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Corneliusbrücke:Ohne Klos droht dem Kulturstrand das Aus

Der Kulturstrand musste dieses Jahr ausweichen und findet an der Corneliusbrücke statt.

Der Kulturstrand musste dieses Jahr ausweichen und findet an der Corneliusbrücke statt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Stadt macht die Erlaubnis, Alkohol auszuschenken, nun doch von Toiletten abhängig. "Wildes Urinieren" soll verhindert werden.

Es war schon eine ziemliche Hängepartie, bis der Kulturstrand in diesem Jahr überhaupt starten konnte. Erst gab es Diskussionen um den Standort. Der Vater-Rhein-Brunnen, wo der Kulturstrand sonst immer stattfand, kam nicht infrage wegen der Bauarbeiten auf der Ludwigsbrücke. Dann einigte man sich auf die Corneliusbrücke, dann kam Corona und damit die Frage, ob das überhaupt gehen kann, der Kulturstrand, mit Nähe und Abstand, mit Musik und Leichtigkeit. Und jetzt könnte alles an den Toiletten scheitern. Besser gesagt: an nicht vorhandenen Toiletten.

Benjamin David, Geschäftsführer der Urbanauten, die den Kulturstrand veranstalten, muss beinahe lachen, so absurd findet er die Situation. Die Bezirksinspektion Mitte, die zuständig ist für die für den Alkoholausschank nötige Konzession, teilte David vergangenen Freitag mit, man könne keine Konzession erteilen, weil keine Toiletten am Strand stünden.

"Wir haben vor ein paar Wochen mit dem KVR eine Lösung verhandelt", sagt David. Weil aufgrund der strengen Abstands-Regeln mit weit weniger Umsatz und Gästen geplant werden musste, entwickelten die Urbanauten für dieses Jahr ein entschlacktes Konzept. Weniger Sand am Strand etwa, und den Strom spendiert eine nebenan arbeitende Baufirma. "Die fest installierten Toiletten kosten uns normalerweise zwischen 10 000 und 13 000 Euro pro Jahr", sagt David, "das ist ein Haufen Geld." Den wollte er sparen. Also handelte er mit dem nahegelegenen Restaurant Sandhu India aus, dass die Strand-Gäste dort aufs Klo dürfen, der Restaurantbetreiber im Gegenzug seine Gerichte an den Strand liefern darf.

Eigentlich für beide Seiten eine gute Idee. Das KVR nickte das Konzept ab, David nahm an, der Gang zur Bezirksinspektion Mitte sei lediglich eine Formalität. Doch die sagte nein. Keine Toiletten - kein Alkohol und keine Gaststättenerlaubnis. "Man sagte uns, wir sollen doch einfach Wasser und Saft ausschenken", sagt David. "Klar wollen wir Alkohol ausschenken, das ist ja kein Geheimnis, dass man so ein bisschen Geld reinkriegt." Weil der Strand am Freitagnachmittag eröffnen sollte, einigten man sich am Morgen in aller Schnelle mit dem KVR auf die kurzfristige Lösung einer "Gestattung", die noch bis Freitag gültig ist. Dafür mussten ein paar mobile Toiletten aufgestellt werden.

Am Mittwoch wird David das weitere Vorgehen mit dem KVR diskutieren, das auch für die BI Mitte zuständig ist. Das zeigt sich kooperativ: "Das Kreisverwaltungsreferat strebt eine gemeinsame und einvernehmliche Lösung mit dem Betreiber an - allerdings natürlich im rechtlich möglichen Rahmen." Möglich sei beispielsweise, doch weitere Toiletten am Strand aufzustellen. "Ziel ist es, wildes Urinieren im Umfeld des Kulturstrands zu vermeiden", heißt es vom KVR.

David sagt, und das meint er "gar nicht so unernst", die Stadt solle den Moment nutzen, um ein paar der ohnehin schon beschlossenen öffentlichen Toiletten an der Isar einfach jetzt schon zu bauen, am Strand. "Wir würden uns auch um die Reinigung kümmern", sagt er. Ansonsten hofft er, dass es bald wieder weniger ums kleine Geschäft als um die Kultur geht, die ja am Strand auch noch stattfindet. Wie etwa das Konzert von Philip Bradatsch am 2. Juli und die Reihe "Mary Klein", die immer freitags stattfindet, eine Kooperation mit dem Harry Klein, bei der immer weibliche DJs auflegen.

© SZ vom 01.07.2020/wean
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