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Streaming:Zurück ins Rampenlicht

Die Musikbühnen hat der Shutdown besonders hart getroffen. Jazzclubs besinnen sich nun auf ihre Kompetenz für professionelle Live-Konzerte - per Webcam.

Von Oliver Hochkeppel

Die Live-Bühnen hat der Corona-Shutdown hart getroffen. Ganz besonders Jazzclubs, lebt doch die improvisierte Musik wie kein anderes Genre vom Live-Moment. Während die Musiker selbst recht schnell das Internet als Notnagel entdeckten und eine Lawine von Wohnzimmer-Streams lostraten, setzten die Clubs erst einmal auf das Prinzip Hoffnung. Doch ein Neustart Ende April, Anfang Mai ist jetzt Makulatur, die Schockstarre löst sich zwangsläufig, und so besinnen sich einige Clubs darauf, dass sie Streaming-Konzerte mit Bühnensituation und professioneller Tontechnik anbieten können.

Die Unterfahrt, Münchens international renommierter Jazzclub, war Vorreiter und hat schon Anfang April mit einem Konzert pro Woche angefangen. Nach Jenny Evans und LBT erklimmen am Samstag, 25. April, Brändle/Schwager/May die Bühne. Im klassischen Hammond-Trio-Format präsentieren der Gitarrist Paul Brändle, der Organist André Schwager und der Schlagzeuger Guido May in einem circa 70-minütigen Set stilübergreifende, aber immer groovende Eigenkompositionen. Brändle gehört zu den Gitarrengipfelstürmern der jüngsten Zeit, ist Mitglied so unterschiedlicher Bands wie des Rick Hollander Quintetts, des Christian Elsässer Jazz Orchestra oder Fazer und hat soeben sein erstes Solo-Album (Titel dementsprechend "Solo") veröffentlicht. Der Tizian-Jost-Schüler Schwager prägt an der Hammond-Orgel den Sound dieses Trios. May schließlich gehört mit seinen kraftvollen, funkigen Stil seit langem zu den herausragenden europäischen Drummern.

Bei den Münchner Clubs zieht nun die Bar Gabanyi nach. Das erste Stream-Konzert am gewohnten, für alle Genres offenen Donnerstagstermin (23. April) bestreitet eine Band, die sonst größere Bühnen gewohnt ist: Die Gypsy-Folkrocker Django 3000. Die inzwischen zum Quintett angewachsene Gruppe aus dem Chiemgau sorgt mit ihrem bayerischen Balkan-Beat seit Jahren für Furore.

Auch andere deutsche Jazzclubs gehen online. Der Kölner Stadtgartenpräsentiert nicht nur jeden Samstag "Jazz at Jaki", diese Woche mit dem Duo des Trompeters Matthias Bergmann und des Bassisten Jakob Kühnemann (25. April, 18 Uhr), sondern auch Pop-Acts wie das junge Singer/Songwriter-Trio Daisy Grow Yellow mit Frontfrau Corinne Bahia. Die Jazz Federation Hamburg streamt regelmäßig live aus ihrem vor drei Jahren eröffneten Stage Club, das nächste Mal ein Konzert mit dem Duo des grandiosen Pianisten der NDR Bigband Vladyslav Sendecki und des vom Martin Tingvall Trio bestens bekannten Schlagzeugers Jürgen Spiegel (28. April). Ganz kurzfristig setzen auch das Berliner A-Trane oder der Jazzclub Ravensburg Stream-Konzerte an, ein kontinuierlicher Check der Homepages ist also sinnvoll.

Django 3000, Do., 23. April, 20.30 Uhr, www.bar-gabanyi.de; Daisy Grow Yellow, Fr., 24. April, 20 Uhr, www.stadtgarten.de; Brändle, Schwager, May, Sa., 25. April, 20.30 Uhr, www.unterfahrt.de; Sendecki & Spiegel, Di., 28. April, 21 Uhr, www.jazzfederation.de

© SZ vom 23.04.2020
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