Neues Zentrum im SchlachthofviertelEine Bürogemeinschaft für Kreative

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Die beiden Innenarchitektinnen Dani Schneider und Kristina Navarro Balaz teilen sich ein Büro.
Die beiden Innenarchitektinnen Dani Schneider und Kristina Navarro Balaz teilen sich ein Büro. (Foto: Robert Haas)
  • An der Tumblinger Straße finden Kreative seit Kurzem bezahlbare Arbeitsräume. Für viele sind die Flächen die einzige Alternative zur Einsamkeit im Home Office.
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An der Tumblingerstraße finden Designer und Künstler seit Kurzem bezahlbare Arbeitsräume. Für viele sind die Flächen die einzige Alternative zur Einsamkeit im Home-Office.

Von Anna-Maria Salmen

Bisher haben Dani Schneider und Kristina Navarro Balaz nur von zu Hause aus gearbeitet. Für die beiden Innenarchitektinnen war das alles andere als optimal, wie sie erzählen: Kunden könne man schlecht in die eigene Wohnung einladen, sagt Navarro Balaz, das wirke unprofessionell. Man müsse sie besuchen und Taschen voller Materialmuster mitschleppen, damit sie einen Eindruck von der eigenen Arbeit bekommen. „Ich habe mir schon länger gedacht: Es wäre toll, ein eigenes Büro zu haben“, so Navarro Balaz. Doch bisher war das unrealistisch. Zu teuer sind Räume in München, zu schwer zu finden.

Zumindest bis jetzt. Als die Innenarchitektinnen auf Instagram den Aufruf entdeckten, sich für Räumlichkeiten für Kreative im Schlachthofviertel zu bewerben, entschieden sie sich noch am selben Abend dafür, einen Versuch zu wagen. Mit Erfolg: Seit Juni teilen sich Navarro Balaz und Schneider einen Arbeitsraum im neuen „Creative Hub“ in der Tumblingerstraße 23. Ihr Büro ist geräumig und hell, an den Wänden stehen Regale mit Magazinen. Die Materialmuster, die sie ihren Kunden gerne zeigen, sind in Schubladen aufgeräumt. „Das macht einen professionelleren Eindruck“, sagt Navarro Balaz.

Auch Kommunalreferent Edwin Grodeke ist an diesem Mittwoch zur Vorstellung der neuen Kreativräume gekommen, die Stadt will zeigen, dass sie sich auch um die kreative Szene kümmert. Dabei braucht man nur auf die mit Gesuchen vollgepflasterten Münchner Ampeln zu schauen, um zu sehen, wie schwer es für Selbstständige ist, Flächen zu finden.

Das weiß freilich auch Grodeke. „Es ist kein leichter Job, Flächen zur Verfügung zu stellen“, sagt der. Die Unsicherheit hemme Kreative: „Wenn man sich den ganzen Tag auf die Suche nach neuen Räumen machen muss, macht man nicht das, was man eigentlich machen will.“ Bereits seit einiger Zeit habe die Stadt es sich daher „auf die Fahne geschrieben“, die Kreativbranche zu fördern, betont Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD). „Sie hat eine enorm hohe Bedeutung und leistet einen herausragenden Beitrag zur Wirtschaftskraft.“

Auf Initiative von Kreativ München, der Anlaufstelle für Kulturschaffende der Stadt, entstand in Zusammenarbeit mit dem Kommunalreferat in den vergangenen Monaten der Tumblinger Creative Hub. Auf mehr als 600 Quadratmetern arbeiten 30 Kreativschaffende von 18 Unternehmen, vom Video-Editor über den Städtebauer bis hin zur Illustratorin. Die Büros sind unterschiedlich groß, pro Quadratmeter zahlen die Mieter 17 Euro warm – und damit weit weniger, als sonst für Gewerberäume fällig würde. Ihre Verträge laufen unbefristet. Der Bedarf ist da, wie sich schnell nach der Ausschreibung im April zeigte. Mehr als 80 Bewerbungen gingen laut Projektleiterin Magdalena Matzinger ein.

Philip Schneider findet in seinem neuen Büro auch Platz für seine Modelle aus dem 3D-Drucker.
Philip Schneider findet in seinem neuen Büro auch Platz für seine Modelle aus dem 3D-Drucker. (Foto: Robert Haas)

Bei der Auswahl der Mieter sei unter anderem wichtig gewesen, dass die Bewerber ein Interesse daran haben, sich in der Hausgemeinschaft einzubringen, sagt Matzinger. Das Hub wird von den Mietern selbst verwaltet: Ein Team regelt etwa die Raumgestaltung, ein anderes organisiert Veranstaltungen.

Diese Gemeinschaft ist auch für Philip Schneider ein Pluspunkt. Sein Unternehmen Skeno beschäftigt sich mit 3-D-Druckverfahren und will damit Wege finden, mit weniger Material effizient zu bauen. Schneider arbeitete bisher auch meist von zu Hause aus, wie er sagt. „Aber irgendwann hat die Arbeit mehr Konzentration gebraucht, als ich daheim haben konnte.“ Eine erste Suche nach Räumlichkeiten gab der 29-Jährige schnell auf. Finanziell sei das „nicht sinnvoll“ gewesen.

Die Kreativbranche habe eine enorme Bedeutung für München, betonen Wirtschaftsreferent Christian Scharpf und Kommunalreferent Edwin Grodeke (von links).
Die Kreativbranche habe eine enorme Bedeutung für München, betonen Wirtschaftsreferent Christian Scharpf und Kommunalreferent Edwin Grodeke (von links). (Foto: Robert Haas)

Das Creative Hub bietet ihm die Gelegenheit, Anschluss an die Kreativszene zu finden. „Es ist erfrischend, aus dem Home-Office herauszukommen, wo man immer nur mit sich selbst beschäftigt ist.“ Mit anderen Kreativen im gleichen Haus zu arbeiten, motiviere ihn. Man könne sich leicht austauschen – ein Vorteil, den auch Innenarchitektin Navarro Balaz schätzt: „Das ist ganz anders, als daheim zu arbeiten.“

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