Warum die Münchnerinnen und Münchner bei der Kommunalwahl für die Grünen stimmen sollen? „Weil mehr geht.“ So sehen es jedenfalls die führenden Köpfe der Partei, weshalb sie diese drei Worte als Slogan für ihre Kampagne ausgesucht haben. Auf den sechs Plakaten mit den wichtigsten politischen Botschaften steht der Halbsatz unten sehr gut sichtbar, genauso unter dem Foto-Portrait von Oberbürgermeister-Kandidat Dominik Krause. Er hat sich auch einen kampagnenfähigen Satz ausgedacht, wie er mehr erreichen möchte für die Stadt. „Ich will nicht alles anders machen, aber vieles besser.“
Um die Kampagne für die Wahl des Stadtrats und des Oberbürgermeisters am 8. März 2026 der Öffentlichkeit zu präsentieren, haben die Grünen in die Gaststätte Holzkranich in der Maxvorstadt eingeladen. Schließlich wollten sie ihre Plakate „in einzigartiger Wohnzimmeratmosphäre“ vorstellen. Tatsächlich stehen die beiden Staffeleien, auf denen ein Motiv nach dem anderen präsentiert wird, neben einem kleinen Weihnachtsbaum, der auf einem Schlitten platziert ist. Zur Standard-Einrichtung gehören Plüschsessel, eine Stehlampe, Bilderrahmen an der Wand.
Ganz so retro-plüschig wie das Interieur wollen die Grünen aber dann im Wahlkampf doch nicht wirken. Auf den Plakaten sind, ähnlich wie 2020, keine Fotos zu sehen, sondern Illustrationen. Oben steht in dicken gelben Lettern das Ziel, darunter folgt dann in weißen Buchstaben der Missstand, der behoben werden soll. „Mehr Bäume, weniger Beton.“ Oder: „Mehr Fahrt, weniger Frust.“ Die Illustration zeigt eine Frau in einem öffentlichen Verkehrsmittel, die durch das Fenster einen Radfahrer beobachtet.
Der Hintergrund aller sechs Plakate ist in sehr knalligen Farben gehalten, meistens passend in Grün. Sie sollen bis zur Wahl im März 2026 in ganz München für die Partei werben. „Das sind Plakate, die man gerne im Stadtbild sieht“, sagt die Stadtvorsitzende Svenja Jarchow. Mit den künstlerisch gestalteten Illustrationen wollen sich die Grünen zudem von immer gleichen Foto-Motiven abheben, wie sie sagen.
So innovativ wie auf den Plakaten will die Partei auch künftig Politik machen. „Wir stehen vor einem großen Modernisierungsschub“, sagt Krause. Beim Bauen, im Verkehr, beim Reagieren auf Hitzesommer. Dass Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nach zwölf Jahren im Amt noch der richtige sei, „das glaube ich nicht“, sagt Krause. „Sonst würde ich mich nicht bewerben.“ Wie sehr der Koalitionspartner Reiter bei den Grünen für Stillstand steht, erklärt der Co-Stadtvorsitzende Florian Siekmann. „Zuschauen, abwarten, wegducken“, so beschreibt er den Politikstil des Oberbürgermeisters.
Die CSU und ihr Kandidat Clemens Baumgärtner kommen auch nicht viel besser davon. „Die wollen zurück in die Vergangenheit“, sagt Siekmann. Der Ausbau der Tramlinien werde blockiert, im Freistaat streiche die CSU Zuschüsse für den Wohnungsbau. „Ich sehe nicht, dass sich die Münchner CSU dagegen wehrt.“
Mit 29,1 Prozent erstmals auf Platz eins in München
Mit ihrem Kandidaten Krause wollen sich die Grünen gegen die aus ihrer Sicht rückwärtsgewandten Gegner profilieren. Und bei den Inhalten unter anderem bei der Digitalisierung, im Wohnungsbau und bei der Kitaversorgung. Und ganz zentral für die Grünen: Ein Plakat-Motiv widmen sie dem Kampf gegen den Rechtsextremismus. „Mehr Farbe, weniger Faschos“, heißt es darauf.
Neu erfunden haben sich die Grünen also nicht im Vergleich zum vergangenen Kommunalwahlkampf. Die Slogans waren leicht unterschiedlich, aber ähnlich reduziert in der Botschaft. „Für Grün-Erhalt statt mehr Asphalt“ stand damals zum Beispiel auf den Plakaten, oder „Für Radl-Lust statt Auto-Frust“. Die Illustrationen von Xaviera Altena sind diesmal viel feiner als die eher wuchtige Bildsprache damals, dafür waren die Botschaften immerhin gereimt.
Am liebsten wäre den Grünen aber, wenn das Wahlergebnis nicht neu erfunden würde. Oder zumindest nur in Teilen. Denn bei der Stadtratswahl holten sie 29,1 Prozent und landeten erstmals auf Platz eins in München. Damals kamen sie allerdings aus der Opposition und die Klimabewegung Fridays for Future prägte die politische Debatte. Eine Steilvorlage für die Grünen. Doch sogar unter diesen günstigen Vorzeichen schaffte es Spitzenkandidatin Kathrin Habenschaden nicht in die Stichwahl um das OB-Amt.
Eine Vorlage aus der Umweltbewegung ist bisher nicht abzusehen, und die Grünen kommen nach Jahren einer oft mühsamen Koalitionsarbeit mit der SPD nicht als Angreifer, sondern müssen erstmals ihre Position als stärkste Kraft verteidigen. Krause versucht spürbar die Balance zu halten, um nicht die eigene Regierungsarbeit zu beschädigen und doch in die Offensive zu kommen. Es gelte „die Herausforderungen zu thematisieren, ohne die Stadt schlecht zu reden“, sagt er. Seine Partei und er selbst müssen am 8. März zeigen, ob sie im Ergebnis bestätigen, was auf den Plakaten steht: „Weil mehr geht.“

