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Kommunalwahl 2020:Reiters Überraschungskandidatin für die Stadtratsliste

Julia Schmitt-Thiel, SPD-Kandidatin für den Münchner Stadtrat.

Julia Schmitt-Thiel hat gute Chancen, Stadträtin zu werden.

(Foto: Susie Knoll)

Julia Schmitt-Thiel ist Leiterin des Kulturzentrums Mohr-Villa, nun will die 41-Jährige für die SPD in den Stadtrat einziehen. Der Oberbürgermeister persönlich hat ihr einen sicheren Platz reserviert.

Die Identität der Frau wurde gehütet wie ein Staatsgeheimnis, nur der innerste Zirkel der Münchner SPD weiß von ihr. Sie soll einer der großen Trümpfe auf der Kandidatenliste für den Stadtrat sein, Oberbürgermeister Dieter Reiter persönlich hat einen sicheren Platz für sie reserviert. Julia Schmitt-Thiel, Leiterin des Kulturzentrums Mohr-Villa in Freimann, will für die Sozialdemokraten in den nächsten Stadtrat einziehen. "Sie hat eine zupackende, gewinnende Art, ein sozialdemokratisches Profil und kann sehr überzeugend sein", sagte Oberbürgermeister Reiter. "Ich freue mich sehr, dass sie zugesagt hat."

Die 41 Jahre alte, promovierte Politologin musste nicht lange überredet werden. "Dieter Reiter hat mich zum richtigen Zeitpunkt gefragt, weil ich wahnsinnig Lust darauf habe", sagte Schmitt-Thiel. Lust zu gestalten, politische Akzente zu setzen, die Stadt weiter zu entwickeln, "egal wie verrückt oder teuer sie wird". Sie habe das Gefühl, durch ihre Lebens- und Berufserfahrung viel dazu beitragen zu können.

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Schon lange wurde in der SPD und auch im Rathaus spekuliert, wen Reiter als Überraschungskandidatin präsentieren würde. Das Aufstellen der SPD-Stadtratsliste geht nun in die finale Phase. In vier Regionalkonferenzen haben die Sozialdemokraten ihre Bewerber in eine vorläufige Reihenfolge gebracht, der nun eine Findungskommission den letzten Schliff verleihen soll. Dafür hat sie sechs sogenannte Freischüsse, die das Tableau nochmals durcheinanderwirbeln können. Letztlich dürfte der OB den Ausschlag geben, wer nach vorne rückt, nach hinten rutscht oder noch von außen dazukommt.

Für Schmitt-Thiel bedeutet das, dass sie als wohl einzige externe Kandidatin mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dem nächsten Stadtrat angehören wird. Reiter dürfte ihr als seinen Überraschungscoup einen sicheren Platz verschaffen. Die Geschäftsführerin der Mohr-Villa will sich aber keineswegs nur auf die Kulturpolitik festlegen lassen. Die Themen Umwelt und Energie interessieren sie ebenso wie Arbeit und Wirtschaft. Dazu steht sie mit ihrer Erfahrung im Ausland und ihrem Engagement für Flüchtlinge unter anderem in der Bayernkaserne für ein buntes, weltoffenes München. "Dass Reiter damals die Kaserne zugemacht hat, fand ich großartig", sagte Schmitt-Thiel.

Dort haben sich die beiden kennengelernt, Reiter hatte die Unterkunft wegen der unwürdigen Verhältnisse spontan dicht gemacht. Seither haben sie sich immer wieder mal getroffen. Reiter hat ein sehr angenehmes Gespräch mit ihr im Hinterkopf, als Schmitt-Thiels Lebenspartner, der Kabarettist Claus von Wagner, den Dieter-Hildebrandt-Preis erhielt. "Ich war mir sicher, dass wir auf einer Wellenlänge liegen." Also fragte er sie auf dem letzten Kulturempfang, ob sie sich eine Stadtrats-Kandidatur vorstellen könne. "Da war ich schon baff", sagte Schmitt-Thiel. Sie überlegte eine paar Tage, besprach sich mit der Familie und sagte zu.

Nun wird sie den Sozialdemokraten als "klassischer Freischuss" präsentiert, wie Reiter sagt. "Ich hoffe, dass meine Partei das mitträgt." Mit Hoffen wird das nicht viel zu tun haben, Reiter weiß, dass seine SPD ihn und seine gute Laune für den Wahlkampf dringend benötigt. Der Ausblick auf die Liste, auf die er nun noch mal Einfluss nehmen wird, stimmt ihn positiv. Zu den Etablierten kämen viele neue und junge Gesichter auf den ersten 20 Plätzen. "Diese Auffrischung wird der Fraktion gut tun", ist der OB sich sicher.

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