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Isarvorstadt:Ein Klohäusl für Einstein, Mercury und Fassbinder

Martin Arz (dritter von rechts) hat mit Künstlern und Politikerin Beate Bidjanbeg das Pissoir am Holzplatz zum Gedenkort aufgewertet.

(Foto: Robert Haas)

Ein Ort in der Isarvorstadt erinnert nun an drei prominente Wahlmünchner. Anfangs rümpften allerdings einige die Nase über die Pläne - denn die Gedenkstätte ist ein ehemaliges Pissoir.

In Berlin werden Besucher bereits am Flughafen in grellen Farben darauf aufmerksam gemacht, dass der Musiker David Bowie einst auch in dieser Stadt weilte. In München ist man mit dem Bekenntnis zu berühmten Mitbewohnern, die nur einige Jahre in der Stadt lebten, meist zurückhaltender. Doch in der Isarvorstadt, am Holzplatz, wurde nun ein eigener Gedenkort für drei bedeutende vorübergehende Münchner eingeweiht: Der Physiker Albert Einstein, der Regisseur Rainer Werner Fassbinder und der Rockstar Freddie Mercury sind die Geehrten.

Zwar rümpfte anfangs, als die Pläne bekannt wurden, so mancher die Nase, denn die Gedenkstätte, an der jetzt die drei Köpfe sichtbar sind, ist ausgerechnet ein ehemaliges Pissoir. Doch der Initiator Martin Arz, Autor und Verleger aus der Isarvorstadt und Fan von Kunst im öffentlichen Raum, findet es "gerade großartig", wenn "das alte Klohäusl" nun umgenutzt wird. Es sei vernachlässigt gewesen, jetzt wieder ein Schmuckstück.

Außerdem hätten es Mercury, der am Holzplatz wohnte, und Fassbinder, der in der Reichenbachstraße zu Hause war, einst bestimmt mal genutzt, sagt Arz. Einstein, der im Viertel aufwuchs und zur Schule ging, wird das Klohäusl nicht gekannt haben; es stammt aus dem Jahr 1900, da hatte Einstein gerade die Stadt verlassen.

Das Klohäuschen am Holzplatz, das früher unter dem Namen "Die Klappe" als der Schwulen-Treffpunkt galt, hat schon viele inspiriert: Mal sollte es ein Kiosk werden, dann ein Würstelstand, zuletzt war eine kleine Eisdiele im Gespräch. Doch das Pissoir, ein gusseisernes Oktagon, steht unter Denkmalschutz, hinein kann man schon lange nicht mehr. Seit mehr als 30 Jahren wird es nicht mehr genutzt. Die Denkmalschutzliste beschreibt es als "oktogonalen Pavillon" und "Tempietto" - kleiner Tempel.

Die Denkmalschutzauflagen haben dann auch denjenigen, die sich für eine künstlerische Ausgestaltung stark machten, einige Steine in den Weg gelegt. Man musste sich "gewissen Zwängen unterordnen", wie Arz bei der Einweihung sagte. Der Zeitaufwand sei unerwartet groß gewesen. Und sehr viel übrig ist nicht von dem Konzept, das er im Sommer 2017 mit dem Gestalter-Team Graphism vorlegte. Es war nicht möglich, die originalen Metallwände zu bemalen. Deshalb wurde auf abnehmbaren Metallplatten gearbeitet. Das Pissoir ist innen nicht als Ausstellungsort nutzbar, es bleibt verschlossen. Vor drei Jahren bestand auch die Absicht, die Pissoirfassade immer mal wieder anders zu gestalten. "Nach dieser Erfahrung können wir das vergessen", sagt Arz.

Und grell, so wie Bowie am Flughafen in Berlin, werden die drei berühmten Gast-Isarvorstädter nicht präsentiert. Die Farbgebung ist eher dezent, Grundfarbe ist das originale Grün, lediglich kleine Farbtupfer haben die Denkmalschützer zugelassen. Der Stil nennt sich "urban camouflage", städtischer Tarnlook.

© SZ vom 13.02.2020/kaal
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