New Yorker Rapper Masta AceMusikalisches Vorbild von Eminem kommt nach München

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Masta Ace (links) und Marco Polo treten am 6. November im Strom in München auf.
Masta Ace (links) und Marco Polo treten am 6. November im Strom in München auf. (Foto: Mr. Wattson/Fat Beats Records)

Seit 35 Jahren ist Duval Clear alias Masta Ace als Rapper unterwegs, und noch immer überzeugt der New Yorker durch Oldschool-Hip-Hop mit anspruchsvollen Texten. Nun kommt er nach München.

Von Linus Freymark

35 Jahre sind eine lange Zeit. Kurze Zeitreise, 1990, Deutsche Einheit, Zweiter Golfkrieg, ein Elfmeter von Andreas Brehme. Was ist seitdem nicht alles passiert? Die Welt hat sich verändert, teils zum Guten, teils zum Schlechten. Das Leben ist schneller geworden, die Technik hat neue Möglichkeiten eröffnet und manchen das Gefühl gegeben, nicht mehr Schritt halten zu können.

Trotz all dieser rasanten Entwicklungen gibt es Menschen, die unverdrossen das machen, was sie schon immer gemacht haben. Im Falle von Masta Ace ist das Musik, genauer gesagt Hip-Hop. Seit 35 Jahren ist der New Yorker im „Game“, wie sich die Rapszene gerne selbst bezeichnet – spätere Rap-Legenden Tupac Shakur und The Notorious B.I.G träumten da noch davon, eines Tages Weltstars zu werden.

Nun gut, für die ganz große Karriere hat es bei Duval Clear, so der bürgerliche Name von Masta Ace, nicht gereicht. Bis heute gilt der mittlerweile 58-Jährige zwar als international anerkannter Künstler und vielleicht noch etwas mehr – immerhin hat ihn Eminem einmal als musikalisches Vorbild bezeichnet. Trotz dieses Ritterschlags sind Masta Ace die ganz großen Bühnen dieser Welt aber verwehrt geblieben.

Das hat den angenehmen Effekt, dass sich Masta Ace – anders als manche Stars, die nur noch Musik für ihre Fans und das Geld machen – nicht nach Trends richten muss, sondern sich selbst treu bleiben darf. Deshalb bekommt man von ihm nach wie vor feinsten Oldschool-Hip-Hop, der mit seinen harten Beats ein angenehmes Gegengewicht zum heutzutage modernen Autotune-Gesäusel darstellt.

Hinzu kommt, dass Masta Ace allerhand aus seinem bewegten Leben zu erzählen hat. Nach einer Jugend in Brooklyn absolviert er ein Marketing-Studium – und ist damit einer der wenigen Rapper mit zweitem Standbein. Überhaupt ist seine Karriere vergleichsweise skandalfrei verlaufen. Sein Leben aber nimmt eine dramatische Wendung, als er die Diagnose Multiple Sklerose (MS) erhält. Nachdem er die Krankheit mehr als ein Jahrzehnt nicht in der Öffentlichkeit thematisiert, spielt der Umgang damit inzwischen immer wieder eine Rolle in seinen Songs, so etwa in „No Regrets“.

Auch ansonsten gehen Masta Aces Texte über das übliche Benz-Bitches-Bizeps-Geflexe hinaus. Im ebenfalls 2001 erschienenen Album „Disposable Arts“ befasst er sich mit der fiktiven Geschichte eines ehemaligen Gefängnisinsassen, der nach seiner Entlassung wie viele Häftlinge vor der Frage steht, was er denn nun mit der wiedererlangten Freiheit anstellen soll.

In „Disposable Arts“ wählt der frisch Entlassene den Besuch einer Hip-Hop-Schule. Der Gedanke dahinter: Rapper werden, sich legal über Wasser zu halten und bestenfalls reich zu werden, ohne krumme Dinger drehen zu müssen. Ein schönes Gedankenexperiment, das neben vielen anderen Aspekten die Bedeutung zeigt, die Hip-Hop mitunter haben kann.

Wie schon 2019 macht Masta Ace auf seiner Europatour im Strom Halt. Als Verstärkung hat er diesmal den Kanadier Marco Polo dabei, der ebenfalls aus New York kommt und ebenfalls seit einer gefühlten Ewigkeit Musik macht. Auf 35 Jahre im „Game“ bringt er es allerdings nicht. Aber das ist schließlich auch eine lange Zeit.

Masta Ace, Donnerstag, 6. November, 20 Uhr, Strom, München

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