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"Arte Generali":Kunst versichern in Zeiten der Diebe

Arte Generali Werbung goldenes Klo "america"

Werbeträger: Maurizio Cattelan wurde von Oliviero Toscani mit seinem Kunstwerk "America" für die Generali-Kampagne in Szene gesetzt.

(Foto: PR)

Am Abend des Dresden-Raubs präsentierte in München ein Versicherer seine Pläne, den Assekuranz-Markt für private Sammler aufzumischen. Anschauungsbeispiel: ein geklautes goldenes Klo.

Der Schaden, der beim Kunstraub am Wochenende im Grünen Gewölbe in Dresden entstanden ist, ist kaum zu ermessen. Da möchte man nicht der Versicherer sein. Und man sollte meinen, dass der Fall in Kunstkreisen für entsprechenden Gesprächsstoff sorgt.

Nicht so am Montagabend in der Pinakothek der Moderne in München, als Generali seine neue Kunstversicherung "Arte Generali" vorstellte. Das lag vermutlich auch daran, dass in Dresden keine Privatversicherung für den Schaden aufkommen muss. Dort - wie auch in Bayern - haftet der Staat für die staatseigenen Kunstschätze. So war der Raub und der damit einhergehende finanzielle und mehr noch ideelle Verlust in Dresden kein Thema in München

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Dafür war das im September aus einem britischen Palast gestohlene, voll funktionsfähige goldene Klo mit dem Titel "America" von Maurizia Cattelan an dem Abend allgegenwärtig. Der italienische Künstler ist der Werbeträger der von Oliviero Toscani in Szene gesetzten Kampagne und springt auf den Fotos nackt - seine Blöße nur mit dem goldenen Kunstwerk bedeckend - durchs Bild. Eindeutige Werbebotschaft: Gut, wenn man gut versichert ist.

Cattelan persönlich entzog sich jedoch der Teilnahme an der abendlichen Promotiontour. Während die Verantwortlichen auf dem Podium ihr Produkt anpriesen, machte sich der für seine subversiven Werke bekannte Künstler lieber einen Spaß mit Besuchern, die er zum Fotoshooting mit Klo und Stinkefinger aus Pappmaché einlud.

Der italienische Versicherer hat die Kunst als Wachstumsmarkt entdeckt und will mit Arte Generali von München aus "den Markt weltweit aufrollen", wie Vorstandsvorsitzender Giovanni Liverani verkündete. Zugleich dürfte es auch ein Frontalangriff auf den Platzhirschen Axa werden. Da ist es gewiss nicht von Nachteil, dass CEO Jean Gazançon früher mal bei eben jenem Konkurrenten in führender Position fürs Kunstgeschäft tätig war.

Locken will man potente Privatsammler: der Versicherungswert beginnt bei einer halben Million Euro. 100 Millionen Euro Prämieneinnahmen im Jahr sollen bis 2023 erzielt werden. Neben einer Art Rundumsorglospaket, das Verpackung, Transport, Lagerung und Restaurierung durch Kooperationspartner enthält, setzt Generali Arte auch auf ein neues digitales Tool. Mithilfe einer speziell entwickelten App können Kunden ihre Kunstwerke online bewerten lassen.

Zugleich dient sich Generali als Sponsor im musealen Kunstbereich an - und könnte im Falle der Pinakothek der Moderne dem langjährigen Förderer Allianz den Rang ablaufen. Im Frühjahr 2020 wird man als Kooperationspartner der Pin-Freunde das Design-Build-Projekt unterstützen. Dort sollen studentische Entwürfe, die bislang "für die Tonne waren", realisiert werden, wie der Direktor des Architekturmuseums, Andreas Lepik, schwärmte. Und auch die Alte Pinakothek profitiert von dem neuen Engagement. Generali unterstützte bereits die Ausstellung "Florenz und seine Maler" und plant weitere Kooperationen.

© SZ vom 27.11.2019/pvn
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