Kölner Karneval im Münchner Sweet Club„Die Party hier ist authentisch“

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Zum Auftakt der närrischen Zeit wird auch in München Kölner Karneval gefeiert.
Zum Auftakt der närrischen Zeit wird auch in München Kölner Karneval gefeiert. (Foto: Robert Haas)

Die einen bekämpfen ihr Heimweh, die anderen lieben einfach das „Jeföhl“: Im Sweet Club am Münchner Maximiliansplatz feiern die Gäste den Start in die Karnevalssaison ganz auf kölsche Art. Ein Abend unter Jecken.

Von Carla Toenneßen

Nicht drei, nicht vier, nicht sechs Rheinländerinnen und Rheinländer warten an diesem Dienstagabend vor dem Sweet Club am Münchner Maximiliansplatz – es sind Dutzende. Die Jecken stehen in der Schlange und können den Einlass kaum erwarten. Kapitäne, Clowns und Einhörner singen und sprechen und trinken Kölsch. Die Adresse ist bekannt und Anlaufstelle für viele Karnevalsfans, denn Kölner Abende finden hier regelmäßig statt.

Arm in Arm feiern sie hier den 11.11. Ob sie nun aus der Stadt am Rhein, aus München oder einem anderen Ort kommen – das Datum ist für viele der Anlass, sich dem speziellen „Jeföhl“, also dem kölsche Gefühl, hinzugeben. Und einen Abend unter Jecken zu verbringen, selbst in der bayerischen Landeshauptstadt.

Das dachten sich auch Jana Offermann und Narin Nosrati, die als Maus und Piratin verkleidet sind. Sie stehen mit drei anderen Freunden an der Bar des Sweet Club, lachen, tanzen. Die beiden Kölnerinnen wohnen seit ein paar Jahren in München. „Ich vermisse den Kölner Karneval. Die Party hier ist authentisch“, schreit Jana Offermann gegen den Partylärm an. Narin Nosrati bestätigt: „Wenn ich die kölschen Töne höre, fühle ich mich wie zu Hause.“

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Ein Abend gegen Heimweh: Die Party bringt ein Stück Lebensgefühl der Stadt am Rhein nach München. Vor 24 Jahren schlossen sich Kölnerinnen und Kölner, die es beruflich nach München verschlagen hatte, zum Köln-Münchner Karnevalsverein (KMKV) zusammen. Zunächst trafen sie sich einmal im Monat. Doch das Treffen wuchs stetig, bis es sich vom Verein löste und als eigene Partyreihe etablierte. „Ein Stammtisch aus etwa vier Leuten wurde zum Kölner Abend im Sweet Club“, fasst Elke Tietz lachend zusammen. Sie ist an diesem Abend als Mitglied der Band Brings verkleidet – einem kölschen Urgestein. Tietz ist die Vizepräsidentin des KMKV.

Denn das „Jeföhl“ geht über Köln hinaus: Ursula und Thomas Gierlinger, an diesem Abend als Asterix und Obelix unterwegs, leben seit 13 Jahren in München, sie kommen eigentlich aus Oberösterreich. Durch Freunde aus Essen und Düsseldorf kamen sie zum Karneval und besuchen seither jedes Jahr Sitzungen.

Das Getränk der Wahl ist an diesem Abend natürlich Kölsch.
Das Getränk der Wahl ist an diesem Abend natürlich Kölsch. (Foto: Robert Haas)

Lukas Börner, als Taco verkleidet, besucht die Kölner Abende, um Menschen kennenzulernen. Ursprünglich kommt er aus dem Saarland, lebt seit sechseinhalb Jahren in München. „Ich mag die Leute und die Musik“, ruft er.

Wenn er den Auftakt zur fünften Jahreszeit nicht in Köln verbringen kann, geht Alex Müller im Sweet Club feiern. „Ich hole mir Köln nach München“, sagt der Pirat, der von einem Hausmädchen begleitet wird. Er lebt seit drei Jahren in München, kommt ursprünglich aus Limburg an der Lahn.

Auch Daniel Heimerl, an diesem Abend als 80er-Jahre-Sportler unterwegs, verbringt die Karnevalstage im Frühjahr gerne in der Domstadt. Der gebürtige Münchner schätzt aber auch die Feier im Club am Maximiliansplatz: „Das ist die einzige Karnevalsparty, die ich hier kenne, tolle Stimmung, tolle Leute.“

Martha Auhorn aus Garmisch-Partenkirchen ist nicht nur im Herzen eine Jeckin: Sie trägt von Kopf bis Fuß „rut un wiess“, rot und weiß, die Kölner Farben. Mit Freunden aus Koblenz und Dortmund feiert sie jedes Jahr den Karneval am Rhein. Auch für Melissa Berker, als Weihnachtsbaum verkleidet, geht es im Februar nach Köln. Sie lebt seit 2013 in München und stammt ursprünglich aus dem Kölner Umland. „Karneval hat eine persönliche Bedeutung für mich“, sagt sie.

Für viele Jecken in München ist der Kölner Abend im Sweet Club wie ein Abend „zohus“, also zu Hause. Da gerät auch manch schlecht gezapftes Kölsch schnell in Vergessenheit.

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