KulturpolitikMünchen bekommt einen Kulturbeirat – die Begeisterung hält sich in Grenzen

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„München ist Kultur“, da sind sich alle einig. Etwa hier bei einer rege besuchten Podiumsdiskussion im Mai 2025 in den Kammerspielen.
„München ist Kultur“, da sind sich alle einig. Etwa hier bei einer rege besuchten Podiumsdiskussion im Mai 2025 in den Kammerspielen. Johannes Simon
  • München bekommt einen Kulturbeirat, in dem Künstler bei zwei oder drei Treffen im Jahr zentrale Fragestellungen diskutieren und Empfehlungen erarbeiten sollen.
  • Die Initiative „München ist Kultur" soll eine zentrale Rolle spielen und zehn von 15 Plätzen besetzen, hat das Angebot aber noch nicht angenommen.
  • Kritiker bemängeln den zahnlosen Charakter des Beirats, da das operative Tagesgeschäft des Kulturreferenten explizit nicht Gegenstand der Beratungen ist.
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Künstler sollen mehr mitsprechen in der Stadtpolitik. Welchen Einfluss sie wirklich haben werden, wird nun die Gründungsphase eines Kulturbeirats erweisen.  Die Initiative „München ist Kultur“  soll eine zentrale Rolle spielen – ist aber noch nicht überzeugt.

Von Michael Zirnstein

München bekommt endlich, was andere Städte seit den Siebzigerjahren haben (und Leipzig wegen Ineffektivität wieder abgeschafft hat): einen Kulturbeirat. Im Grunde begrüßen das alle: die Grünen, die so ein Mitsprache-Gremium für Künstler vor sechs Jahren im Stadtrat gefordert haben, die anderen Parteien mehr oder weniger, Kulturreferent Marek Wiechers und die Kulturszene. Volle Begeisterung entfachte der Beschluss des Kulturausschusses, jetzt so einen Beirat aufzustellen, aber nicht.

Das liegt auch an der vagen Beschreibung, was dieses Komitee dürfen soll. Klar ist immerhin: „Der Kulturbeirat soll die Stadtverwaltung, die Politik und die gesamte Kulturszene Münchens in ihrem Wirken unterstützen“, so heißt es im Beschluss. Vertreter des Kulturreferats, der Parteien und Künstler selbst sollen dann bei zwei oder drei Treffen im Jahr „zentrale Fragestellungen diskutieren“ und „Empfehlungen erarbeiten“. Aber es wird auch klargestellt: „Explizit nicht Gegenstand der Beratungen sind das laufende operative Tagesgeschäft des Kulturreferenten.“

Das war den Kritikern zu wenig, die Fraktionen ÖDP/München-Liste und FDP/Bayernpartei stimmten gegen einen so eher zahnlosen Beirat. Und Die Linke/Die Partei beantragten erfolglos, das Gremium von Anfang an mit mehr Einfluss und einer Geschäftsordnung auszustatten. Kulturreferent Wiechers betonte, dass ein starrer Rahmen bei diesem „fluiden Start“ hinderlich wäre und der Kulturbeirat durchaus Einfluss auf seine Arbeit haben werde – wie genau dies in einer Satzung fixiert werde, das soll eben ein Gründungsgremium in der „Pilotphase“ erarbeiten.

Und wie sehen es diejenigen, über die hier verhandelt wird? Konkret die Initiative „München ist Kultur“ (MiK), die laut Beschluss eine „zentrale Rolle“ im Beirat spielen und immerhin zehn von 15 Plätzen besetzen soll. „Wir freuen uns, dass man uns die Hand reicht“, sagt Olaf Becker vom Pathos Theater. Das Bündnis hat sich vor einem Jahr als Opposition gegen die Kultur-Sparwelle der Stadt aus der freien Szene, aber auch aus Institutionen wie den Kammerspielen oder der Villa Stuck gegründet. „Wir sind noch nicht die ganze Kulturszene Münchens, aber wir bilden die größte Schnittmenge ab“, sagt Becker.

Nun muss man „München ist Kultur“ unterscheiden vom „Bündnis Kultur“, wobei es durchaus personelle Verbindungen zwischen beiden Initiativen gibt. Das neu gestartete Bündnis Kultur will als Wählergruppe mit 80 Kandidaten bei den Kommunalwahlen im März als politischer Brückenkopf der Kultur antreten und mit Christiane Pfau sogar die Oberbürgermeisterin stellen. Um zugelassen zu werden, sammelt man ab sofort 1000 Unterschriften von wahlberechtigten Münchnern in den Bürgerbüros.  Pfau und auch die Erste auf der Liste, Kathrin Schäfer, wollen sich aber explizit nicht als im Sprecherinnenrat bei der „überparteilichen“  Initiative MiK einbringen. Verständlich. Denn Stadträte, die im Kulturbeirat Stadträte beraten, das würde zu kritischen Fragen führen.

„Fragezeichen“ gibt es derzeit ohnehin viele, sagt MiK-Sprecher Becker. Die Sorgen der Künstler angesichts der Kürzungen im Haushalt 2026 seien nach wie vor riesig. Es wird sich zeigen, ob ein Kulturbeirat künftig wirklich mitgestalten kann, wie man „zusammenkommt“:  „Wir haben das Angebot noch nicht angenommen.“

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