Konzerthaus in München:Unter Beobachtung

Lesezeit: 2 min

Baustelle Werksviertel

Inspiriert durch die Leere. Im Werksviertel blicken Münchner Künstler auf die Baustelle und machen sich so ihre Gedanken.

(Foto: Achim Frank Schmidt)

Im Münchner Werksviertel-Mitte ansässige Künstler dokumentieren und kommentieren in einem Langzeitprojekt den Bau des dort geplanten neuen Konzerthauses.

Von Jürgen Moises, München

Künstler für Baustellen-Dokumentation gesucht. Offiziell in eine Zeitung gesetzt, wäre das wohl nicht so ganz die übliche Stellenanzeige. Aber auch so, als Teil eines von der Whitebox im Münchner Werksviertel-Mitte initiierten Kunstprojekts, wirft das durchaus einige Fragen auf. Will man einem in der Regel mit Lärm und Dreck verbundenen Vorhaben damit einen künstlerischen Dreh geben? Oder darf man an dieser Baustelle ähnlich wie vor Gericht nicht fotografieren und ist deshalb eine Art Äquivalent zum Gerichtszeichner gefragt? Aber bevor die Überlegungen wild ins Kraut schießen, sollte man sagen, um welchen Bau es geht. Es geht um das in München nicht unumstrittene, geplante Konzerthaus, das laut aktuellem Stand von 2025 an im Werksviertel entstehen soll. Und dass Künstler nun einen gezielten Blick auf dessen Bauprozess werfen, ist am Ende vielleicht doch gar nicht so verrückt.

Wieso? Weil die rund 25 Künstler, die zur Ateliergemeinschaft im Werksviertel gehören, das sowieso seit Langem machen, wie die Leiterin "Werksviertel-Mitte Kunst", Martina Taubenberger, bei der Präsentation des mit "Bilder einer Baustelle" betitelten Projekts erklärte. Das heißt: Sie beobachten seit Jahren den "Transformationsprozess". Und der Schritt zur Idee, dessen künstlerische Dokumentation als vielleicht sogar weltweit erstem Projekt dieser Art dem bayerischen Kunstminister Bernd Sibler vorzuschlagen, war dann angeblich nicht mehr weit.

Werksviertel Bilder einer Baustelle

Die Leiterin "Werksviertel-Mitte Kunst", Martina Taubenberger, und der bayerische Kunstminister Bernd Sibler bei der Vorstellung des Projekts "Bilder einer Baustelle".

(Foto: Achim Frank Schmidt)

Sibler war bei der Präsentation im Gastatelier im Werk3 auch anwesend. Er lobte das Werksviertel als "coolste Seite der Stadt", als "place to be". Er sagte, dass es ein "guter Ort" für den Konzertsaal sei und in den letzten Jahren "eine sensationelle Entwicklung genommen" habe.

Den Boden bereiten für einen tollen Konzertsaal

Im Kooperationsprojekt "Bilder einer Baustelle" wiederum sieht er einen "tollen Akzent für die Freie Szene". Und er wünsche sich noch "viel Aktivität", um damit "den Boden zu bereiten für einen tollen Konzertsaal". Als "eine Art Vorgriff" auf den Saal bezeichnete auch Martina Taubenberger das Ganze und nannte "ihre" Künstler ein "Top-Orchester der Bildenden Kunst". Jeder von ihnen darf nun für drei Wochen das Gastatelier nutzen und dort den Bauprozess dokumentieren und kommentieren. Der erste ist Wladimir Schengelaia. Der aus Abchasien stammende Maler zeigte ein Video von einem Abriss und hat erste Bildentwürfe gemacht. Auf einem größeren Gemälde trägt ein Mensch, ein "Kreativer", ein Haus auf seinem Kopf.

Nach Schengelaia folgen Boban Andjelkovic und Robert Weissenbacher. Sämtliche "Bilder einer Baustelle" werden am Ende in einem Katalog dokumentiert. Aber schon davor, vielleicht in zwei Jahren, wolle man, so Taubenberger, bereits einen ersten Zwischenstand präsentieren. Ansonsten solle im Atelier eine geschützte "Arbeitsatmosphäre" herrschen. Und das während draußen noch gar nicht gebaut wird? Nun, gerade das solle ja auch das Spannende daran sein. Dass sich die Künstler schon jetzt Gedanken zum Konzerthaus machen. Und ihre Ideen könnten am Ende auch die Bauherren inspirieren. Wie konkret, das könnte durchaus interessant werden.

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