Kritik:Würdig und recht

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Kritik: Virtuos wie eh und je: Mick Box (li.), der einzige verbliebene Original-Heep, mit Bassist Davey Rimmer, hier bei einem Konzert 2019 in Paris.

Virtuos wie eh und je: Mick Box (li.), der einzige verbliebene Original-Heep, mit Bassist Davey Rimmer, hier bei einem Konzert 2019 in Paris.

(Foto: Beucher B/imago images/Andia)

52 Jahre Uriah Heep: Die Rock-Dinos feiern in der Muffathalle ein Hochamt für sich und ihre Fans.

Von Andreas Pernpeintner, München

Es ist ein hübscher Einfall, dass Uriah Heep ihr Konzert in der Muffathalle zum Bandjubiläum, wegen der Corona-Zwangspause nun im 52. Jahr, nicht nur als Headliner, sondern auch als ihre eigene Vorband bestreiten. Die großen Instrumente fürs Laute, insbesondere Russell Gilbrooks Riesenschlagzeug, sind anfangs mit einem weißen Vorhang verhängt. Davor nimmt Uriah Heep, die akustische Vorband, Platz. Der Vorhang dient auch als Leinwand für Video-Grußbotschaften alter Weggenossen (besonders witzig: Ian Anderson von Jethro Tull und Alice Cooper), die verdeutlichen, wie stilbildend die Band mit ihrer hymnisch brachial fließenden Musik einst war.

Das dicke Klangbrett (E-Gitarre und Orgel nicht antagonistisch wie bei Deep Purple, sondern in Klangschichtung vereint) beherrschen Uriah Heep heute noch. Das liegt daran, dass Sänger Bernie Shaw stimmlich nach wie vor potent und mit Bühnenpräsenz gesegnet ist. Und es liegt daran, dass die Virtuosität von Gitarrist Mick Box, dem verbliebenen Original-Heep, schon immer solch klar definierten Zuschnitts war, dass sie nicht gealtert ist. Eine Wonne, mit welcher Gelassenheit er all das abruft, was zu den Songs an Gitarreneffekt gehört.

Zunächst aber nimmt Box die Akustikgitarre auf die Knie, und auch unplugged macht die Band eine gute Figur. Weil sie ohnehin akustische Lieder im Portfolio hat ("Lady in Black"!) und weil sie das Arrangieren so beherrscht, dass auch härtere Songs in dieser Darbietungsform interessant sind. Keyboarder Phil Lanzon erweist sich dabei als stilsicherer Klavier-Solist, und Davey Rimmer als sehr filigraner Bassist. Erstaunlich ist, dass Band und Tontechniker die Transparenz des Klangs in den lauten Rockteil nach der Umbaupause hinüberretten und einen Sound bieten, der Einzelstimmen gut erkennen lässt. Auch schön, dass Uriah Heep den Anspruch verfolgen, die eigene Bandgeschichte umfassend abzubilden. So kommen Titel jüngeren Datums ebenso zur Geltung wie nach fast drei Stunden die heilige Heep-Trinität aus "July Morning", "Gypsy" und "Easy Livin'". Das ist würdig und recht.

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