Sie bezeichnen ihre Musik als „ursprünglich“ und gleichzeitig „futuristisch“. Und auch über das Outfit des Münchner Duos Cosmica Bandida ließe sich sagen, dass es zum einen an die Disco-Ära oder auch an Western erinnert. Zum anderen wirken David Blitz und Manuela Illera mit ihren bunten Klamotten, skurrilen Masken oder Brillen aber auch so, als hätten sich die beiden aus dem Weltraum auf die Bühne gebeamt.
Die Wurzeln des kolumbianisch-deutschen Duos liegen aber anderswo, und zwar in Köln, London und San Francisco sowie in Bogotá und Buenos Aires. Das sind die Stationen, nach denen David Blitz und Manuela Illera schließlich 2019 an der Münchner Kunstakademie zusammenfanden. Es folgten Kunstprojekte und Konzerte. Und mit „Fieras“ liegt nun ihr gemeinsames Debüt-Album vor.
Am 13. November stellen Cosmica Bandida das beim Trikont-Label zunächst nur auf Vinyl und im Frühjahr dann auch per Stream erhältliche Werk live im Münchner Blitz Club vor. Und man darf schon mal prophezeien: Es wird feurig schräg und hypnotisch rhythmisch werden. Die Hauptzutat dafür ist die aus Kolumbien stammende Cumbia, die wiederum in einem afrikanischen Tanz ihren Ursprung hat, der sich dann mit spanischen und indianischen Elementen vermischte. Hinzu kommen bei Cosmica Bandida aber noch weitere tropische Rhythmen wie Dembow oder Salsa, tief dröhnende Trap-Beats, eine Prise Italo-Disco. Sehnsüchtige Melodien aus dem türkischen und ägyptischen Psychedelic-Pop wehen ebenfalls hinein. Und getragen wird das meiste davon von einem fetten, pulsierenden Bass.
„Das Album versammelt Mythen und persönliche Rituale“, sagen David Blitz und Manuela Illera selbst über „Fieras“, was auf Deutsch „Raubtiere“ oder „Bestien“ heißt. Passend dazu heißt denn auch der Erste von insgesamt zwölf Songs, die fast alle auf Spanisch eingesungen wurden, „Tiburón Blanco“ („Weißer Hai“). Weitere Stücke nennen sich „Pantera de amor“ („Liebespanther“), „Gusano“ („Wurm“), „Cara de gato“ („Katzengesicht“), „Volcán“, „La selva es su llama“ („Der Dschungel ist seine Flamme“) oder „Bats“. Dann gibt es aber auch noch „Warmi pachakuti“ („Die Revolution der Frauen“), „Semisweet“ und „Palo de mango“ („Mangostange“). Und zum Abschluss wird es dann mit „Tú y yo“ („Du und ich“) recht persönlich und intim.
An Instrumenten zu hören gibt es auf „Fieras“ verzerrte, psychedelische Gitarren, Synthesizer, allerhand analoge und elektronische Percussion, aber auch selbstgebastelte Gefäßflöten, sogenannte Okarinas. Mit diesen Okarinas fing 2019 angeblich auch die musikalische Beziehung von David Blitz und Manuela Illera an. Illera studierte damals Malerei an der Kunstakademie, Blitz arbeitete dort als Assistent mit dem Schwerpunkt zeitbasierte Medien. Und er hatte dort ein Studio, angefüllt mit Synthesizern, Tape Loops und selbstgemachten Instrumenten. Außerdem hatte er das Akademie-eigene Musiklabel Akascope kuratiert. Für dieses reichte Illera einen Ambient-Track ein, der auf den von ihr selbstgebastelten Okarinas basierte. Beide lernten sich kennen, und die Geschichte nahm ihren Lauf.
Dazu gehören wie gesagt auch Kunstprojekte. So setzte sich Illera in ihrer 2023 mit dem Preis der Akademie aus dem Stipendienfonds ausgezeichneten Diplomarbeit „Sentimental Disobedience“ mit den Themen Kolonialismus und Kapitalismus auseinander und baute dafür mehrere „Picas“. Picas oder Picós, das sind bunt bemalte, musikspielende Holzkisten auf Rollen, die als portable Soundsysteme in Kolumbien entstanden. Und die man bald auch bei Cosmica Bandida auf der Bühne gesehen hat. Ein Jahr später hat sich Illera in „Lenguas Solares“ mit indigenen Sprachen in Kolumbien auseinandergesetzt. Politische, soziale Themen wie Kolonialismus, Migration oder queere Identitäten spielen auch bei Cosmica Bandida hinein. Das aber in einer poetischen, sinnlichen Form, einer Art tanzbarem Empowerment.
Cosmica Bandida: Fieras (Trikont), live am 13. November um 21 Uhr im Blitz Club, Museumsinsel 1

