Koch-WettbewerbKindheitserinnerung auf dem Teller

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Mit Ernst bei der Sache: Die Jurymitglieder Rosina Ostler und Daniel Wallenstein begutachten das Ergebnis.
Mit Ernst bei der Sache: Die Jurymitglieder Rosina Ostler und Daniel Wallenstein begutachten das Ergebnis. Robert Haas

Beim Wettbewerb „Koch des Jahres“ in der Fröttmaninger Arena präsentieren die Teilnehmenden Rezepte ihrer Großmütter – und interpretieren sie neu. Was so alles auf den Teller kommt.

Von Sarah Maderer

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Fragt man Köchinnen und Köche, von wem sie ihr Handwerk gelernt haben, ist die Mama oder die Oma oft Teil der Antwort. Insofern hätten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs „Koch des Jahres“ kein besseres Thema wünschen können als das diesjährige: Es galt, eine Kindheitserinnerung auf den Teller zu bringen, und dazu fiel jeder und jedem ein ganz bestimmtes Gericht ein, von der Hühnersuppe mit Buchstabennudeln bis zum Grießbrei mit Kirschen – Emotionen inklusive.

Der renommierte Koch-Wettbewerb, den eine Eventagentur aus Freiburg heuer zum elften Mal veranstaltet, richtet sich an Profiköchinnen und -köche aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Aus rund 400 Bewerbungen wurden 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt, die am Sonntag in der Fröttmaninger Fußball-Arena zum Halbfinale antraten, ein durchaus ungewöhnlicher Austragungsort für einen Koch-Wettbewerb.

Immerhin 600 Gäste finden sich im Stadion ein, im VIP-Bereich. Drinnen an den Kochstationen herrscht bereits Hochbetrieb und auch die elfköpfige Jury sitzt schon an einem langen Konferenztisch zusammen, bereit, 32 verschiedene Gerichte zu verkosten. Alle Teilnehmenden präsentieren jeweils zwei Variationen ihres Kindheitsgerichts, einmal nach traditionellem Rezept und darüber hinaus eine modern interpretierte Abwandlung. Die Jury vergibt Punkte nach Kriterien wie Kreativität, Präsentation, Technik und Geschmack.

Das Gremium setzt sich aus Profiköchen, Gastronomen und Branchenexperten zusammen, die mitunter selbst einmal an diesem Wettbewerb teilgenommen beziehungsweise ihn sogar gewonnen haben und sich zum Teil mit Michelin-Sternen schmücken dürfen, darunter Christoph Rainer vom Ikigai im Schloss Elmau oder Alina Meissner-Bebrout vom Restaurant Bibraud in Ulm.

Rosina Ostler, die Küchenchefin von Dallmayrs Zwei-Sterne-Restaurant Alois, vertritt die Jury als einzige Münchnerin, wobei einige ihrer Münchner Kollegen unter den Gästen sind; Kevin Romes etwa, der neue Küchenchef vom Atelier im Bayerischen Hof, Jens Madsen vom The Cloud in der BMW-Welt, Manuel Reheis vom Broeding in Neuhausen sowie der TV-Koch und Münchner Gastronom Hans Jörg Bachmeier.

An den Kochstationen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils zehn Minuten Zeit zum Anrichten. Fürs Überziehen gibt es Punktabzug, noch dazu wird jeder Handgriff vom Publikum und Kameralinsen überwacht.

So kann Schweinebraten auch aussehen - das Gericht von Olympia Cario.
So kann Schweinebraten auch aussehen - das Gericht von Olympia Cario. Robert Haas

Mustafa Mirzaei, Souschef des Sterne-Restaurants Johanns in Waldkirchen und mit 25 Jahren der jüngste Teilnehmer aus Bayern, drapiert noch schnell ein paar letzte Soßen-Tupfer und Kräuter auf den Tellern und präsentiert der Jury mit ein paar Minuten Verzug seinen Stör mit Kartoffel- und Wurzelgemüse – ein für ihn sehr persönliches Gericht, wie er beim Servieren erklärt. Mit 14 Jahren kam der gebürtige Iraner nach Deutschland. In einer Geflüchtetenunterkunft sei ihm das Gericht zum ersten Mal begegnet und für ihn zur Kindheitserinnerung geworden. Seine Interpretation fällt auf beiden Tellern aufwendig und kunstvoll aus. Auf den ersten Blick erkennt Rosina Ostler kaum, welcher Teller das bodenständige Original sein soll. „Schmeckt gut, aber er hat ein bisschen zu viel Gas gegeben“, so ihr Fazit.

Mit seinem Stör schafft es Mirzaei nicht unter die Finalisten, die von der Jury ausgewählt werden. Dafür kann er am Abend, wo alle Teilnehmenden noch einmal ein Signature-Gericht für die Gäste kochen, mit einem gebeizten Lachs in Yuzu-Karotte, Galia-Melone und Jalapeño-Limetten-Creme überzeugen und zieht – wie Simon Bantle – über das Publikums-Voting ins Finale ein. Am 16. November werden Mirzaei und Bantle dann zusammen mit den anderen Finalistinnen und Finalisten Aljoscha Knoblich, Semi Hassine, Tetiana Berezhna und Lukas Baumgartner in der Motorworld München um den Titel „Koch des Jahres“ kämpfen.

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