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Alpines Museum:Eine Sanierung nach historischem Vorbild

Der Haupteingang und der Balkon zur Isar hin sind die auffälligsten Veränderungen. Visualisierung: Michael Feil Architekten

Das Alpine Museum des Deutschen Alpenvereins soll nach seiner Sanierung wieder mehr als öffentliches Gebäude wahrgenommen werden - und "seine alte Großzügigkeit" zurückbekommen.

Von Thomas Anlauf

Das Alpine Museum auf der Praterinsel erhält ein neues Gesicht. Nach jahrelangem Ringen um die Finanzierung des Gebäudes, das der Deutsche Alpenverein (DAV) seit vielen Jahrzehnten nicht nur als Museum, sondern auch als Bibliothek und Archiv nutzt, soll das Haus in den kommenden zweieinhalb Jahren grundlegend umgestaltet und saniert werden. Voraussichtlich Mitte 2023 kann das Gebäude in bester Lage an der Isar mit seiner Grünanlage wieder für Besucher geöffnet werden.

Auf den ersten Blick am auffälligsten wird dann der neue Haupteingang sein. Bislang müssen Besucher durch den Garten auf die Rückseite gehen, um ins Innere des DAV-Hauses zu gelangen. Nach dem Umbau wird der Eingang von Westen von der Straße aus erreichbar sein. Damit werde das Gebäude "zukünftig als öffentliches Gebäude wahrgenommen", heißt es in der Projekt-Beschreibung von Michael Feil Architekten aus Regensburg, die den Zuschlag zum Umbau des Alpinen Museums erhalten haben.

Am Eingang sollen unter anderem verschiedene Gesteinsarten aus dem Alpenraum als Material verwendet werden. Die Gesteine werden auch im Belag des Eingangsbereichs, des Foyers und des Museumsshops bis hin zu den n neu gestalteten Gartenterrassen fortgesetzt. "Als steinernes Band verbindet es die zentralen öffentlichen Bereiche des Museums, die Stadt und die Natur", schreibt das Architekturbüro. Die Öffnung des Hauses zur Stadt war dem Münchner Planungsreferat wichtig, das Haus liegt in einem besonders sensiblen innerstädtischen Bereich. Der Vorplatz zum Eingang soll deshalb vergrößert werden und mit einem in die Isar ragenden Balkon versehen werden.

Bei der Analyse des Bestands erkannten die Regensburger Architekten, dass der ursprüngliche Grundriss vor allem durch bauliche Veränderungen nach dem Wiederaufbau des Hauses seit den Sechzigerjahren schrittweise verloren gegangen war. Das Alpine Museum kam 1911 in den Räumlichkeiten des ehemaligen Café und Restaurant "Isarlust" unter, das Haus gehört der Stadt, die es seinerzeit dem DAV kostenlos für das Museum zur Verfügung stellte.

Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Museum "erhält seine alte Großzügigkeit zurück"

Im Zweiten Weltkrieg wurde das imposante Gebäude auf der Praterinsel zerstört und danach wieder aufgebaut. Allerdings nutzte es der Deutsche Alpenverein dann viele Jahre lang lediglich für die Verwaltung und nicht mehr als Museum. Erst 1993 beschloss der Alpenverein auf Druck der Stadt, dort wieder Ausstellungen zu präsentieren.

Auch die Bibliothek gilt als Schatz. Sie gilt als deutschlandweit einzige und weltweit größte Alpen-Bibliothek. Sie soll vom ersten Stock prominent ins Erdgeschoss verlagert werden, oben befinden sich Seminarräume, die "durch geringe bauliche Veränderungen" künftig verschiedene flexible Nutzungen denkbar seien, versprechen die Architekten. "Das Alpine Museum, das nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Verwaltungsgebäude wiederaufgebaut wurde, erhält seine alte Großzügigkeit zurück", teilt der DAV mit. So werde das Haus an Attraktivität und Öffentlichkeitswirksamkeit gewinnen.

Die Kosten für den Umbau belaufen sich auf knapp zehn Millionen Euro. Die Stadt München will sich mit einer Fördersumme von bis zu einer Million Euro beteiligen, der Alpenverein trägt 2,5 Millionen der Bausumme und der Bund hat 4,9 Millionen in Aussicht gestellt. Derzeit prüfe der Bund die Kosten, es laufe ein Genehmigungsverfahren, sagt Friederike Kaiser, Leiterin des Alpinen Museums. "Im Juni können wohl die Bauarbeiten starten", so Kaiser.

Bereits in der kommenden Woche werden die Ausstellungsstücke aus dem Haus in ein eigenes Depot gebracht, auch die Bücher müssen bis zum Sommer umziehen. Dann kann es losgehen. Während der zweijährigen Umbauphase bleibt das Alpine Museum für Besucher geschlossen. "Ein Wunschtermin für die Wiedereröffnung wäre der Juli 2023", sagt Kaiser. Ob der Termin aber einzuhalten ist, sei jetzt noch zu früh zu sagen.

© SZ vom 09.01.2021/lfr
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