-Pedro-Straße betrachtet aussehen würde, wollen CSU und FDP mit ihrer kleinen Demonstration verdeutlichen. So lassen sich Pretzl und Hoffmann mit einer Hebebühne siebeneinhalb Meter in die Höhe hieven. Von der Bühne flattert ein Transparent mit der Aufschrift "Tunnel statt 7,5m hohe Monster Mauer".

Die Demonstranten sind überzeugt, dass der Autoverkehr so schnell nicht aus der Stadt verschwinden wird. Was den Lärm angeht, so sind ab Tempo 30 auch Elektroautos wegen der Rollgeräusche der Reifen ziemlich laut. Eine hohe Lärmschutzwand würde dies zwar dämmen, allerdings sei so eine Wand ein untauglicher Versuch, die Probleme in den Griff zu kriegen, sagt Manuel Pretzl. "Durch einen Tunnel würde man oberhalb viele zusätzliche Grünflächen schaffen und einen echten Beitrag zum Lärmschutz leisten." Dies sei ein Stück Stadtteilreparatur, die über die Landshuter Allee hinaus gehe.

"Platz ist in München die wertvollste Ressource, deshalb muss man sie so gut wie möglich nutzen", erklärt FDP-Fraktionschef Hoffmann. "Wir wollen an der Landshuter Allee den Autoverkehr unter die Erde verlegen, so dass an der Oberfläche Platz entsteht für Geh- und Radwege und eine großzügige Grünfläche."

Neuhausen, das in den Sechzigerjahren durch den Bau des Mittleren Rings zerschnitten wurde, könne so wieder zusammenwachsen. Die von den Grünen vorgeschlagene Einhausung nennt er einen "brutalen Eingriff ins Stadtbild" und "eine Zumutung für alle Anwohner". Das sieht auch die Handvoll Anwohner so, die am Freitagvormittag zur Kirche gekommen sind, unter ihnen Kirchenpfleger Frank Multerer. Er erklärt, er sei von einer Einhausung "wenig begeistert". Gegen einen so hohen Wall werde man womöglich rechtlich vorgehen.

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