Tollwood-Konzert von „The Hu“ und „Heilung“Headbangen auf Kehlkopfgesang

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Kraftstrotzende Langhaar-Typen in dunklen Klamotten: Die Band „The Hu“ aus der Mongolei.
Kraftstrotzende Langhaar-Typen in dunklen Klamotten: Die Band „The Hu“ aus der Mongolei. (Foto: Hiroshi)

Die Bands „The Hu“ und „Heilung“ entführen auf dem Tollwood-Festival in München ihre Zuhörer in fremde Welten – mit vertonten Runen, Knochenflöten und anderen seltsamen Klängen.

Kritik von Jürgen Moises

Wenn man sich lange mit Rock- und Pop-Musik beschäftigt, glaubt man, an Stilen hätte man alles schon gehört. Dass das nicht so sein muss, zeigte der Auftritt von The Hu und Heilung in der Musik-Arena auf dem Münchner Tollwood-Festival. Die einen machen „Hunnu Rock“, die anderen „amplified history from early medieval northern Europe“. Und in beiden Fällen wird man in eigenwillige Klangwelten entführt: mit Kehlkopfgesang und ungewöhnlichen Instrumenten. Ein Nischen-Ding? I wo! Die Musik-Arena war voll. Und beide Bands wurden von einem recht diversen Publikum gefeiert.

Tatsächlich war die Musik der deutsch-dänisch-norwegischen Truppe Heilung unter anderem schon in Serien wie „Game Of Thrones“ und „Vikings“ zu hören. Die aus der Mongolei stammenden The Hu haben Musik zu einem „Star Wars“-Game beigesteuert und schon bei Rock am Ring gespielt. Bei Tollwood machten The Hu den Anfang. Sieben kraftstrotzende Langhaar-Typen in dunklen Klamotten. Ihr Hunnu Rock? Klingt mit Untertongesang, Maultrommel, mongolischer Laute, zwei Schlagzeugern und harten Gitarren, als würden die legendären Huun-Huur-Tu einen auf Metallica oder Slipknot machen. Perfektes Headbanger-Material mit exotischer Note. Und mit dem vereinenden Schlachtruf „Hu!“ Was „Mensch“ heißt.

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Dazu passt, dass Heilung danach an den Beginn einen Text stellen, der alle zu „Brüdern“ erklärt. Auch sonst klingt das Ganze mit stampfenden Rhythmen, Knochenflöten und Kehlkopfgesang zunächst ähnlich. Nur gibt es hier nicht nur ein Eröffnungsritual mit einer Art Priester und Weihrauch. Der Auftritt selbst gleicht einem Ritual. Vor einer Waldkulisse vollführen etwa zehn Menschen in alten nordischen Gewändern und mit Kriegsbemalung ein wildes Treiben. Es wird mit Speeren und Schildern aufmarschiert. Der weibliche und männliche Gesang ist auf Altnorwegisch oder Gotisch und die Texte basieren meist auf alten Runen.

Für Uneingeweihte hat das etwas von einem Hexen-Sabbat im Auenwald. Alles hat aber angeblich Hand und Fuß, da die Band-Gründer aus der experimentellen Archäologie stammen. Visuell ist das oft beeindruckend, wer will, kann sich in eine Techno-artige Trance versetzen lassen. Aufgrund der fremden Texte fühlt man sich aber doch auch außen vor. Und fragt sich: Wer will hier wen wovon heilen? Für die Fans ist es vorerst das letzte Ritual. Die 2014 gegründete Band will bald eine Pause machen. Der Grund: die Angst vor Burn-out. Das kennt man auch aus anderen heilenden Berufen.

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