Einst thronte er als drei Meter hohe Bronzestatue über der Isar, dann schmolzen ihn die Nazis zur „Metallspende des deutschen Volkes“ ein, doch nun kehrt König Ludwig II. auf die Corneliusbrücke zurück. Dort starten am kommenden Montag die Bauarbeiten für einen Erinnerungsort an den Kini, der mit dem früheren Denkmal jedoch wenig gemein haben wird.
Vielmehr soll auf dem Balkon oberhalb der Isar eine „romantische Ruine“ entstehen, so formuliert es Dietmar Holzapfel. Der Wirt der „Deutschen Eiche“ im nahen Glockenbachviertel ist ein Verehrer des Märchenkönigs und federführend dafür verantwortlich, dass dieser auf die Brücke zurückkehrt.
„Ludwig II. ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild und gerade für die schwule Szene eine Ikone“, sagt Holzapfel. Dies habe ihn beim 150. Geburtstag der „Deutschen Eiche“ 2014 auf die Idee gebracht, 150 000 Euro für die Wiederrichtung eines Kini-Denkmals auf der Corneliusbrücke bereitzustellen. Zugleich gründete der Wirt eines der ältesten Treffpunkte der homosexuellen Szene in München einen Verein, der fortan Spenden sammelte und ein Konzept für einen Erinnerungsort entwickelte. 2018 stimmte der Stadtrat schließlich für eine Rückkehr des Königs; in der Folge verzögerte sich das Projekt jedoch ein ums andere Mal – sehr zum Unmut von Dietmar Holzapfel.
Nun jedoch hat der 69-jährige Ludwig-Fan sein Ziel erreicht: Für 225 000 Euro – ausschließlich Spenden, die sein Verein aufgetrieben hat – soll voraussichtlich bis Ende April jene „romantische Ruine“ auf der Bastion der Corneliusbrücke entstehen. Dem städtischen Baureferat zufolge werden dabei Natursteine und der Original-Sockel des ursprünglichen Denkmals verwendet.
Jene riesige Bronzestatue wurde 1910 von Prinzregent Luitpold und unter großem Andrang der Öffentlichkeit eingeweiht. 33 Jahre später holten die Nazis den Kini jedoch wieder vom Sockel und schmolzen ihn ein, um daraus Waffen für den Krieg zu fertigen. Als einzige Königsstatue in München sei Ludwig II. damals geopfert worden, sagt Holzapfel. „Noch nicht mal das Denkmal des Prinzregenten wurde eingeschmolzen.“
Nach dem Krieg setzte sich ein Verein für ein neues Ludwig-Ehrenmal ein, das nach langer Debatte 1967 errichtet wurde – jedoch nicht auf der Corneliusbrücke, sondern in den Maximiliansanlagen. „Aber da kommt kein Mensch vorbei“, sagt Holzapfel. „Und in München kennt dieses Denkmal niemand.“

Daher hat er sich stark gemacht für eine Rückkehr des Märchenkönigs auf die Corneliusbrücke, wo nun also bald eine von Marc-Andreas Hofmeister gefertigte Bronzebüste als Nachbildung der einstigen Statue stehen wird – auf dem Original-Sockel und einer Natursteinsäule, gut drei Meter über dem Boden. Und drumherum werden laut dem Baureferat ein Rosenbeet angelegt sowie Steinfragmente als Sitzgelegenheiten aufgestellt.
„Es soll ein romantischer Ort werden, wo Ludwig verträumt auf die Isar hinabschaut“, sagt Dietmar Holzapfel. Er gibt sich überzeugt, dass das Kini-Denkmal auch viele Touristen anziehen wird: „Die ganzen Stadtrundfahrten werden das in ihre Touren einbauen.“ Und auch einen Eröffnungstermin für die „romantische Ruine“ hat der Szenewirt schon ins Auge gefasst. Geht es nach ihm, dann soll das Denkmal am 13. Juni eingeweiht werden – dem 140. Todestag des Märchenkönigs.

