Kulturbauten in München:Der geschundene Königsplatz

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Kulturbauten in München: Die Staatlichen Antikensammlungen säumen die Südseite des Königsplatzes.

Die Staatlichen Antikensammlungen säumen die Südseite des Königsplatzes.

(Foto: Lukas Barth/lukasbarth.com)

Die Arbeiten an der Glyptothek sind beendet, die Verheerungen der Außenanlagen durch die IAA wieder beseitigt. Auf dem Königsplatz ist winterliche Ruhe eingekehrt - doch lange währen wird diese nicht.

Von Susanne Hermanski

Vor dem Sturm ist nach dem Sturm. Kurz vor Weihnachten hat das Bayerische Kunst- und Wissenschaftsministerium in einer Mitteilung gepriesen, was schon mehrfach davor gefeiert worden war: das Ende der Sanierung der Glyptothek. Nun seien "auch die Restarbeiten an Fassade und Außenanlagen abgeschlossen", hieß es in dem Schreiben. So gut wie fertig war dieser zweite Bauabschnitt unterdessen schon im Juli. Danach verwüsteten jedoch die Auf- und Abbauarbeiten der IAA die gerade frisch angesäten Außenanlagen wieder. Nach einer Woche Mobilitätsmesse, die auch den Königsplatz im September mit zahlreichen Ständen und großen Aufbauten bespielte, zeigten sich Politiker des Bezirksausschusses entsetzt über die "40 bis 50 Zentimeter tiefen Ackerfurchen" in den Grünanlagen, besonders hinter dem Museum. Doch auch vor dem Haus glich der Rasen da eher einer landwirtschaftlichen Nutzfläche.

Mittlerweile sind vertragsgemäß alle Verheerungen beseitigt, 8000 Quadratmeter frischer Rollrasen soll dafür verlegt worden sein, und auf dem Königsplatz ist winterliche Ruhe eingekehrt. Lange währen wird diese allerdings nicht. Die IAA kehrt zwar erst 2023 zurück auf den Platz, aber schon in diesem Sommer werden die European Championships den Bauten am Königsplatz zu Leibe rücken und die Wiesen neuerlich aufreißen. Im August wird Münchens historisch so wechselvoller Platz zum Austragungsort für Wettkämpfe im Beachvolleyball und im Sportklettern umgewandelt. Doch was den einen als ideale Ergänzung zu den Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums der Olympische Spiele von 1972 erscheint, ist anderen ein Gräuel.

Denn für den Beachvolleyball-Wettbewerb wird nicht einfach Sand auf die Wiesen gekippt. Unmittelbar vor dem Gebäude der Antikensammlungen wird etwa der "Center Court" errichtet, und der Kulturtempel selbst wird direkt als Kulisse für die Athleten und Athletinnen in ihren Badehöschen mit einbezogen. Für eine Sondertribüne mit Premiumplätzen soll sogar ein Teil der Sockelstufen überbaut werden. Wie das aussehen wird, lässt sich bereits auf dem Sitzplatzplan für den Vorverkauf erahnen.

Jetzt rücken die Beachvolleyballer der Antikensammlung auf die Pelle

Die Antikensammlungen liegen gegenüber der Glyptothek, auf der Südseite des Königsplatzes. Errichtet wurde das Gebäude 1838 bis 1848 von Georg Friedrich Ziebland, wenige Jahre nach Klenzes Glyptothek. Auch der Sanierungsbedarf an diesem Haus steht längst fest. Erst Ende 2020 musste die große Steintreppe des klassizistischen Baus mit einer "Notsicherung" überbaut werden. Um die wacklig gewordenen Steinstufen wieder verkehrssicher zu machen, installierte man über ihnen, im Mittelbereich vor dem Eingang, eine schmale Treppe aus korrodiertem Stahlblech. Die legt sich seither wie ein rostroter Teppich über die Stufen.

Im Zweiten Weltkrieg waren die Antikensammlungen wie die Glyptothek schwer zerstört worden. Das Innere des Gebäudes wurde deshalb in der Nachkriegszeit entkernt und neu gestaltet, die Außenfassade saniert, doch auch diese Maßnahmen sind - ähnlich wie sie es im Schwesterbau der Glyptothek waren - längst in die Jahre gekommen. Im Zentrum seines Giebelfelds steht die Bavaria als Erneuerin und Schützerin der Künste. Als Mittelakroter überragt ein Phönix als Symbol der Wiedergeburt das Dach. Da bleibt wohl nur zu hoffen, dass ein paar Tausend hopsende Beachvolleyball-Fans auf dem Königsplatz nicht gleich Schutt und Asche machen aus dem wackeligen Tempelchen und der Einsatz des großen alten Vogels noch ein bisschen Zeit hat.

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