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Politik in München:Stadt lehnt Lockerungs-Anträge der Kulturszene vorerst ab

Zuschauer-Obergrenze trifft Theater hart

Für Kulturschaffende ist die Obergrenze von 50 Zuschauern ein schwerer Schlag. Ändern soll sich daran erstmal nichts.

(Foto: dpa)

Acht Münchner Kulturbetriebe fordern, für Vorstellungen und Konzerte mehr als 50 Zuschauer zuzulassen. Der Krisenstab will jedoch erst die bundesweiten Maßnahmen abwarten.

Von Michael Zirnstein und Susanne Hermanski

Die Stadt hat vorerst alle acht Anträge aus der Münchner Kulturszene abgelehnt, für Vorstellungen und Konzerte mehr als die vom Freistaat erlaubten 50 Zuschauer zuzulassen. Das gab sie nach der Sitzung des Krisenstabs bekannt. Man werde sich jedoch mit den Anliegen der Kulturschaffenden Ende der Woche erneut befassen, wenn die Ergebnisse der Corona-Beratung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten und die daraus folgenden Beschlüsse für Bayern bekannt seien. Dasselbe Vorgehen beschloss der Krisenstab für die Frage, ob die Christkindlmärkte in München stattfinden können. Die Befreiung der Grundschüler von der Maskenpflicht am Platz bleibt bis zu den Herbstferien bestehen. Danach soll auch diese angesichts der Ansteckungszahlen überprüft werden.

Diese blieben auch am Dienstag konstant hoch. Vom Vortag wurden 202 neue Corona-Fälle in der Stadt gemeldet. Der Inzidenzwert, also die Zahl der Neuansteckungen in den vergangenen sieben Tagen auf 100 000 Einwohner gerechnet, lag bei 114. Damit gilt für München weiter die Warnstufe "dunkelrot".

Die Intendanten der großen Münchner Häuser hatten am Samstag Hoffnung geschöpft, als Bayerns Kunstminister Bernd Sibler darauf hingewiesen hatte, dass die Stadt München die strengen bayerischen Corona-Regeln durch Ausnahmen aufweichen könnte. Acht Kulturbetriebe hatten solche Anträge gestellt, die der Krisenstab nun abgelehnt hat. Die Probleme der großen Häuser, die ausgefeilte Hygienekonzepte vorweisen können, stoßen in der Politik dennoch auf Verständnis.

Die SPD-Fraktion im Stadtrat hat den Krisenstab aufgefordert, sich "mit Hochdruck" für die Theater und Ausnahmen einzusetzen, wie die kulturpolitische Sprecherin Julia Schönfeld-Knor sagt. Florian Roth, Fraktionsvorsitzender der Grünen, ist inzwischen "ambivalent". Er finde zwar die Regeln des Freistaats nach wie vor nicht schlüssig, andererseits halte er "größere Menschentrauben" vor Spielstätten angesichts eines drohenden Lockdowns für das falsche Zeichen.

Derweil hat Richard Quaas, ehemaliger CSU-Stadtrat, als Vorsitzender des Theatergemeinde-Vereins mit 20 000 Mitgliedern direkt an SPD-Mann Reiter geschrieben: "Dieter, ich bitte dich, die bisherigen Höchstgrenzen mit 200 beziehungsweise 500 Besuchern wieder in Kraft zu setzen." Kulturreferent Anton Biebl hat mit den Leitern der städtischen Theater drängende Fragen erörtert: Will das Publikum derzeit überhaupt zu Veranstaltungen gehen, oder ist die Flucht ins Digitale der vernünftigere Weg, damit die Kultur präsent bleibt? Wie kann man die städtischen Institute, aber auch die freie Szene in der Not unterstützen? Ist es finanziell vertretbar, den kostspieligen Betrieb für nur 50 Zuschauer aufrechtzuerhalten?

© SZ vom 28.10.2020 / zir, her, heff/kafe
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