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Kriminalitätsstatistik:Wohlstand trägt zur Sicherheit bei

Polizeistreife in München, 2020

Eine Streife der Polizei im Einsatz. Die Zahl der Straftaten sinkt seit Jahren stetig.

(Foto: Robert Haas)

Immer mehr Menschen leben in München, und immer weniger Verbrechen werden begangen. Das ist aber nicht nur das Verdienst der Polizei.

Dass in München so wenige Straftaten begangen werden wie zuletzt vor 40 Jahren, macht die Polizei ein wenig stolz. Zum ersten Mal seit 1979 sank die Gesamtzahl aller Straftaten im vergangenen Jahr unter 100 000. Genau 97 628 Delikte zählt der Sicherheitsreport 2019 auf, den der Leiter der Verbrechensbekämpfung, Stefan Kastner, am Donnerstag im Polizeipräsidium vorstellte. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Rückgang um fast neun Prozent. Dabei leben in München heute fast 280 000 Menschen mehr als 1979.

Die Zahlen wurden bereits in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik im März vorgestellt. Die Veröffentlichung des Sicherheitsreports bot nun Anlass, näher auf die Gründe für diesen Erfolg einzugehen. Dass die Kriminalitätsrate im Vergleich zu anderen Großstädten wie Frankfurt oder Berlin gerechnet auf die Einwohnerzahl zum Teil nur halb so hoch sei, sei nicht allein das Verdienst der Polizei, räumte Kastner ein. "Auch die Stadtplanung und die wirtschaftliche Entwicklung sind wichtige Faktoren", sagte er.

So bewegt sich München seit Jahrzehnten in einer Aufwärtsspirale: Viele Firmen siedeln sich in der Landeshauptstadt und im Umland an. Das führt dazu, dass fast jeder Schulabgänger eine Perspektive auf eine Ausbildung und eine Beschäftigung hat. Der Wohlstand trägt zum Sicherheitsgefühl der Menschen bei und die Einnahmen aus der Gewerbesteuer erlauben einen stetigen Ausbau der Infrastruktur. Das sind wiederum Faktoren, die Unternehmen anziehen. Wenn es das Gegenteil von einem Teufelskreis gäbe, einen Engelskreis sozusagen, wäre das ein Beispiel.

Trotzdem hat die Polizei weiter zu tun. Im Schnitt alle 102 Sekunden wird ein Einsatz der 5300 Vollzugsbeamten protokolliert. Das habe zum Teil damit zu tun, dass "die Disskussions- und Konfliktfähigkeit in der Bevölkerung abnehme", beobachtet Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins: Wenn der Nachbar die Musik zu laut aufdreht, ging man früher hin und klingelte. Heute rufen viele sofort die Polizei. So seien die Beamten oft mit Dingen beschäftigt, die gar nicht in den Bereich der Straftaten fallen oder der Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung dienen. Möglicherweise haben sich die Bewohner einer wohlhabenden, sicheren Stadt schlicht dran gewöhnt, unangenehme Dinge von anderen regeln zu lassen.

© SZ vom 19.06.2020/syn
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