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München:Kurze Wege

Dass Handwerksarbeit online vermittelt günstiger und schneller zur Reparatur führt, will ein neues Start-up beweisen.

(Foto: Imago/Melanie Bauer)

Ein neues Start-Up koordiniert Handwerker - um Anfahrtszeiten zu optimieren und auch darüber hinaus Kosten für den Auftraggeber senken. Die Innung äußert sich bislang skeptisch

Als Oliver Pye die Büroräume seiner IT-Firma vergrößern wollte, hatte er ein Problem: Er fand zunächst keinen Handwerker. Für eine neue Toilette mussten aber Rohre verlegt werden. Als Pye endlich jemanden gefunden hatte, bekam er einen Kostenvoranschlag über 25 000 Euro. Das war ihm zu viel, er suchte im Internet nach einem weiteren Angebot. Nach langer Suche fand er einen Handwerker, der alles für mehrere tausend Euro günstiger übernahm. Der Unterschied war gravierend, Pye fragte sich, ob der erste Anbieter ihn über den Tisch ziehen wollte. Ob es Möglichkeiten gibt, die Zusammenarbeit mit Handwerkern transparenter, einfacher zu strukturieren. Und gründete Anfang des Jahres das Start-up "Service-Fix".

Je mehr er sich mit den Münchner Handwerkern beschäftigt habe, desto mehr sei ihm aufgefallen, dass eine gängige "Mär" gar nicht stimme, sagt Pye. "Die Handwerker in München sind nicht voll ausgelastet." Viel eher würden die Handwerker ihre Zeit einfach nur schlecht planen, findet er. "Ein Handwerker verschwendet mindestens 20 Prozent seiner Zeit." Allein bis die eigentliche Arbeit beginnt, gehe viel Zeit für Anfahrt, Besichtigung, Kostenvoranschlag und Einkauf des Ersatzteils verloren - und das schon, bevor das erste Mal an einer Schraube gedreht oder ein Loch gebohrt wurde.

Jens Christopher Ulrich von der Handwerkskammer für München und Oberbayern, bei der momentan mehr als 20 000 Betriebe in der Stadt und im Landkreis München eingetragen sind, ist es "zu pauschal", auf Zeitverschwendung bei den Handwerkern zu verweisen. Schließlich sei es oftmals erforderlich, dass sich ein Handwerker vor Ort informiert, um ein angemessenes Angebot zu stellen und einen Auftrag planen zu können, argumentiert er.

Das sehen Oliver Pye und seine Kollegen natürlich anders. Den Beweis dafür soll Kata Kalmann antreten. Sie ist zuständig für den Kundenkontakt bei dem Start-up und koordiniert die Termine mit den Handwerkern. Vor allem kleinere Aufträge wollen sie so vermitteln, zum Beispiel das Austauschen eines defekten Wasserhahns. Zunächst beschreibt man auf der Homepage sein Problem, schickt ein Foto und nennt einen Wunschtermin, beispielsweise am Vormittag in drei Tagen. Kata Kalmann teilt - um bei dem Beispiel mit dem Wasserhahn zu bleiben - einen Sanitärinstallateur ein, der zu dem Termin bereits in der Gegend ist.

Der Installateur berechnet pro Stunde fixe 79 Euro, Anfahrt und Mehrwertsteuer sind dabei - der Handwerker ist ja ohnehin in der Nähe. Ersatzteile kommen auf den Preis noch drauf. Etwa 15 Prozent des Rechnungsbetrags behält laut Pye Service-Fix, der Rest gehe an den Handwerker. Für "transparent und fair" hält Pye dieses Preissystem. Jens Christopher Ulrich von der Handwerkskammer überzeugt es so nicht. "Jeder Handwerker muss selbst kalkulieren, für welchen Stundensatz er arbeitet", kommentiert er. Dementsprechend liege es auch bei jedem Betrieb selbst, ob er eine solche Kooperation eingehen möchte. Zudem ist ihm wichtig, "dass ein Vermittler handwerklicher Tätigkeiten auch die Qualifikation der Handwerker sicherstellt".

Service-Fix sichert das zumindest zu. Momentan arbeite er vor allem mit fünf Handwerkern zusammen, sagt Pye, einige weitere seien bereits im Verzeichnis. Allesamt betrieben sie selbständig kleine Betriebe und "wollen einfach arbeiten und sich nicht um das ganze Drumherum" wie Rechnungen schreiben oder Marketing kümmern. Inzwischen vermittle das Start-up etwa zehn Aufträge am Tag. Pye öffnet seinen Laptop und zeigt stolz die mehr als 65 Google-Bewertungen, die sich inzwischen angesammelt haben. Die Durchschnittsbewertung liegt dort bei 4,9 Sternen, maximal gibt es fünf Sterne zu verteilen. Zumindest den Kunden scheint das Konzept zu gefallen.