Forderungen zur Kommunalwahl80 Organisationen schließen sich zusammen, um München besser zu machen

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München, bildschön: Sabine Krieger, Jana Häfner und Fenya Kirst (v. l.) präsentieren im Werksviertel die Forderungen des Bündnisses „Stadt für alle“ zur Kommunalwahl.
München, bildschön: Sabine Krieger, Jana Häfner und Fenya Kirst (v. l.) präsentieren im Werksviertel die Forderungen des Bündnisses „Stadt für alle“ zur Kommunalwahl. (Foto: Robert Haas)
  • 80 Organisationen haben sich zum Bündnis „Stadt für alle“ zusammengeschlossen, um München grüner, ruhiger und sozialer zu machen.
  • Das Bündnis fordert Superblocks wie in Barcelona, Aufstockung von Häusern und Umwandlung leer stehender Büros in Wohnungen.
  • Die Aktivisten kritisieren die „sehr mäßige“ Umsetzung von Klima- und Naturschutzthemen durch die aktuelle grün-rote Stadtregierung.
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Das neue Bündnis „Stadt für alle“ kämpft für eine grünere, ruhigere und sozialere Stadt. Die vielen Ideen erinnern an Paris und Barcelona und sollen alle realistisch und umsetzbar sein.

Von Bernd Kastner

Die künstliche Intelligenz weiß, wie die Zukunft in der „Stadt für alle“ aussehen wird. Sie hat Bilder geschaffen mit spielenden Kindern auf einem begrünten, schattigen Stadtplatz, Trinkwasserbrunnen und flanierende Erwachsene inklusive. Sie präsentiert üppige Bäume inmitten der City, vor Frauenkirche und Rathausturm, und Häuser mit begrünten Balkonen und Terrassen, auf die ein paar Stockwerke draufgesetzt wurden. Eine in warmes Morgenlicht getauchte Wohlfühlwelt. Wie realistisch ist ein derart „lebenswertes München“?

Das künstliche Fotoflair solle bald Realität werden, dafür setzt sich „Stadt für alle“ ein. So nennt sich ein Bündnis aus etwa 80 Organisationen und Firmen, das Themen der Nachhaltigkeit, soziale und ökologische, in den Kommunalwahlkampf tragen will und anschließend auch ins Rathaus. Mit dabei sind Vereine wie Green City und Foodsharing, Gruppen wie Radentscheid und Architects for Future, Firmen wie Vollcorner und Diakonie.

Einen kleinen Teil der Forderungen hat die KI im Auftrag des Bündnisses visualisiert. Sie erinnern an Städte wie Barcelona und Paris, die in den vergangenen Jahren große Schritte gemacht haben in Richtung einer grüneren, ruhigeren, sozialeren Stadt. Diesen Zustand wünschen sich die Bündnis-Aktivisten auch für München.

„Määähh!“ Bei der Präsentation der Forderungen klingt das Schaf, als begrüße es die vielen Menschen in seinem Zuhause, auf der Dach-Alm im Werksviertel, sechste Etage. Das Bündnis hat diesen besonderen Ort nach eigenen Angaben bewusst für die Pressekonferenz gewählt, um ein positives Gefühl bei Vertretern der beteiligten Gruppen und Journalisten zu erzeugen. Die Botschaft: Werden unsere Wünsche wahr, wird das schöne München noch schöner, eine Wohlfühlstadt.

Man verstehe sich nicht als Protestbündnis, sagt Jana Häfner von Fridays for Future, sondern als „Zukunftsbündnis“ und wolle Klimaschutz und soziale Politik zusammenbringen. Erreichen wolle das Bündnis seine Ziele im „Dialog mit Stadtpolitik und Verwaltung“.

Sechs Themenfelder sind aus Sicht des Bündnisses entscheidend für eine ökologisch und sozial nachhaltige Zukunft: Wohnen und Bauen, Stadtplanung, Energie, Ernährung, Mobilität sowie Freiflächen, Naturschutz und Biodiversität. Spezielle Forderungen dazu habe man in einem monatelangen „kollaborativen Prozess“ vieler Bündnisgruppen erarbeitet.

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Sabine Krieger, Vize-Vorsitzende des Bund Naturschutz in München und lange Jahre für die Grünen im Stadtrat, nennt einige: Um mehr Wohnraum zu schaffen, sollen Häuser aufgestockt und leer stehende Büros in Wohnungen umgewandelt werden. Mehr Bäume sollen mehr Schatten spenden. Es sollen Superblocks wie in Barcelona entstehen, Quartiere mit wenig oder keinem Autoverkehr, wo Kinder auf den Straßen spielen.

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Im Forderungspapier des Bündnisses heißt es: „Der öffentliche Raum wird neu aufgeteilt. Straßen werden wieder Orte des Gehens, der Begegnung und des Verweilens.“ Und etwas konkreter: Die Sonnenstraße soll zum Boulevard umgebaut werden. Die Idee dazu geistert seit Jahren durch Rathaus und Verwaltung.

Fenya Kirst von Protect the Planet beschreibt ein paar der Wünsche noch detaillierter, etwa für einen entspannteren Wohnungsmarkt: In einem öffentlichen Register sollten Wohnungsleerstände einsehbar sein. Für neue Wohnungen, mit denen bestehende Häuser aufgestockt werden, solle die Pflicht entfallen, Autostellplätze zu schaffen, was den Anreiz für Aufstockungen erhöhe. Im Bereich der Ernährung solle die Stadt mehr gegen Verschwendung tun und den Lebensmittelabfall in ihren Einrichtungen um die Hälfte reduzieren. Kirst betont, dass die Forderungen für eine „Stadt für alle“ realistisch seien: „Alles, was wir fordern, ist umsetzbar.“ Auch nach der Wahl wolle das Bündnis den neuen Stadtrat begleiten und an die Forderungen erinnern.

Ein wenig Kritik an der aktuellen, grün-roten Stadtregierung unter Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) kommt dann doch noch zur Sprache. Die Hoffnung auf dieses Bündnis, sagt die ehemalige grüne Fraktionschefin Krieger, sei groß gewesen. Doch es hapere an der Umsetzung, die sei teilweise „sehr mäßig“, gerade im Bereich des Naturschutzes sei „sehr wenig passiert“. Sollten die Grünen nach der Wahl nicht mehr Teil der Stadtregierung sein, würde womöglich noch weniger umgesetzt. Deshalb wolle das Bündnis vorbauen und Klima- und Sozialthemen stärken. Sie wisse, sagt Krieger, dass OB Reiter Klima- und Umweltthemen „nicht für sehr wichtig“ halte und sie deshalb nicht so gefördert habe, wie es nötig wäre.

Und welche Erwartungen hat das Bündnis an Reiter, sollte er im Amt bestätigt werden? „Ich hoffe“, sagt Jana Häfner, „dass er uns wahrnimmt und ernst nimmt.“

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