bedeckt München 14°

Corona:Inzidenz in München bei 54,2 - keine generellen Ladenöffnungen ab Montag

Am Sonntag meldet das Robert Koch-Institut für München einen Inzidenzwert von 52,1.

(Foto: Stephan Rumpf)

Einen Tag vor den in Aussicht gestellten Lockerungen springt der Inzidenzwert in der Stadt über den Schwellenwert - die Einzelhändler trifft das hart.

Von Ekaterina Kel und Martin Moser

Lange Zeit war München vorbildhaft: Seit dem 4. Februar lag die Inzidenzzahl in der Stadt stets unter 50, man freute sich über die vergleichsweise niedrigen Ansteckungsraten mit dem Coronavirus. Vergangene Woche gab es nach der Ministerpräsidentenkonferenz endlich eine Aussicht auf offene Geschäfte von diesem Montag an. Zwar stieg die Inzidenz seit einiger Zeit wieder kontinuierlich. Eine kleine Shoppingtour durch die Innenstadt hatte sich jedoch als Idee schon in einigen Köpfen festgesetzt - nicht zuletzt bei den Einzelhändlern, von denen etliche um ihre Existenz bangen.

Doch diese Vorstellung wird nun vorerst nicht Realität. Ausgerechnet an diesem Sonntag, einen Tag vor den möglichen Öffnungen, kletterte der Inzidenzwert laut Robert-Koch-Institut auf 52,1 - und damit über den Grenzwert von 50, der die allgemeinen Öffnungen verspricht. Am Montag lag er bereits bei 54,2. Eine herbe Enttäuschung für die Händler. Vertreter von ihnen hatten zusammen mit Kulturschaffenden, Gastronomen, Hoteliers unter dem Motto "Gemeinsam Zukunft" am Sonntagnachmittag auf dem Marienplatz eine friedliche Protestaktion organisiert. Vor etwa 300 Zuschauern forderten verschiedene Sprecher "vernünftige Lösungen" und endlich Öffnungen.

Die Realität aber bleibt verwirrend: So zeigte sich Wolfgang Fischer, Sprecher der im Verein City-Partner zusammengeschlossenen Innenstadt-Händler, am Sonntagvormittag irritiert: Dürfen die Läden am Montag nun ganz aufmachen oder nur mit Anmeldung? Sollen die Händler ihre Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen oder nicht? Seit Bekanntgabe der neuen Regelungen "orakele" man, was nun gelte, sagte er. Dass wichtige Fragen, wie zum Beispiel nach der Personaleinsatzplanung, wenige Stunden vor den geplanten Öffnungen noch unklar waren, dürfte nicht nur bei Fischer Ärgernis ausgelöst haben.

"Wir haben schon viel Kurzfristiges erlebt", so Fischer, "aber das ist der Hammer." Man könne Beschäftigte, die seit 16. Dezember in Kurzarbeit zu Hause sitzen, am Montagmorgen nicht einfach "wie einen Lichtschalter" an- oder ausschalten. Ein Detail, das zur Unsicherheit beigetragen hatte: Die bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung versprach eine Bekanntmachung des Gesundheitsministeriums am Sonntag, in der die maßgeblichen Inzidenzeinstufung für jede Stadt und jeden Landkreis für Montag festgelegt werde. Sie kam dann offiziell aber erst gegen Mittag heraus.

Konkret heißt es jetzt für München: Buchhandlungen und Versicherungsbüros dürfen von Montag an zwar wie in ganz Bayern ihre Ladentüren wieder aufsperren. Für alle anderen Geschäfte, die bislang noch geschlossen waren, gibt es aber weiterhin Einschränkungen. Sie dürfen bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 ihre Kunden nur empfangen, wenn sich diese vorher angemeldet haben. Es gelten zudem besondere Voraussetzungen, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der SZ bestätigte. Das Prinzip "Click & Meet", also das Einkaufen nach vorheriger Terminbuchung, sei erlaubt, wenn pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche höchstens ein Kunde anwesend sei. Der Betreiber des Ladens habe zudem die Kontaktdaten der Kunden zu erfassen. Diese Regeln gelten bis auf Weiteres. Erst wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen der Inzidenzwert unter 50 liegt, kann es zu weiteren Lockerungen kommen.

Unklar bleibt, ob wirklich alle Geschäfte in der Stadt von dieser Regel sofort Gebrauch machen werden. Er habe schon von einigen Händlern Signale bekommen, dass sich das Modell "Click & Meet" für ihr Geschäft betriebswirtschaftlich nicht lohnen würde, sagt Fischer. Aber er zeigt sich trotz allem optimistisch: Selbst wenn nur ein kleines bisschen, ab diesem Montag werde es wieder Öffnungen in der Stadt geben.

Ein Überblick, welche Regeln sich bei welchem Inzidenzwert ändern, lesen Sie hier.

© SZ/kbl, van
Zur SZ-Startseite

SZ PlusEinkaufen in München
:"Die Schlacht gewinnen wir nicht mehr über die Ware"

Das Haushaltswarengeschäft Kustermann gehört zu München wie der Viktualienmarkt, seit 222 Jahren und sieben Generationen. Über ein Kaufhaus, in dem alteingesessene Münchner, wie auch arabische Prinzen shoppen - und über eine Familie, die zusammenhält.

Von Martina Scherf

Lesen Sie mehr zum Thema