Proteste in MünchenTausende demonstrieren für die Kurden in Syrien

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Aus Protest gegen das Vorrücken syrischer Regierungstruppen in Nord- und Ostsyrien (Rojava) versammelten sich am Samstag mehrere Hundert Menschen am Münchner Gärtnerplatz.
Aus Protest gegen das Vorrücken syrischer Regierungstruppen in Nord- und Ostsyrien (Rojava) versammelten sich am Samstag mehrere Hundert Menschen am Münchner Gärtnerplatz. Florian Peljak
  • Mehrere Hundert Menschen demonstrierten am Samstag in München gegen das Vorrücken syrischer Regierungstruppen im nordostsyrischen Autonomiegebiet Rojava.
  • Die Demonstranten warfen bewaffneten Gruppen Massaker an Kurden vor und kritisierten die Türkei sowie Deutschland für die Unterstützung der Islamisten.
  • In Kobanê ist die humanitäre Lage katastrophal, die Stadt sei seit Tagen ohne Wasser- und Stromversorgung bei niedrigen Temperaturen.
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Die Teilnehmer protestieren gegen das Vorgehen syrischer Regierungstruppen im Autonomiegebiet Rojava. Kritik gibt es auch an der Politik der Bundesregierung.

Von Catherine Hoffmann

Tausende Menschen haben am Samstagabend in der Münchner Innenstadt gegen das Vorrücken syrischer Regierungstruppen im Norden des Landes protestiert. Die Kundgebung am Gärtnerplatz war Teil bundesweiter Demonstrationen kurdischer Organisationen und ihrer Unterstützer.

Im Zentrum der Redebeiträge stand die Lage im nordostsyrischen Autonomiegebiet Rojava. Vertreter kurdischer Gruppen berichteten von militärischen Offensiven islamistischer Milizen und einer anhaltenden Bedrohung der Stadt Kobanê. Sie warfen bewaffneten Gruppen Massaker an Kurdinnen und Kurden sowie anderen Minderheiten vor.

Die humanitäre Lage habe sich infolge der anhaltenden Spannungen zwischen der syrischen Übergangsregierung und kurdischen Kräften stark verschlechtert. Bewohnern zufolge sei die Stadt seit Tagen ohne Wasserversorgung, auch der Strom sei weitgehend ausgefallen. Die Situation sei „katastrophal“ und angesichts niedriger Temperaturen für Zehntausende lebensbedrohlich. Die medizinische Infrastruktur sei weitgehend zusammengebrochen.

Demonstrierende fordern am Samstag in München ein Ende der Kämpfe in den kurdisch verwalteten Gebieten Nord- und Ostsyriens.
Demonstrierende fordern am Samstag in München ein Ende der Kämpfe in den kurdisch verwalteten Gebieten Nord- und Ostsyriens. Florian Peljak

Scharfe Kritik richtete sich auch gegen die Türkei. In mehreren Reden hieß es, Ankara versuche seit Jahren, die kurdische Selbstverwaltung zu zerschlagen. Auch Deutschland trage Mitverantwortung, erklärten Redner. Der türkische Staat und Deutschland unterstützten die Islamisten „mit Finanzierung und mit Waffen“. Auf Transparenten und in Sprechchören forderten Demonstrierende ein Ende des „Erdogan-Regimes“. Zugleich verlangten sie von der Bundesregierung, den Schutz der Zivilbevölkerung zur Priorität zu machen und auf eine Ausweitung humanitärer Hilfe hinzuwirken.

Parolen wie „Widerstand ist Leben“ sowie der vielfach skandierte Ruf „Jin, Jiyan, Azadî“ („Frau, Leben, Freiheit“) prägten die Versammlung. Ein emotionaler Moment der Kundgebung war eine symbolische Aktion von Frauen, die einander die Haare flochten. Hintergrund sind Videos, die in sozialen Netzwerken kursieren und in denen ein bewaffneter Mann mit dem geflochtenen Haar einer getöteten kurdischen Kämpferin posiert. Demonstrierende werteten diese Bilder als Symbol für Brutalität und Respektlosigkeit. „Wird ein Zopf abgeschnitten, werden Millionen Zöpfe weiter gewunden“, sagte eine Rednerin.

Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration „im Großen und Ganzen friedlich“, wie ein Sprecher sagte. Allerdings kam es zum Einsatz von Pyrotechnik. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot im Einsatz und sicherte die Versammlung. Während des Demonstrationszugs durch die Innenstadt schlossen sich weitere Teilnehmerinnen und Teilnehmer an; in der Spitze waren es 2500 Menschen. Bereits vergangenen Dienstag waren etwa 2000 Menschen durch München gezogen. Am Donnerstag hatten 20 prokurdische Aktivisten die Münchner SPD-Zentrale im Oberanger besetzt.

Hintergrund der Proteste ist eine jüngst um 15 Tage verlängerte Waffenruhe zwischen der syrischen Regierung und den von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF). Dennoch kommt es nach Angaben kurdischer Vertreter weiterhin zu Spannungen und militärischen Bewegungen im Norden und Osten Syriens. Die islamistisch geprägte Übergangsregierung in Damaskus strebt an, die bislang weitgehend autonom verwalteten Gebiete unter staatliche Kontrolle zu bringen.

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