Neues von Münchens Kabarett-InstitutionDer Laden der Lach- und Schieß heißt jetzt „Kult 56“

Lesezeit: 3 Min.

Der einstige Schwabinger Laden der Lach- und Schießgesellschaft heißt, nun in Anlehnung an das Gründungsjahr der Kabarett-Institution, „Kult 56“.
Der einstige Schwabinger Laden der Lach- und Schießgesellschaft heißt, nun in Anlehnung an das Gründungsjahr der Kabarett-Institution, „Kult 56“.
Oliver Hochkeppel

Schon wieder ein neuer Name für das Stammhaus der Lach- und Schießgesellschaft. Wer blickt da noch durch? Und was bedeutet das neue Gastro-Konzept für die Macher der Kabarett-Institution?

Von Oliver Hochkeppel

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Man merkt Christian Entleitner an, dass ihm die Botschaft wichtig ist: „Jetzt wurde schon wieder geschrieben: ‚Die Lach- und Schießgesellschaft stellt sich neu auf‘. Das klingt immer so, als wären wir, die Gastronomen, bei der Lach- und Schießgesellschaft zu Gast. Aber es ist umgekehrt: Die Lach- und Schieß ist bei uns zu Gast.“ Zum besseren Verständnis deshalb noch einmal die jüngere Leidensgeschichte der Münchner Kabarett-Institution in der Haimhauser-/Ecke Ursulastraße im Schnelldurchlauf.

Im Herbst 2021 vergraulten die Gesellschafter Bruno Jonas und Leila Nöth ihren Mitgesellschafter und Geschäftsführer Till Hofmann und, nicht weniger wichtig, mit ihm die Bookerin Stefanie Rosner. Nach nie vollendeten Umbauarbeiten und in der am Ende heillos zerstrittenen Neuaufstellung mit Stefan Hanitzsch als Geschäftsführer ging die Gesellschaft im Frühjahr 2023 in Insolvenz. Vom Insolvenzverwalter und dem Gericht bestallt und vom von Alt-OB Christian Ude gegründeten Rettungsverein „Die Laden-Hüter“ unterstützt, fing eine neue Gesellschaft unter der Federführung von Ulrich Spandau und dem im vergangenen Jahr wieder ausgeschiedenen Geschäftsführer Christian Schultz buchstäblich bei null an.

Da der „Laden“, wie das Bühnenlokal der Lach- und Schießgesellschaft seit jeher genannt wurde, nun auf Betreiben der Besitzer und des Pächters – einer Großbrauerei – endgültig zu einem gastronomischen Betrieb werden sollte, verteilte sich der ohnehin extrem reduzierte Spielbetrieb zunächst auf Ausweichquartiere: Im Silbersaal des Deutschen Theaters und in der Drehleier fand man Unterschlupf mit regelmäßigen Terminen – hauptsächlich getragen vom nach wie vor bestehenden Ensemble.

Mit der Familie Entleitner hatte man immerhin Gastronomen gefunden, die sich auf das Abenteuer einließen, nicht nur in den aufwendigen Umbau zu investieren, sondern der Lach- und Schießgesellschaft mit einem Nutzungsvertrag ein neues, bescheideneres Leben in der alten Wirkungsstätte zu ermöglichen. Leider erwies sich diese Koexistenz bislang wirtschaftlich nicht als erfolgreich. Im Herbst 2024 mit dem alten Namen und einer Dieter-Hildebrandt-Karikatur in der neuen Leuchtreklame an den Start gegangen, funktionierte die ersehnte und bei der Eröffnung verkündete „fruchtbare Koexistenz von Tradition und frischem Wind“ nicht wirklich.

