Die Stadt ist in Finanznot, alle Bereiche müssen sparen, auch die Kultur. Doch in welcher Größenordnung? Darum gab es hinter den Kulissen in den vergangenen Wochen ein heftiges Ringen. Eine Sparsumme von 23 Millionen Euro hatte die Kämmerei zunächst vom Kulturreferat eingefordert, das wären acht Prozent der flexiblen Gesamtsumme gewesen. „Nun sind es fünf Millionen Euro weniger, diese wird die Stadt anderweitig konsolidieren müssen“, sagt Kulturreferent Marek Wiechers. „Ich bin über das Ergebnis froh. Die Gespräche waren mühsam und lang. Aber der Austausch zwischen Fraktionen, Stadtspitze und den Institutionen war sehr konstruktiv.“
Auch Münchens Kulturbürgermeister Dominik Krause (Die Grünen) zeigt sich sehr erleichtert. „Die geplanten Einsparungen hätten Münchens Kulturlandschaft nachhaltig beschädigt“, sagt er. „Jetzt ist gelungen, einen drohenden Kahlschlag zu verhindern.“ 18 Millionen Euro müssen dennoch eingespart werden – von 283 Millionen Gesamt-Kulturhaushalt.
Aus der Beschlussvorlage für die Sitzung des Kulturausschusses an diesem Donnerstag geht hervor, wie diese Summe zusammenkommen soll. Dort wird beraten, endgültig entscheiden wird der Stadtrat aber erst in der letzten Vollversammlung des Jahres, kurz vor Weihnachten. Ein zentraler Konfliktpunkt, der bereits offenkundig ist, betrifft keine städtischen Institutionen, sondern zwei Häuser des Freistaats.
Denn die Stadt zahlt fast 5,5 Millionen pro Jahr als Zuschuss an die beiden staatlichen Musiktheaterbühnen in München: Staatsoper und Gärtnerplatztheater. Würde man sie streichen, hätte das Kulturreferat rechnerisch mehr als ein Viertel der geforderten 18 Millionen gutgemacht. Doch Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU) hat in einem Brief an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), der der SZ vorliegt, für den Fall städtischer Kürzungen bereits vorab ein ebenfalls mögliches Streich-Konzert durch den Freistaat ins Gespräch gebracht.
Eine halbe Million Euro erhalten vom Freistaat bisher allein die Münchner Sing- und Musikschulen, 100 000 Euro die Münchner Philharmoniker. Auch bekannte Orchester der freien Szene – die München ausdrücklich schonen will – werden vom Freistaat unterstützt, etwa die Münchner Symphoniker mit 3,3 Millionen und das Münchner Kammerorchester mit 1,6 Millionen Euro pro Jahr. Die Philharmoniker, Münchens internationales Aushängeschild, sollen laut Beschlussvorlage aber 2026 schon seitens der Stadt eine halbe Million Euro weniger Zuschuss erhalten.
Um nicht ins Defizit zu rutschen, muss das Orchester notfalls Geld einsetzen, das eigentlich für das Festprogramm anlässlich des Antritts seines neuen Chefdirigenten Lahav Shani vorgehalten worden war. „Es ist aber selbstverständlich“, teilt Intendant Florian Wiegand der SZ auf Anfrage mit, „dass wir uns an der Konsolidierungssumme des Kulturreferats beteiligen.“


Ein großer Posten im Kulturhaushalt ist die Münchner Stadtbibliothek mit ihren mehr als zwei Dutzend Standorten. Die bislang an die Institution kommunizierten Sparmaßnahmen von rund 500 000 Euro bewegten sich im Rahmen der vergangenen Jahre und könnten „weitgehend geräuschlos“ aufgefangen werden, teilt die Pressestelle mit. Stärker belaste jedoch der aktuelle Stopp von Stellenbesetzungen die Institution – diese Maßnahme trifft ebenfalls viele städtische Häuser, das Kulturreferat selbst eingeschlossen.
Arne Ackermann, Direktor der Münchner Stadtbibliotheken, sagt, etwa 20 Prozent der Stellen seien in seinen Häusern derzeit nicht besetzt. Das führte bereits 2025 zu kürzeren Öffnungszeiten an manchen Standorten und vermehrten spontanen Schließungen wegen akuten Personalmangels, ob tageweise oder wie in Laim auch einmal für zwei Wochen.
Den größten Einzelposten an Einsparungen soll das zur Sanierung weitgehend geschlossene Münchner Stadtmuseum erbringen: 1,3 Millionen Euro. Fast 600 000 Euro wird sich voraussichtlich auch die Städtische Galerie im Lenbachhaus abknapsen müssen. Das bestätigt Hans-Peter Schuster, der Geschäftsleiter des Museums. Die Kürzungen der vergangenen Jahre habe man „auch dank einmaliger Sondereffekte“ auffangen können, sagt Lenbachhaus-Direktor Matthias Mühling, nun seien „sämtliche internen Optimierungspotenziale“ ausgeschöpft. Eine verlässliche Programmplanung werde für das Museum zunehmend schwieriger.
Der Direktor des Museums Villa Stuck, Michael Buhrs, erhielt die Information, sein Haus müsse etwa 270 000 Euro einsparen. Das sei zwar weniger als in den vergangenen beiden Jahren, als das Haus teilweise wegen Umbaus geschlossen war (2025 eine Dreiviertelmillion Euro, 2024 eine halbe Million), aber „die drohenden Wolken am Horizont verheißen nichts Gutes für die Zukunft“, sagt er. Buhrs erwartet 2027 weitere Einschnitte. Ihn treibt wie Mühling die Sorge an, wie man das eigene Haus attraktiv und international relevant halten kann.
Aus dem Kreis der städtischen Bühnen ist bislang kein Kommentar zu den zu erwartenden Kürzungen zu bekommen. Kammerspiele, Schauburg und Volkstheater werden aber ebenfalls erneut massiv betroffen sein. Ein vergleichsweise kleiner Posten im Kulturhaushalt ist die Förderung des Literaturhauses, das in einer Public-Private-Partnership organisiert ist. Literaturhaus-Chefin Tanja Graf hat Signale bekommen, dass die Stadt die bisherige Förderung beibehalten werde.
Da das Literaturhaus seit Jahren die gleiche Summe von etwa 500 000 Euro beantragt, werde der Anteil der Stadt am Gesamtbudget jedoch immer geringer, sagt Graf: Er mache jetzt nur noch ein Sechstel des Budgets aus, denn die Kosten seien enorm gestiegen. Das kleine Team arbeite „bis zum Anschlag“, um zur Kompensation mit noch mehr Veranstaltungen noch mehr Publikum anzuziehen. Und sie betont: „Unser großes Glück ist unser Publikum.“

