Woher kommt Hip-Hop? Um diese Frage kreiste in den 1980er-Jahren ein erbittert geführter Streit zwischen den Pionieren der jungen Bewegung. New York als Geburtsstätte des Genres ist klar. Aber in welchem Viertel wurde Hip-Hop geboren? In Queens, wie es MC Shan für sich reklamierte? Oder in der Bronx, die in der Angelegenheit von KRS-One vertreten wurde? Solche Fragen können im Nachhinein oft nur schwer beantwortet werden. KRS-One aber kann für sich behaupten, in eines der ersten und heute noch legendären Battles involviert gewesen zu sein – genau, wie es sich für einen Hip-Hop-Pionier gehört.
Denn genau das ist Lawrence Parker, wie KRS-One bürgerlich heißt: Mit politischen und sozialkritischen Texten mischt der inzwischen 60-Jährige seit knapp 40 Jahren die Szene auf und hat maßgeblich dazu beigetragen, Hip-Hop aus den Straßen der Bronx, Queens oder welchem Viertel auch immer in die Welt hinauszutragen.
Besonders verdient gemacht hat sich KRS-One dabei um den Conscious Rap, eine Untergattung, die aufgrund ihrer sozialkritischen Ausrichtung und der anspruchsvollen politischen Texte vielleicht nicht ganz so mainstream-tauglich ist wie das Porsche-Rolex-Bitches-Geflexe, mit dem kommerziell erfolgreiche Rapper ihr Geld verdienen. KRS-One und die anderen Vertreter des Conscious Raps stehen für die Anfänge des Hip-Hops als Bewegung einer unterdrückten und marginalisierten Bevölkerungsgruppe in den USA.
Ikonisch hierfür ist „Sound of da Police“ von 1993, einer auf rollendem Oldschool-Beat vorgetragenen Anklage der damaligen Verhältnisse und einer Ordnungsmacht mit klaren Feindbildern. „You can’t stand where I stand, you can’t walk where I walk // Watch out! We run New York // Policeman come, we bust him out the park // I know this for a fact, you don’t like how I act“, heißt es darin. Kein Wunder, dass ein dermaßen wortgewandter Meister seiner Zunft sich selbst den absolut verdienten Beinamen „The Teacher“ verpasst hat.
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Wie kreativ KRS-One mit Sprache umgehen kann, zeigt schon sein Name. Die drei Buchstaben inklusive Ziffer sind nämlich nicht einfach nur willkürlich aneinandergereiht, sondern ist ein Akronym für „Knowledge Reigns Supreme Over Nearly Everyone“. Wissen herrscht über fast jeden. KRS-One hat sich sein Wissen mühsam erarbeitet: Als obdachloser Jugendlicher in der Bronx lernte er zunächst, nach dem Gesetz des Stärkeren zu überleben.
Erst als sein Freund DJ Scott La Rock erschossen wurde, kam dem jungen Lawrence Parker die Erkenntnis: Die bessere Waffe gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung ist Rap. Und das Gefühl, frei von Angst zu sein. Wer ohne Angst lebt, kann laut KRS-One für Veränderungen kämpfen, während die Herrschenden gelähmt werden von dem Gedanken daran, ihre Privilegien verlieren zu können. Da soll nochmal jemand sagen, Hip-Hop wäre nicht politisch.
Damit zieht KRS-One seit Jahrzehnten durch die Lande und macht Ende Juli auch in München Halt. Ermüdungserscheinungen? KRS-One lebt nach dem Motto „I feel no ways tired, oh Lord“. Und warum sollte er keine Lust mehr auf die Musik haben? „Hip-Hop ist mein Leben“, hat er mal gesagt. Und man werde ja nicht müde vom Leben, oder? Beziehungsweise wenn, sei man ja lebensmüde und sterbe. Und das hat KRS-One in nächster Zeit keineswegs vor. Dafür gibt es auf der Welt ja noch viel zu viele Ungerechtigkeiten.

