Fast drei Wochen ist sie her, die Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters. Der erste Wahlgang: fast fünf Wochen. In so einer langen Zeit kann sich vieles ändern. Das Wetter zum Beispiel. Gerade noch Winter und Schnee, plötzlich Sommer und 21 Grad. Mit kleinen Episoden zwischendurch von ganz normalem, dem Kalender entsprechenden Frühling.
Auch das Stadtbild hat sich in den vergangenen Wochen verändert, passend zu Ostern, der Zeit der Erneuerung. Waren einem die Kandidaten für die Kommunalwahl bis März zu Vertrauten geworden, deren Gesichter – oder auch einfach nur Brillen – man auf Wahlplakaten auf dem Nachhauseweg grüßte wie alte Bekannte, sind sie mittlerweile weitgehend verschwunden.
Die Frist fürs Abhängen – nach der Stichwahl hatten die Parteien 14 Tage Zeit dafür – ist seit Ostersonntag verstrichen. Aber weil sich die Münchner, auch die politisch engagierten, in dieser Zeit des Jahres am Gardasee aufhalten, passierte über die Feiertage nicht viel. Der Osterhase war ebenfalls keine große Hilfe, er hat die Plakate auf seiner Tour durch die Stadtviertel jedenfalls nicht abgehängt.
Und so sah es am vergangenen Dienstag und Mittwoch noch so aus, als sei es Teil einer neuen Nachhaltigkeitsstrategie der Parteien, ihre Werbung einfach bis zur nächsten Wahl hängen zu lassen. Seit Donnerstag finden sich aber nur mehr vereinzelt Reiter-Slogans und Krause-Krawatten an Münchens Straßen.
Mitunter recht zerfetzt hing zuletzt noch manche CSU-Forderung nach mehr Sicherheit und Sauberkeit von den Laternenstangen. Und mancherorts wird über der blauen Baumgärtner-Brille weiterhin beharrlich folgender Ruf nach Erneuerung laut: „Endlich wieder vorankommen! Baustellenchaos beenden.“
Wie sehr sich die Stadt durch das Wahlergebnis erneuern wird, das werden die nächsten sechs Jahre zeigen. Für den neu gewählten Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) bringt die Wahl in jedem Fall schon jetzt einen neuen Namen mit sich, genauer gesagt: eine Namensgebärde. Wie der Gehörlosenverband München und Umland mitteilt, wird Krause in der Gebärdensprache künftig mit der Gebärde für „Hemd“ benannt.
Während er zu Beginn seiner politischen Laufbahn als Stadtrat noch zwischen formeller und informeller Kleidung gewechselt habe, habe sich sein Erscheinungsbild im Laufe der Zeit zunehmend gewandelt, erklärt der Verband. Mit der Übernahme weiterer politischer Verantwortung habe er seinen Kleidungsstil immer weiter angepasst.
Auch für Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) hat der Gehörlosenverband eine Namensgebärde festgelegt, sie leitet sich von dem charakteristischen Ohrschmuck ab, den sie häufig trägt: Perlenohrringe. Wird die Stadtspitze künftig aus Hemd und Perlenohrringen bestehen? Und welches dritte unverwechselbare Merkmal wird sie komplettieren? Am Montag gehen die Sondierungen weiter.