Dieses Schild mit einer Dieter-Hildebrandt-Karikatur in der neuen Leuchtreklame ist längst wieder verschwunden.
Dieses Schild mit einer Dieter-Hildebrandt-Karikatur in der neuen Leuchtreklame ist längst wieder verschwunden.
Matthias Balk/dpa

„Wir hatten das Problem, dass die Leute uns nicht als vollwertige Gastronomie wahrgenommen haben, sondern nur als Kabarett wie all die Jahre zuvor“, erklärte Mariana Entleitner schon Anfang April dieses Jahres. Da hatte man deshalb gerade das Konzept umgeworfen. Hildebrandt wurde abgehängt, als Name prangte nun „Wing Nation – Smiles & Shots“ auf dem Leuchtschild. Quasi als Filiale des Sendlinger Lokals der Entleitners, die dort nach drei Jahren in den USA deren amerikanische Hühnchen-Räucherkultur in München einführten, sollte es ein „Schwabinger Wohnzimmer“ mit Kulturanteil werden.

Auch das fruchtete nicht, Chickenwings und Kabarett erwiesen sich nicht so recht als publikumskompatibel. Seit vergangenem Samstag heißt das Lokal nun in Anlehnung an das Gründungsjahr der Lach- und Schießgesellschaft „Kult 56“. Mit breit aufgestellter bayerischer und internationaler Küche, einem eigenen Programm und festen Terminen für die Lach- und Schießgesellschaft soll die Wende hin zu einem „Treffpunkt vor allem für die Kulturschaffenden und -begeisterten“ gelingen, wie die Entleitners sagen.

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Dafür wollen sie auch ein eigenes Programm anbieten, mit dem Wittener Graffiti-Künstler und Galeristen Patrick Brehmer als „für die Ausstellungen Zuständigen“ und dem Pianisten Luca Radu als musikalischem Leiter. Geschäftsführer Ulrich Spandau sieht darin weder Konkurrenz noch Problem. „Die Lach- und Schließgesellschaft entwickelt sich weiter“, befindet er angesichts des zurückliegenden Geschehens erstaunlich fröhlich. Der seit Juli vergangenen Jahres amtierende künstlerische Leiter der Lach- und Schießgesellschaft, André Hartmann, gesteht zwar, die neuen „Kollegen“ von der Gastronomie bisher nicht zu kennen, freut sich aber über die nunmehr festen Tage, die er bestücken darf.

Stefan Erz und Frank Klötgen laden monatliche zur Lesebühne „Die letzten Nächte der Bohème“.
Stefan Erz und Frank Klötgen laden monatliche zur Lesebühne „Die letzten Nächte der Bohème“.
Jeanette Kummer

Und zwar zunächst einmal so: Eine monatliche Einrichtung soll die Lesebühne „Die letzten Nächte der Bohème“ des Ensemblemitglieds Frank Klötgen und seines musikalischen Partners Stefan Erz werden. Die ersten zwei Termine – am 18. September mit dem Weiherer, Moses Wolff und Ludwig Müller sowie am 23. Oktober mit Grög, Dr. Will und Meike Harms als Gäste – stehen schon auf der Homepage. Auch andere Lesebühnen der Republik sollen regelmäßig zu Besuch kommen. Christian Ude wird einen festen Platz für „Schwabinger Geschichten“ bekommen. Bereits sicher zu Gast im ehemaligen Laden ist am 14. September der Valentin-Karlstadt Förderverein „Die Saubande“ mit der Verleihung seines Kuriositätenpreises.

Im Silbersaal schreitet der in London als Kabarettist groß gewordene Christian Schulte-Loh unter das originale alte Lach- und Schieß-Schild (10. Oktober), und in der Drehleier läuft die Doppelderniere des Ensembleprogramms „Abgespeckt“ (7. November) – das Ensemble wird danach einen Jahresrückblick spielen und damit auch touren. „Auf die Kooperationen mit dem Silbersaal und mit der Drehleier bauen wir auch weiterhin“, sagt Hartmann.

Am 17. September ist eine Pressekonferenz geplant, bei der die neue Konstellation, aber vor allem das Programm nach der Sommerpause vorgestellt werden sollen. Mit den schon genannten sollen es 35 Veranstaltungen bis zum Jahresende werden, davon ein Dutzend im Kult 56. Das wäre dann tatsächlich mehr, als in und unter dem Namen der Lach- und Schießgesellschaft seit 2021 je passiert ist.

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