Das Lied vom bewaffneten Mann, den man fürchten muss („L‘homme armé“) bildete den cantus firmus zahlreicher Messen der Renaissance. Es erscheint zentral zu Beginn als Flötensolo über Trommeln wie als Chorsatz mit Bläsern und gegen Ende von „The Armed Man: A Mass for Peace“. Jetzt wurde die „interkulturelle Friedensmesse“ von Karl Jenkins aus dem Jahr 2000 erstmals bei Paradisi Gloria in der Herz-Jesu-Kirche mit dem Münchner Rundfunkorchester und den Arcis-Vocalisten unter Anu Tali aufgeführt.
Gleich zu Beginn verblüfft vor einem düsteren, ganz klassischen Kyrie der Gebetsruf eines Muezzins (Rahmudin Rajabi), der sich inhaltlich und musikalisch querstellt zu allem vorher und nachher Gesungenen, auch ganz für sich bleibt, aber gerade darum eine allumfassende Botschaft in sich birgt.
Die übrigen Texte entstammen aus so unterschiedlichen Quellen wie den Psalmen („Sei mir gnädig, Gott, denn Menschen stellten mir nach, Tag für Tag bedrängen mich meine Feinde“) nur vom Männerchor deklamiert und einer ausladenden, unisono gesungenen „Hymne vor der Schlacht“ aus Kiplings „The Seven Seas“. Des Weiteren kommen zu Gehör Texte von einem Überlebenden der Atombombe auf Hiroshima („Zornige Flammen“), eingeleitet von der Solotrompete (Mario Martos Nieto), aus dem indischen Epos Mahabharata („Fackeln“) und einem „Jetzt da die Waffen schweigen“ von Guy Wilson auf einem einzigen Ton gesungen über sanftem Streicherteppich.
Nach einem rhythmisch prägnanten Sanctus gibt sich, einem Cello-Solo folgend, das Agnus Dei ganz romantisch, von sanftem Bläserchoral umschmeichelt, während das Benedictus mit seinem „Hosanna in Excelsis“ kurz vor Schluss wieder das volle Orchester und den großen Chorklang bemüht.
Die Vertonung eines Textes von Thomas Morley („Besser ist Frieden als immer Krieg“), geschrieben um 1470, und der Hoffnungsschimmer aus der Offenbarung des Johannes („Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage“) beenden a cappella diese Friedensmesse, die heute noch aktueller als vor 25 Jahren ist, als sie von Karl Jenkins den Opfern des Kosovo-Kriegs gewidmet wurde.
Effektvoll und ganz tonal beinahe wie Filmmusik gibt sich die Musik, oft von den exzellenten Blechbläsern des Münchner Rundfunkorchesters, nicht zuletzt bei „Trompete, dein Schmettern erweckt uns zum Streit mit hellerem Zornlaut und tödlichem Lärm“ geschärft und von den Arcis-Vocalisten hervorragend gesungen.
Überragend auch die Mezzosopranistin Beth Taylor, die mit sattem, dunklem Timbre nicht nur im ganz sakralen Kyrie mit dem Chor im faszinierenden Wechsel zu singen hat, sondern auch dem Hiroshima-Überlebenden ihre Stimme leiht.

