Various Others Munich 2026Hier haut die Münchner Kunstszene auf den Putz

Lesezeit: 7 Min.

Arthur Jafa war mit seinem Werk „LeRage“ von 2017 der Motivgeber für die Ausstellung „Confrontations“, die noch bis Ende September im Museum Brandhorst läuft.
Arthur Jafa war mit seinem Werk „LeRage“ von 2017 der Motivgeber für die Ausstellung „Confrontations“, die noch bis Ende September im Museum Brandhorst läuft. © Arthur Jafa; Foto: Haydar Koyupinar, Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Die 9. Ausgabe der Kunstinitiative Various Others lockt in Galerien, Kunsträume und Museen. Und zeigt frech, fröhlich, provokant, aber auch tiefgründig und mit Blick auf die Geschichte, was Künstler bewegt.

Von Evelyn Vogel

SZ bei Google bevorzugen

Worum geht’s?

Various Others, kurz VO, ist eine Kunstinitiative in München, die in diesem Jahr nun schon zum 9. Mal zu einem verlängerten Kunstwochenende einlädt (14. bis 24. Mai). Doch anders als bei einem klassischen Gallery Weekend hat VO von Anfang an nicht nur auf die Galerieszene gesetzt, sondern auf Kooperation und einen internationalen Austausch zwischen Galerien, Museen und nicht kommerziellen Kunsträumen, sogenannten Off Spaces oder Artist Run Spaces. Inzwischen ist VO auf 39 Teilnehmende angewachsen. Die Werke von mehr als 250 Künstlerinnen und Künstler werden zu sehen sein, präsentiert von 17 Münchner Galerien, 16 Institutionen und sechs Artist Run Spaces.

Wer und was ist neu?

„Between Image und Space“ heißt die Schau, die Dietlinde Behncke in Kooperation mit der Sexauer Gallery bei Various Others zeigt.
„Between Image und Space“ heißt die Schau, die Dietlinde Behncke in Kooperation mit der Sexauer Gallery bei Various Others zeigt. © Marcus Schneider, Sexauer

Neu dabei ist die Behncke Gallery, die für ihr VO-Debüt unter dem Titel „Between Image and Space“ mit Sexauer Berlin kooperiert und Werke von Luisa Baldhuber, Ornella Fieres, Alexander Iskin und Louis Wessendorff zeigt. Da geht es um imaginäre Räume und Landschaften, künstliche Intelligenz, Traum und Wirklichkeit. Auch die erst kürzlich eröffnete Münchner Dependance der Berliner Galerie Friese hat ihren Premierenauftritt. Sie zeigt unter dem Titel „The First and the Last“ Malerei von Cornelius Völker und in Kooperation mit Bildlabor Kleistpark Berlin druckgrafische Bildteppiche von Anna Slobodnik und textil anmutende Bleistiftzeichnungen von Corinne Laroche und Malte Spohr.

Zugänge bei den Off-Spaces sind pip und Eyes Only. Der Kunstraum pip von Julian Arayapong, Lou von der Heyde, Andreas Lech und Regina Rupp kooperiert für VO mit der Künstlergruppe Frankfurter Hauptschule. Gemeinsam verwandeln sie das Studio D40 in Sendling dafür in ein Szenario, das Söders Kreuzerlass aufs Korn nimmt und ein paar Seitenhiebe auf Trump und den Tech-Milliardär Peter Thiel bereithält. Der nicht begehbare Kunstraum Eyes Only, der von der Künstlerin Caro Jost kuratiert wird, zeigt in Kooperation mit der Galerie Esther Schipper aus Berlin Karin Sander. Einer multimedial arbeitenden Künstlerin, die in München so manchem durch ihre überlebensgroße Metall-Skulptur von Montgelas aus dem 3D-Drucker am Promenadenplatz einem breiteren Publikum bekannt wurde. In dem Mini-Schaufenster Eyes Only dürften eher kleinformatige Arbeiten Platz finden.

In diesem Jahr ergänzt das VO-Special „Vectors“ das Programm. Während man im vergangenen Jahr mit einer wilden Mischung aus Ausstellung, Intervention, Performances und Talks das Hotel Bayerischer Hof in vielerlei Hinsicht auf den Kopf gestellt hat, vagabundiert man in diesem Jahr mit dem Format und will so der Kunstwelt neue Orte in der Stadt erschließen. Dafür geht man in ausgewählte Unternehmensräume wie Apple (Karlstraße) oder die BMW Foundation Herbert Quandt, und hat sich eine Gruppe internationaler Kuratoren geholt, die jeweils eine Intervention verantwortet. Inspiriert ist „Vectors“ von Jan Hoets legendären „Chambres d’Amis“ aus den Achtzigerjahren. Doch anders als jenes revolutionäre Ausstellungsformat, für das der damalige Genter Museumsleiter und spätere Documenta-Kurator Hoet fast sechs Jahre Vorbereitungszeit nutzte, musste das bei Various Others schneller gehen. Man darf gespannt sein, welche Überraschungen die Kunstfreunde dieses Jahr erwartet.

