Brasilien, das Land des ewigen Sommers. Zumindest stellt man sich das hier gerne so vor, erst recht jetzt, wo der Juli hierzulande fast komplett ins Wasser gefallen ist und Weihnachten fast näher scheint als der nächste Tag am See. Wie gut, dass zumindest musikalisch Abhilfe bevorsteht: Mit Bia Ferreira gastiert eine Künstlerin im Ampere, deren Klänge zumindest für das europäische Ohr nach Sommer klingen.
Doch die 32-Jährige darauf zu reduzieren, würde ihr nicht gerecht werden. Denn Ferreira ist zudem bekannt für ihre Einlagen auf der Bühne. Und sie ist obendrein hochpolitisch unterwegs.
Ferreira stammt aus Carangola im Bundesstaat Minas Gerais im Südosten Brasiliens. Und aus einer musikalisch sehr bewanderten Familie: Ihre Mutter war Sängerin, sie selbst hat mit drei Jahren das Klavierspielen begonnen. Gleichzeitig ist Ferreira in einem streng christlichen Umfeld groß geworden. Das führte unter anderem dazu, dass sie in einem ihrer ersten Songs Gott gebeten hat, nicht lesbisch zu sein. Eine Bitte, geäußert aus einer familiären Prägung. Auch wegen dieses Konflikts hat Ferreira ihr Zuhause früh verlassen.
Als Musikerin tourte sie durch Brasilien, mit wenig Geld, aber vielen Ideen. Sie brachte sich bei, hinter dem Kopf oder nur mit einer Hand Gitarre zu spielen. Das brachte ein bisschen mehr Geld als das Dasein als bloße Straßenmusikerin. Und es hilft ihr bei ihren Shows heute. Wenn Ferreira auf die Bühne steigt, gibt es oft eine Überraschung. Das sorgt für Begeisterung im Publikum. Und für eine immer größere Popularität der Musikerin.
Allein zwischen 2023 und 2024 gab Ferreira mehr als 100 Konzerte in 16 Ländern. Ihr Sound ist eine Mischung aus Soul, R&B, Reggae und Rap, gepaart mit brasilianischen Einflüssen wie Samba und Repente. Dieser Mix lässt einen mitwippen und mitklatschen. Dazu singt Ferreira auf Portugiesisch, was die Sommersehnsucht weiter steigen lässt und so den Kontrast weiter steigert, in dem sich bei Ferreira Melodie und Texte gegenüberstehen.
Denn bei Ferreira geht es um feminismo, für den sie vehement einsteht, während sie sich gegen Homophobie, Rassismus und jegliche Form von Unterdrückung auflehnt. Während sie in Brasilien unter Ex-Präsident Jair Bolsonaro damit aneckte und die Behörden laut Ferreira Auftritte verhinderten, bringt ihr ihre klare politische Haltung vielerorts Sympathien ein. Auch, weil die 32-Jährige die Probleme zwar benennt, aber nicht nur durch die Brille des Pessimismus darauf blickt, sondern sich auch mit möglichen Lösungen beschäftigt für das, was gesellschaftspolitisch schiefläuft.
All das hat dafür gesorgt, dass Bia Ferreira inzwischen zu den angesagtesten Künstlerinnen Brasiliens zählt und auch im Ausland populär ist, weshalb sie gerade durch Nordamerika und Europa tourt und dabei einen Zwischenstopp im Ampere einlegt. Das ist ein großer Glücksfall – gerade jetzt, wo der Sommer so eine lange Pause gemacht hat und die Themen aus Bia Ferreiras Musik hier wie im Rest der Welt ungelöst sind.
Bia Ferreira, Ampere, Mittwoch, 13. August, 20 Uhr

