Was läuft in den Münchner GalerienDie Zukunft der Kunst hat begonnen

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Die britische Künstlerin Anousha Payne ist in der Galerie Sperling zu Gast.
Die britische Künstlerin Anousha Payne ist in der Galerie Sperling zu Gast. Sebastian Kissel

Die Galeristen Sperling und Goelitz denken radikal und werden dafür ausgezeichnet. Und Various Others trotzt den Eisheiligen.

Von Evelyn Vogel

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Vier eisige Herren und eine kalte Dame haben den Organisatoren von Various Others beim Eröffnungswochenende des diesjährigen Kunstevents gehörig zu schaffen gemacht. Landwirte kennen und beherzigen die alten Bauernregeln von „Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz“ bis „Die Kalte Sophie macht alles hie“ seit Jahrhunderten. Inzwischen weiß auch die Kunst-Bubble, was die Eisheiligen sind – und wie gnadenlos sie Mitte Mai zuschlagen können.

Insbesondere das festliche Dinner, das eigentlich im Innenhof der Glyptothek hätte stattfinden sollen, musste verlegt werden, da niedrige einstellige Temperaturen so ganz und gar nicht der Vorstellung einer lauen Sommernacht entsprechen. Doch das Forum der Zukunft des Deutschen Museums gab sich als würdiger Vertreter. Und der guten Laune tat es letztlich keinen Abbruch. Bei reichlich Champagner und Catering feierten 320 geladene Gäste und unternahmen anschließend – und womöglich ein letztes Mal – noch einen Abstecher in den Blitz-Club nebenan, der demnächst schließen wird. Dort hatten das Haus der Kunst mit seiner Tune-Reihe und das Ritournelle-Festival von Blitz und Kammerspielen mit zeitgenössischer elektronischer Musik zur VO-Party eingeladen.

Dazwischen aber war der erstmals ausgelobte Preis der Kunstinitiative Various Others verliehen worden. Der ging zum einen an den Kunstraum space n.n., der mit einer performativen Präsentation der Alm Residency überzeugen konnte, sowie an gleich zwei Galerien, die in jeder Hinsicht aus den 17 teilnehmenden herausstachen: Max Goelitz und Johannes Sperling. Und zwar deshalb, weil beide komplexe Interventionen realisierten, bei denen die Künstlerinnen und Künstler miteinander interagierten und auf den Raum reagierten.

Körperabgüsse, Malerei, Zeichnungen, Batikarbeiten, Text und Sound von Anousha Payne in der Galerie Sperling.
Körperabgüsse, Malerei, Zeichnungen, Batikarbeiten, Text und Sound von Anousha Payne in der Galerie Sperling. Sebastian Kissel

Völlig überzeugend – die Jury nannte es sinngemäß eine poetische Reise – ist das Konzept von Anousha Payne bei Sperling. Er ist übrigens einer der Galeristen, die den Verein hinter VO vor rund zehn Jahren mitgegründet und die Initiative damit auf den Weg gebracht haben.  Aus Tusche-, Aquarell- und Batikmalerei, Assemblage, Körperabgüssen, Sound sowie Textelementen nach konkreter Poesie von Kitty Doherty hat Payne ein Environment geformt, dessen Elemente den ganzen Raum besetzen und in einer Installation in Form eines Hauses münden. Im Zentrum ihrer Bildsprache stehen weibliche Figuren und eine Motte, die Synonyme für Inneres und Äußeres, Privatheit und Öffentlichkeit, Gefangenschaft und Freiheit gleichermaßen darstellen. Vor allem aber für den Übergang, für Häutungen. Das funktioniert hervorragend für sich.

Aber man konnte das umso besser begreifen, wenn man das Glück hatte, eine der wenigen Performances von Ushara inmitten der Ausstellung zu erleben. Ihre Ein-Frau-Mini-Oper in vier Akten verband Neuinterpretationen von Johann Sebastian Bach und Hildegard von Bingen mit Eigenkompositionen. Die Aufführungen, während denen die Sopranistin und Performerin die einzelnen Skulpturen gleichsam aktivierte, waren ein Ereignis.

Lukas Heerich und Rindon Johnson befragen mit ihren Installationen bei Max Goelitz den Raum, in dem Eva Hesse mit Papierarbeiten und Malerei vertreten ist.
Lukas Heerich und Rindon Johnson befragen mit ihren Installationen bei Max Goelitz den Raum, in dem Eva Hesse mit Papierarbeiten und Malerei vertreten ist. Dirk Tacke

Nicht weniger als Gesamtkonzept funktioniert die Trias bei Max Goelitz, der für VO mit Hauser & Wirth kooperiert. Auf frühe Arbeiten von Eva Hesse reagieren die beiden zeitgenössischen Künstler Lukas Heerich und Rindon Johnson, die beide in Berlin leben.

Schon von außen wird klargestellt: Hier wird ein Galerieraum auf seine Funktion und seine Bedeutung befragt. In einem der Schaufenster kreuzen alte Holzbalken wie bei einem Fachwerk den Blick. Hinter einem zweiten wölbt sich ein Halbrund aus rohen Backsteinen in den Raum.

Lukas Heerich und Rindon Johnson haben die Galerie Max Goelitz so transformiert, dass es auch von außen deutlich wird.
Lukas Heerich und Rindon Johnson haben die Galerie Max Goelitz so transformiert, dass es auch von außen deutlich wird. Dirk Tacke

Im Innern der eigentlich schicken Galerie im ebenso schicken Luitpoldblock haben die beiden Wände entfernt und Versorgungseinrichtungen freigelegt und den Raum kurzerhand mit simplen Platten aus dem Baumarkt neu strukturiert. Hesses kleinformatige Bildwerke dominieren die grauen Wände, während sich die skulpturalen Interventionen von Heerich und Johnson, beleuchtet von unnatürlich tief hängenden Leuchtmitteln, auf den Boden ducken. Auch hier also Fragmentierung und Häutung, Inneres und Äußeres, Privatheit und Öffentlichkeit. Und in jedem Fall ein großes Versprechen für die Zukunft der Münchner Galerieszene.

Anousha Payne: Triangle reshapes the O of my mouth, Galerie Sperling, bis 27. Juni. Eva Hesse, Lukas Heerich, Rindon Johnson, Galerie Max Goelitz, bis 4. Juli

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