Wo muss man hin in den Galerien?

Werke von Rindon Johnson sind bei Max Goelitz anlässlich von Various Others in diesem Jahr zu sehen.
Werke von Rindon Johnson sind bei Max Goelitz anlässlich von Various Others in diesem Jahr zu sehen. Clifford Prince King

Paulina Caspari, die in die Räume der ehemaligen Galerie Nir Altman in der Gabelsbergerstraße umgezogen ist, zeigt unter dem Titel „Der Tegernseer Bauernjunge“ eine Ausstellung des schottischen, in Berlin lebenden Künstlers Oliver Osborne. Wem der Titel bekannt vorkommt: Er nimmt Bezug auf August Mackes gleichnamiges Porträt, das dieser 1910 gemalt hat. Max Goelitz zeigt gemeinsam mit Hauser & Wirth Arbeiten der zeitgenössischen Künstler Lukas Heerich und Rindon Johnson sowie frühe Arbeiten der 1970 gestorbenen Künstlerin Eva Hesse.

Die Galerie Françoise Heitsch zeigt Arbeiten von Christina Calbari.
Die Galerie Françoise Heitsch zeigt Arbeiten von Christina Calbari. © Christina Calbari Galerie Françoise Heitsch

Bei Françoise Heitsch sind Bildwelten der griechischen Künstlerin Christina Calbari sowie eine Installation des in der Türkei geborenen, in Hamburg lebenden Künstlers Şakir Gökçebağ zu sehen. Jahn und Jahn hat sich als Kurator den in London lebenden Schriftsteller und Kritiker Matthew James Holman geholt und zeigt Werke von Willem de Kooning und Arbeiten von Jana Schröder. Auch Kunst Kunz Gallery Editions zeigt (in Zusammenarbeit mit der Bernard Jacobson Gallery aus London) einen der Big Names: Robert Motherwell und zwar in der Galerie in der Ludwigstraße. Im Projektraum in der Theresienstraße sind Merce Cunningham, Lena Grossmann, Saul Leitner und Nam June Paik in einer „Cunnigham Capsule“ vereint.

Simon Denny „Quantum Systems advertising plot 01“ von 2026 ist zu sehen bei Kraupa-Tuskany Zeidler.
Simon Denny „Quantum Systems advertising plot 01“ von 2026 ist zu sehen bei Kraupa-Tuskany Zeidler. Courtesy the artist and Kraupa-Tuskany Zeidler, Foto: Nick Ash

Kraupa-Tuskany Zeidler, erst seit Kurzem Teilnehmer von VO, hat sich T293 aus Rom als Partner geholt und präsentiert Werke des neuseeländischen, in Berlin lebenden Künstlers Simon Denny, der den Münchnern früh vom Kunstverein vorgestellt worden war. Lohaus Sominsky stellt in Kooperation mit Kamel Mennour aus Paris Werke von Ilit Azoulay und Alicja Kwade unter dem Titel „Future Ancestors“ vor. Da treffen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft visuell aufeinander.

Frech und großformatig: die neuen Arbeiten von Andreas Chwatal (“Introduce Me“) bei Jo van de Loo.
Frech und großformatig: die neuen Arbeiten von Andreas Chwatal (“Introduce Me“) bei Jo van de Loo. Andreas Chwatal

Jo van de Loo präsentiert mit Noah Klink aus Berlin unter dem Titel „True Romantic“ neue Arbeiten von Andreas Chawtal, der sich neuerdings mit großformatigen Malereien präsentiert, sowie multimediale Werke von Irina Jasnowski Pascual. Bei Christine Mayer steht André Butzer im Mittelpunkt. Seine Ausstellung „Jakob Muffel, mach die Düre zu!“ entstand in Kollaboration mit der Handsiebdruckerei Berlin, dem Harpune Verlag Vienna und der Edition Linn Heidelberg. Zu sehen sind Aquarelle und Handzeichnungen sowie eine Auswahl aus seinem grafischen Werk.

