Kocherlball:"Volkstanz ist, wenn alle tanzen"

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Vortänzer: Katharina Mayer und Magnus Kaindl zeigen die Schritte und geben die Kommandos. (Foto: Kulturreferat München)

Der Kocherlball im Englischen Garten lockt Tausende schon vor Sonnenaufgang zum Tanzen an den Chinesischen Turm. Tanzmeisterin Katharina Mayer verrät, wie man in Schwung kommt.

Von Michael Zirnstein

Es soll Menschen geben, die von sich behaupten, nicht tanzen zu können. Die haben Katharina Mayer noch nicht kennengelernt. Die Gaißacherin bringt jeden, der gehen kann, in Schwung. Tanz ist ihr Leben, ihn zu vermitteln ihre Lebensaufgabe (inzwischen gibt es Kurse von ihr selbst auf Youtube). Ihr wichtigstes Werkzeug: ansteckende Leidenschaft und Tanzlust. Schon wie sie sich über die "lauter netten Leute" freut, die gerade ihre drei Volkstanzkurse im Hofbräuhaus besucht haben, um sich auf den Kocherlball einzuschwingen: "So cool", sagt sie, "so gute Laune, endlich mal wieder Begegnung!"

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Darauf hat Katharina Mayer nun drei Jahre lang gewartet, und mit ihr Tausende Anhänger des Kocherlballs. Das 1989 zum 200. Geburtstag des Englischen Gartens wiederbelebte Traditionsfest galt in der Pandemie wie alle Massenaufläufe als Sicherheitsrisiko. Tatsächlich kommt man sich dort sehr nahe unterm Chinesischen Turm, und das so früh wie bei keinem anderen Ball. Denn Vorbild für den Kocherlball waren die Feste der Köche, Mägde und anderen Hausangestellten gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die nur wenn die Herrschaften am Sonntagmorgen in der Kirche waren, sich zum Feiern freimachen konnten. Heutzutage gehen die ersten Gäste erst gar nicht ins Bett, besetzen die begehrten Biertische bereits um zwei Uhr nachts; wer zum offiziellen Start um sechs Uhr eintrifft, breitet irgendwo seine Picknick-Decke aus oder drängt sich gleich ins Getümmel - der ganze Biergarten ist dann ein Tanzboden.

Der ganze Biergarten am Chinesischen Turm wird beim Kocherlball zum Tanzboden. (Foto: Claus Schunk /Kulturreferat München)

Und die Augen sind erst mal auf Katharina Mayer auf der Bühne gerichtet, eine Position, die ihr gar nicht so behagt, sonst gibt sie ihre Hilfestellung lieber "aus dem Kreis heraus". Vier Stunden lang - "ich habe nicht mal eine Pause, um aufs Klo zu gehen" - moderiert sie die Veranstaltung und gibt die Kommandos; das hat sie auch schon einmal zwei Wochen vor Geburt ihrer Tochter mit Riesenkugelbauch gemeistert. Mit ihrem Vortänzer Magnus Kaindl macht sie alle Schritte und Figuren vor, so dass auch Nicht-Tänzer sich durch den engen Raum, der ihnen bleibt, wiegen und drehen können. "Wir halten die Zugangsschwelle niedrig, wir zeigen viele Tänze in ganz einfachen Varianten", erklärt sie.

Da gibt es Rundtänze wie Walzer, Polka oder Dreher; die "Münchner Française" als Klassiker des Reihentanzes in der Gruppe; und da sind Figurentänze, also Paartänze mit festgelegtem Ablauf auf eine bestimmte Musik, wie "Krebspolka", "Kickericki" oder "Hamburger Dreher". Dieser stammt übrigens aus Niederbayern und macht sich über das erste deutsche Postamt in Hamburg lustig, erklärt Katharina Mayer. Sie kennt sich aus in der Materie; ihr Vater W. A. Mayer war Volksmusikforscher, er sie auch zu ihrem ersten Kocherball mitgenommen. Inzwischen führt sie die Veranstaltung zum 15. Mal als Tanzmeisterin an.

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Jedes Jahr stimmt sie auch vorab mit den beiden Musikgruppen - diesmal die Schreinergeiger und die Tanngrindler Musikanten - die Repertoireliste ab und wählt dann die Stücke und Tänze aus - teils spontan auf der Bühne, auch nach der jeweiligen Sonneneinstrahlung oder der Energie der Gäste. Diesmal könnte auch der eine oder andere Zwiefache mehr dabei sein als sonst, weil die Tanngrindler darin ziemlich ausgefuchst sind. Und weil in der Volkstanzszene diese vertrackten Stücke mit Taktwechseln gerade bei den Fortgeschrittenen derzeit sehr beliebt sind, Mayer gibt dazu eigene Kurse ( www.tanzart.eu).

Aber überfordern will sie die Menge natürlich nicht. Es gehe nicht um Technik und komplizierte Schritte, sagt sie, es gehe um das "Zusammenspiel mit den Partner, sich einlassen, gemeinsam im Schwung sein oder in den Flow kommen, egal, wie es nach außen aussieht, Kopf aus, und die Gefühle hochfahren, und dazu reicht ein einfacher Wiegeschritt", erklärt Mayer. Und das bekommt jeder hin, ganz im Sinne des Kocherlballs. Denn: "Volkstanz ist, wenn alle tanzen."

Kocherlball, Sonntag, 17. Juli, 6-10 Uhr, Chinesischer Turm im Englischen Garten, fällt bei Regen ersatzlos aus, Wetterinfo auf www.kocherlball.de

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