Es gibt eine Sehnsucht nach Charakteren wie seinem: nach einem, der wie ein Löwe kämpft. Nicht für sich selbst, nicht für eine Bubble, in der er mitschwimmt, sondern allein für eine gute Sache. Für Franz Forchheimer war dieses Herzensanliegen die Kultur, es waren die Künste und die Künstler, ihre Freiheit und ihre Kreativität.
Der CSU-Politiker war nicht nur einer dieser Löwen, ein bayerischer zumal, er sah mit seiner früh schlohweiß gewordenen, nie so recht zu bändigenden Mähne auch so aus. 30 Jahre lang saß der gebürtige Straubinger im Münchner Stadtrat, vom Olympiajahr 1972 an bis 2002. Im Kondolenzbrief an Forchheimers Familie schreibt Oberbürgermeister Dominik Krause: „Ihr Vater wurde von vielen als ,heimlicher Kulturreferent‘ bezeichnet und wohl auch angesehen. Nicht weniger als fünf Kulturreferenten unterstützte er mit seiner Expertise und seiner Leidenschaft.“
Wie unverblümt ihn diese Leidenschaft sprechenließ, davon gibt einen Interview Aufschluss, das Forchheimer zu seinem Abschied aus dem Stadtrat dem Münchner Merkur gegeben hat: „Der Sinn der Kulturverwaltung ist, Freiräume zu schaffen und nicht selbst Kultur zu gestalten. Schon mit Kolbe hat diese Fehlentwicklung begonnen, Hummel hat sie fortgeführt – Nida-Rümelin mit besonderer Arroganz ... Die Kulturverwaltung ist mittlerweile so aufgeblasen, es gibt so viele Selbermacher, die man nicht mehr loswird, dass man von Zerwaltung sprechen muss. Vor lauter Wichtigtuern und Gschaftlhubern kommen echte Künstler kaum zum Zug!“
Doch Forchheimer legte sich als kulturpolitischer Sprecher der CSU nicht nur mit den lange München dominierenden SPD-Leuten an. Gerade in seiner eigenen Partei - und mit seinem früheren Weggefährten Peter Gauweiler - scheute er keine Konfrontation: So war es der promovierte Historiker Forchheimer, dem die Münchner zu verdanken haben, dass 1997 die in konservativen Kreisen heftig umstrittene Wanderausstellung „Verbrechen der Wehrmacht“ in München dann doch zu sehen war. Ebenso ist es Forchheimers Verdienst, dass die Schrannenhalle wiederaufgebaut worden ist, und das gegen den massiven Unmut der alteingesessenen Geschäftsleute vom Viktualienmarkt.
Wie sehr Franz Forchheimer Demokrat war, zeigt das von ihm – neben der Künstlerwerkstatt Lothringerstraße, dem Kunstbau unterm Königsplatz, der Muffathalle und der Rathausgalerie – massiv unterstützte Projekt „Artothek“. Dort können sich bis heute Privatpersonen für eine Zeit Kunst für wenig Geld ausleihen. Darunter sind zeitgenössische Meisterwerke von Rupprecht Geiger bis zu Mehmet & Kazim.
Was Forchheimer zum aktuellen Sparzwang in der Münchner Kulturszene zu sagen hätte, die dem Kämmerer vor allem als Feld der „Freiwilligen Leistungen“ gilt, hat er schon vor Jahren, bei einer der anderen Finanzkrisen dieser Welt, zu Protokoll gegeben: „Wenn Kulturinstitutionen einmal eingerichtet sind, dann hört sich die Freiwilligkeit auf. Dann hat die Stadt eine Verpflichtung, Theater, Museen und anderes zu erhalten.“ Für immer danke, Löwenherz.