Eine Arbeit von Paola Siri Renard in der Galerie nouveaux deuxdeux.
Eine Arbeit von Paola Siri Renard in der Galerie nouveaux deuxdeux. Midway Kin

Die Galerie nouveaux deuxdeux zeigt Werke der Künstlerin Paula Siri Renard. Es sind neue Arbeiten aus ihrer fortlaufenden Forschung zu Reiterdenkmälern und architektonischem Ornament. Britta Rettberg hat eine Doppelausstellung auf die Beine gestellt: Werke der in London lebenden irischen Künstlerin Laura Ní Fhlaibhín und in Zusammenarbeit mit Nicoletti London des in New York lebenden indigenen kalifornischen Künstlers Tyler Eash. Außerdem ein Ausstellungsprojekt von Timur Lukas. Bei Deborah Schamoni ist die in New York lebende iranische Künstlerin Maryam Hoseini zu Gast. Zudem unter dem Titel „Play Time“ Glasarbeiten in Zusammenarbeit mit Studio Katharina Rhum.

Elif Saydam: „One Man's Trash, Çesmealti“, zu sehen bei Rüdiger Schöttle in der Ausstellung „Glory“.
Elif Saydam: „One Man's Trash, Çesmealti“, zu sehen bei Rüdiger Schöttle in der Ausstellung „Glory“. Courtesy of the Artist

Rüdiger Schöttle hat die Galerie Travesía Cuatro aus Madrid eingeladen und zeigt Werke von Milena Muzquiz und Elif Saydam. Sperling präsentiert Anousha Payne in einer Klang-Performance-Kollaboration mit Ushara sowie konkreter Poesie von Kitty Doherty. Der Titel klingt schon mal lustig: „Triangle reshapes the O of my mouth“. Und zur Erinnerung: Die Galerie von Johannes Sperling befindet sich nicht mehr am Regerplatz, sondern inzwischen in der Maxvorstadt. Last but not least: Die Galerie Walter Storms hat Dirimart aus Istanbul zu Gast und zeigt eine Einzelausstellung von Anselm Reyle unter dem Titel „Infinite Longing“.

Entdeckungen in den Kunsträumen

Andrea Zabric, Untitled (from the Karst Series No. VI), 2025, zu sehen bei GiG.
Andrea Zabric, Untitled (from the Karst Series No. VI), 2025, zu sehen bei GiG. Flavio Palasciano

In den kleinen, nicht kommerziellen Kunsträumen gibt es oft künstlerische Zugänge zu entdecken, die außerhalb des musealen Kanons stehen. Aber vielleicht deshalb umso spannender sind. Zu den kleinen Artist Run Spaces zählt das nomadische GiG Munich von Magdalena Wisniowska, das wieder mit der Münchner Galerie The Tiger Room in der Heßstraße kooperiert. Um irgendwas Nomadisches geht es auch bei den drei vorgestellten Malerinnen der Ausstellung „Before your eyes open“, Laura Hinrichsmeyer, Luisa Kasalicky und Andrea Zabric.

Carmen Arias: Deinflated ladder rung, 2025, präsentiert von Salta Art.
Carmen Arias: Deinflated ladder rung, 2025, präsentiert von Salta Art. Alex Jeskulke

Space n.n. in der Gabelsbergerstraße präsentiert Arbeiten der AlmResidency, die einmal im Jahr im Wald rund um den Rechelkopf nahe Waakirchen im bayerischen Oberland stattfindet. „After the map was drawn“ präsentiert fünf Künstlerinnen und Künstler aus fünf Ländern, die sich allesamt für die Vernissage angekündigt haben. Nebyula by Rosa Stern Space ist im Sososo Space in der Lindenschmitstraße zu Gast: Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografien untersuchen Vincent Brod und Janosch Feiertag in der Ausstellung „Aufzucht und (Un-)Ordnung“ das Bild der klassischen deutschen Kernfamilie. Zu den Förderprojekten von Salta Art gehörte zuletzt das fünfmonatige Stipendium für Carmen Arias. Sie wird am 15. Mai ihr Studio im Projektraum Empfangshalle in der Gabelsbergerstraße für einen Künstlertalk öffnen.

Die Eres Stiftung holt mit ihrem Beitrag zu VO ein Stück Venedig nach München. Eingeladen wurde der italienische Künstler Giorgio Andreotta Calò, der den Projektraum Eres Projects bespielt. Die internationale Kooperation versteht sich gleichzeitig als Brückenschlag zur diesjährigen Biennale von Venedig, an der die Stiftung als Collateral Event mit der Gruppenausstellung „Shifting Waters“ teilnimmt. Werke des Künstlers werden auch in der Fondazione Eres zwischen Giardini und Arsenale zu sehen sein. In der Eres Stiftung selbst (Römerstraße) ist weiterhin die fantastische Ausstellung „Seeing the Unsee“ über Quantentechnik und Kunst zu sehen.

