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Hertzkammer:Auflegen für Aufmerksamkeit

Theresa Bittermann legt als DJ Bimän im Kollektivgarten 3000 auf - und setzt sich für Frauen und nicht-binäre Menschen ein.

Von Vivian Harris, München

Die Reihenfolge der Regenbogenfarben müsste man spätestens seit letzter Woche draufhaben. Als Fähnchen oder Flaggen, Gesichtsbemalung oder Sockenmuster, auf Regenschirmen und Sonnenbrillen war das Symbol der LGBTIQ-Bewegung bei der Münchner Pride Week so ziemlich überall vertreten. Wegen der Pandemie fiel die CSD-Parade zwar aus, es gab aber genug andere Möglichkeiten, um ein Zeichen für mehr Toleranz zu setzen: An Infoständen wurde aufgeklärt, auf dem Rad demonstriert und zu Songs von Lady Gaga und anderen "Gay Icons" auf der Theresienwiese gefeiert.

Wie München die vergangenen Tage zusammengekommen ist, war schön und gut und wirkte nicht performativ, sondern aufrichtig. Höchstens von der Politik hätte man sich ein bisschen weniger Auf-die-Schulter-Geklopfe und Mit-dem-Finger-Gedeute wünschen können. Oberbürgermeister Dieter Reiter sprach am Wochenende von einem "weltoffenen München", und davon, dass es in anderen Teilen Europas noch immer sexuelle Diskriminierung gäbe.

Eine gewisse Stigmatisierung gibt es hier aber auch, und Aufklärungsarbeit muss über den Christopher Street Day und die Pride Week hinausgehen und gefördert werden. In München sorgen dafür verschiedene Initiativen, Kulturschaffende und Aktivistinnen und Aktivisten. Zum Beispiel das Radio Uferlos, das Artists aus der LGBTIQ-Community eine Bühne gibt und durch sein Programm die Distanz zwischen queeren und nicht-queeren Hörern verringern will. Oder Theresa Bittermann, die beim CSD den Livestream aus dem Bellevue di Monaco moderierte. Gemeinsam mit dem queerfeministischen WUT-Kollektiv setzt sie sich für eine stärkere Repräsentanz von Frauen und nicht-binären Menschen in der Elektronikszene ein. Sie und die anderen "WüterInnen" kämpfen gegen Diskriminierung und den Verlust der Subkulturen. Dafür steht sie als DJ auch selbst an den Turntables: Mit ihrem postweiblichen Projekt Bimän möchte sie Geschlechterrollen überspitzen, die Clubkultur politisieren und so ziemlich alle Sounds miteinander fusionieren. An diesem Donnerstag, 15. Juli, legt Bimän im Kollektivgarten 3000 auf. Die Open-Air-Lounge setzt ihren Schwerpunkt auf ein besonders diverses Kulturprogramm. Bimän und ihre Musik nur als divers zu bezeichnen, wäre aber vermutlich falsch.

Bimän, 15. Juli, 17 Uhr, Kollektivgarten 3000, Helfenriederstraße

© SZ/pop
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