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Sport in München:Dreimal Fußball für 40 Millionen Euro

Fußball-Länderspiel Deutschland- Italien in München, 2016

Nicht nur der FC Bayern füllt die Arena in Fröttmaning, auch zu Spielen der deutschen Nationalmannschaft wie gegen Italien strömen die Fans.

(Foto: Florian Peljak)
  • München wird mehr als 40 Millionen Euro bezahlen, dass in der Fröttmaninger Arena internationaler Spitzenfußball stattfindet.
  • Dabei handelt es sich um das Champions-League-Finale 2022 sowie Spiele der Europameisterschaft 2020 und 2024.
  • Während SPD und CSU finden, dass die Spiele das Geld wert sind, kommt mittlerweile herbe Kritik aus der Opposition.
  • Die Uefa fordere "Sachen, mit denen wir wirklich nicht leben können", sagt zum Beispiel Grünen-Stadträtin Jutta Koller.

Die Stadt dürfte in den kommenden fünf Jahren zum Lieblings-Gastgeber des Europäischen Fußballverbands (Uefa) avancieren. Nach aktuellem Stand wird sie mehr als 40 Millionen Euro dafür bezahlen, dass in der Fröttmaninger Arena vier Spiele der Europameisterschaft 2020 ausgetragen werden, das Champions-League-Finale 2022 und auch einige Spiele der Europameisterschaft 2024. Der Sportausschuss im Stadtrat trieb mit Beschlüssen am Dienstag alle drei Großereignisse weiter voran. Doch wie schon bei vorhergehenden Debatten wurde klar, dass die Liebe zumindest aus Sicht der Opposition zunehmend einseitig sein dürfte.

Denn für die Austragung der Uefa-Wettbewerbe unterschreibt die Stadt Verträge, die sie eigentlich nicht will. Und sie wird für die Erfüllung mehr Geld ausgeben als sie eigentlich wollte. Darin stimmen alle Fraktionen überein. Während SPD und CSU jedoch finden, dass drei Mal Fußballspaß den Ärger und die 40 Millionen wert sind, kommt mittlerweile herbe Kritik aus der Opposition. Die Uefa fordere "Sachen, mit denen wir wirklich nicht leben können", sagte Grünen-Stadträtin Jutta Koller. Als Beispiel nannte sie für die Europameisterschaft 2020 die 1,4 Millionen Euro, mit denen die Stadt den Besuchern, freiwilligen Helfern und Funktionären die Gratisanfahrt zu den Spielen mit dem öffentlichen Nahverkehr bezahlen soll. Oder die knappe Million für die Anschaffung neuer Poller für die Terrorabwehr, obwohl die Stadt gerade eben solche gekauft habe.

Dafür habe die Uefa im Gegenzug beschlossen, dass sie sich mit einer nachhaltigen Europameisterschaft erst 2024 beschäftigen will. Alle Posten aus dem Konzept 2020 wurden gestrichen. Trotz ihrer herben Kritik überwanden sich die Grünen und stimmten der Planung für die Euro 2020 zu. Den allerersten Grundsatzbeschluss hatten sie mitgetragen und wollten nun nicht als unverlässlich dastehen. Das Champions-League-Finale 2022 und die Europameisterschaft 2024 lehnten sie aber ab. "Wir werden ab jetzt nicht mehr zustimmen", kündigte Koller für kommende Beschlüsse zu Uefa-Veranstaltungen an.

Es werden noch einige nötig sein, bis alle Details geklärt sind. In München werden bei dem über zwölf europäische Städte verstreuten Turnier im Jahr 2020 drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen (am 16., 20. und 24. Juni sowie am 3. Juli). Insgesamt sind dafür 15,6 Millionen Euro veranschlagt. Den größten Brocken dabei machen mit 6,9 Millionen Euro die Sicherheitsvorkehrungen aus. Dass erst acht Monate vor dem Turnier Klarheit über die Anforderungen herrscht, findet auch das Sportreferat verwunderlich. Dies sei auf die schwierige Austragung in zwölf Städten auf dem ganzen Kontinent zurückzuführen, vieles habe wohl mehrmals und bilateral verhandelt werden müssen, heißt es in der Beschlussvorlage. "Die Schwankungsbreite der daraus entstehenden Kosten lag deshalb sogar ein Jahr vor dem Turnier (und damit ungewöhnlich spät) noch bei mehreren Millionen Euro."

Das Champions-League Finale wird 2022 später an einem Samstag in der Arena in Fröttmaning stattfinden. Die Stadt wird dafür Kosten von etwa 8,5 Millionen Euro tragen müssen. Im Jahr 2024 wird dann der Deutsche Fußballbund (DFB) die gesamte Europameisterschaft ausrichten. München soll und wird wohl auch ein wichtiger Austragungsstandort werden. Ersten Schätzungen zufolge muss die Stadt mit einem Aufwand um die 17 Millionen Euro rechnen.

"Wir haben auch unsere Schwierigkeiten mit der Uefa", räumte SPD-Fraktionschefin Verena Dietl ein. Doch die Stadtratsmehrheit habe trotzdem immer hinter der Ausrichtung der Sportveranstaltungen gestanden, da die Vorteile überwiegen würden. "Natürlich ist es mit Kosten verbunden, wenn wir so ein Event nach München holen." Sportreferentin Beatrix Zurek ergänzte, dass die Stadt sehr wohl die Euro 2020 für sich nachhaltig organisieren könne. Dazu brauche sie die Uefa nicht.

© SZ vom 07.11.2019/tah
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