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Buchvorstellung:439 Seiten Miro Klose

Alberne Anekdoten aus der Profi-Zeit, aber auch ein nachdenklicher Rückblick auf die nicht so leichte Jugend - Miroslav Klose am Mittwochabend im "Stadion an der Schleißheimer Straße".

Alberne Anekdoten aus der Profi-Zeit, aber auch ein nachdenklicher Rückblick auf die nicht so leichte Jugend - Miroslav Klose am Mittwochabend im "Stadion an der Schleißheimer Straße".

(Foto: Stephan Rumpf)

Streiche von Franck Ribéry, einseitige Tennisspiele mit Luca Toni oder seine schlechte Schusstechnik: Der scheue Fußball-Weltmeister Miroslav Klose gewährt in München bei der Vorstellung seiner Biografie überraschende Einblicke.

Eine Stunde ist gespielt, als vor Miroslav Klose plötzlich dieses Bier auftaucht. Schon das dritte. Bestellt hat er nicht, aber als DFB-Rekordtorschütze bekommt er hier im "Stadion" an der Schleißheimer Straße, diesem Fußballmuseum mit Theke, den Automatik-Refill-Stammgast-Service: wenn Glas leer, dann neues volles Glas. Wirklich wehren tut er sich nicht dagegen, und das ist an diesem Abend nur eine von vielen überraschenden Erkenntnissen über einen Mann, den man doch seit einer halben Ewigkeit in und auswendig zu kennen glaubt. Von wegen.

Überraschung Nummer eins: Miroslav Klose hat eine Autobiografie geschrieben. Also, schreiben lassen. Der Journalist Ronald Reng hat es wie auch immer geschafft, diesen Klose, der es in all seinen Jahren als Fußballprofi, Weltmeister, Gerd-Müller-Übertreffer und Mittelstürmer der Herzen nie gemocht hat, über sich selbst zu reden, zu der 439 Seiten langen Ego-Retrospektive namens "Miro" (Piper Verlag) zu bewegen. Gut, er hat auch mit der Familie Klose gesprochen, mit Jogi Löw, Toni Kroos, Carsten Jancker und weiteren Kickern, hat im Vatikan Papst Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein befragt und somit Stoff für einen veritablen Wälzer gesammelt.

Sein einziges Problem bei der Lesung im ausverkauften "Stadion": Er kommt kaum zum Lesen. Weil - Überraschung Nummer zwei - Miroslav Klose lieber selbst erzählen will. Die Schoten von der wilden Zeit mit Luca Toni und Franck Ribéry? "Könnte man auch erzählen", meint Klose zum Autor, "aber du kannst auch lesen. Aber ein bisschen schneller als eben. Du weißt ja: Ich geh' früh ins Bett."

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"Das italienische Lächeln" ist dann wirklich besonders süffig. 2007 war Klose zum FC Bayern gewechselt, wie auch Ribéry und Toni. Da den zutiefst bodenständigen Kloses die Münchner Mietpreise astronomisch vorkommen, zieht Klose, um in Ruhe etwas Günstiges suchen zu können erstmal ins Hotel Vier Jahreszeiten - wie auch Ribéry und Toni, die Gegenpole zum grundsoliden Miro.

Schon das erste gemeinsame Abendessen ist ein Kulturschock. Während Klose im "H'ugo's" lieber am Rand sitzen will, verfügt Toni: Mittenrein! Zig Mal stolziert er durch den Laufsteg-Laden, während Ribéry ihm die Gabel gegen ein zweites Messer austauscht. In der Bayern-Kabine schneidet er den Mitspielern die Zehen der Socken ab und setzt Oli Kahns Schuhe unter Wasser. Nach drei Monaten haben die Kloses ein Heim gefunden, und Miro verlässt die fröhliche Hotel-WG: "Das waren die drei tollsten Monate meiner Fußballzeit." Toni ist bis heute einer seiner engsten Freunde: Acht Mal schon hat er ihn im Urlaub in dessen Haus auf Sardinien besucht, ihre Tennis-Matches sind aber eher einseitig: "Er läuft viel." Pause. "Weil er muss. Macht aber keinen Stich."

So frotzelt sich Klose mit trockenem Humor durch seine Karriere, lästert über Papa Josefs Kicker-Karriere in Auxerre ("Er will mir immer die VHS-Kassette zeigen, wo er im Pokalfinale gespielt hat - die hab' ich bis heute nicht gesehen. Auch meinen Kindern erzählt er davon, die glauben's ihm auch nicht"), erzählt vom Zivildienst in der Röntgenabteilung, Physiotherapie ("Mein größter Freund ist die Massagebank") und italienischem Essen ("In sechs Monaten stieg mein Körperfettanteil von 6,4 auf 11,5. Pizza und Pasta: Das hat Spaß gemacht!"), staunt noch heute über die Audienzen bei zwei Päpsten ("80 Prozent der Schweizer Garde sind Lazio-Fans"), plaudert über Poker-Runden im Trainingslager ("Texas Hold'em, klar"), seine schlechte Schusstechnik ("nur ein Länderspieltor außerhalb des 16ers: Das sagt doch alles") und über seinen liebsten Verein: die Nationalmannschaft ("Der Löw stand irgendwie auf mich").

Nur beim Video vom ersten TV-Interview im breiten Pfälzer Dialekt ("Isch hann immer schon devon geträumt, uffem Betze se spille") würde er am liebsten in seinem viel zu weiten Holzfällerhemd verschwinden: "Oje, Leute: anschnallen!"

Die frühen Jahre der polnischen Aussiedlerfamilie in Kusel beschreibt wieder Reng: die Sperrmülltage, bei denen der neunjährige Miro auch mal einen Sessel heimschleppt. Die Lehrerin, die ihm ein Paar gebrauchte Fußballschuhe schenkt. Der erlösende Moment, als er auf dem Pausenhof endlich mitspielen darf. Die Zeit als Zimmermannslehrling, in den Dachstühlen des Pfälzer Waldes.

Als Trainer des U17-Teams des FC Bayern hat der 41-Jährige heute mit der Generation iPad zu tun. "Die sind materialistischer veranlagt, fragen ,Was fährst du für ein Auto? Was für eine Uhr hast du? Wie teuer ist die?' Das ist nichts, was einen 15- oder 17-Jährigen interessieren sollte. Was ich denen vermitteln will: Du musst mit Spaß Fußball spielen!" Und Spaß kann man ja mit diesem Miroslav Klose ganz offensichtlich jede Menge haben. Darauf noch ein Helles.

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