Wilhelm Sasnal, Untitled (2015), zu sehen im Espace von Louis Vuitton München.
Wilhelm Sasnal, Untitled (2015), zu sehen im Espace von Louis Vuitton München. Primae / David Bordes

Der Espace Louis Vuitton (Maximilianstraße) hält unter dem Titel „Grey Eyes“ eine tolle Schau mit Bildern des polnischen Malers Wilhelm Sasnal bereit. Nicht minder beeindruckend ist die Schau von Cindy Sherman, die die Sammlung Goetz in ihrer Zwischennutzung genannt „Schaufenster“ in der Pacellistraße zeigt. Und der Kunstraum München in der Holzstraße zeigt Charlotte Eiflers Ausstellung „Troubled Fantômes“, wofür die in Leipzig lebende Künstlerin Bewegtbild, Extended Reality, Installation und Performance verbindet.

Im Kunstverein stellt der neue Direktor Tom Engels in seiner ersten Ausstellung aktuell den US-amerikanischen Holzschnitzer Matt Browning vor. Die abstrakten Objekte der Schau „All Woodcarvings Remain Slow Motion Mobiles“ wirken still, entpuppen sich aber bei näherer Betrachtung als äußerst faszinierend. In der Lothringer 13 läuft weiterhin die Reihe „Antifascism: Now“ in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut. Der Metropol Kunstraum in Schwabing zeigt den bekannten US-Künstler Al Taylor mit „Finding Forms“, und in der Milchstraße 4 sind Arbeiten von Johanna Klingler, Tiphanie Kim Mall und Christian Eisenberg zu sehen.

Und was gibt's Neues in den Museen?

Die Villa Stuck eröffnet wieder mit vier Ausstellungen, darunter „Zehn Leben“ von Delschad Numan Khorschid und Jan-Hendrik Pelz.
Die Villa Stuck eröffnet wieder mit vier Ausstellungen, darunter „Zehn Leben“ von Delschad Numan Khorschid und Jan-Hendrik Pelz. Delschad Numan Khorschid

Noch einmal kurzzeitig geschlossen war das Museum Villa Stuck für eine Vollendung der jüngsten Renovierungsarbeiten. Doch zu VO wird es mit nicht weniger als vier neuen Ausstellungen wiedereröffnet. Die vielleicht spannendste ist die des Residenztheaterschauspielers Delschad Numan Khorschid, der als Kurde einst aus dem Irak floh, und des Malers, Konzept- und Videokünstlers Jan-Hendrik Pelz. Unter dem Titel „Zehn Leben“ geht es um Flucht, Trauma und Sehnsucht. Um viel (Lebens-)Geschichte dreht sich auch die Ausstellung „No Single View“ von Ilit Azoulay. Sie erzählt kaleidoskopartig die Geschichte von Mary, der einzigen leiblichen Tochter des Künstlers Franz von Stuck. Der Münchner Künstler Philipp Messner stellt in Kooperation mit der derzeit nomadisierenden Rathausgalerie eine Rauminstallation aus Skulpturen und Papierarbeiten vor. Und schließlich wird es in einer vierten Präsentation auch noch um Franz von Stucks „Damenporträt à la japonaise“ gehen, das der Förderverein für das Museum erworben hat.

Neben dem schon laufenden Ausstellungsprogramm eröffnet das Museum Brandhorst neu die Gruppenausstellung „Carrying“. Das Haus der Kunst präsentiert eine weitere Ausgabe seiner Tune-Sound-Residency-Reihe. In der Kunsthalle dreht sich alles weiterhin um Haare. Im NS-Dokuzentrum ist noch die Ausstellung „… damit das Geräusch des Krieges nachlässt“ zu sehen. Das Lenbachhaus eröffnet zu VO die Ausstellung „Ein Ferngespräch: Szene aus der Weimarer Republik“. Und die Pinakothek der Moderne wird mit dem zweiten Teil von „Könnt ihr noch? — Kunst & Demokratie“ ins Schloss Herrenchiemsee zurückkehren.

Gut, dass das alles ein Weilchen zu sehen sein wird. Ein langes Wochenende reicht dafür nicht.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Münchner Ausstellung „Haar – Macht – Lust“
:Love is in the Hair

Eine Ausstellung in der Münchner Kunsthalle führt durch einige Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte der Menschheit und zeigt: Das Faszinosum Haare ist noch lange nicht auserzählt.

SZ PlusVon Evelyn Vogel

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: