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Klinikum Großhadern:Mit Technik gegen das Coronavirus

Smileys als Wegweiser bei der Eingabe des gefühlten Gesundheitszustandes: Die App hat etwas Spielerisches.

(Foto: oh)

Klinikum Großhadern setzt auf App zur Covid-19-Nachsorge.

Mehr als 6550 Corona-Fälle sind derzeit in München gemeldet. Etwas mehr als 5230 Münchner gelten als genesen. Nicht alle von ihnen aber sind wieder so gesund, so dass sie keinerlei Nachsorge bedürften. Einige Patienten, die im Klinikum der LMU in Großhadern behandelt worden sind, werden deshalb mit einer App auf ihrem Smartphone entlassen - zur Überwachung ihres Zustands. Die App und das System dahinter wurde von der Firma Cankado ursprünglich für Tumor-Patienten etwa während einer Chemotherapie entwickelt. Es ist eine Art digitales Tagebuch, um mögliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. Marion Subklewe, Onkologin und Oberärztin am Klinikum, hatte die Idee, diese Patienten-App um ein Covid-19-Modul zu erweitern.

Die Betreuung der Patienten sei grundsätzlich eine logistische Herausforderung, sagt Subklewe, zumal die Zahl der stationär behandelten Covid-19-Fälle täglich steige. Durch die App könnten sich die Patienten etwa auch mit ihrem Hausarzt verbinden, der entsprechend auf eine erneute Verschlimmerung der Symptome reagieren könne. Das solle auch die Rettungsdienste entlasten.

Aus dem Krankenhaus entlassen werden Patienten in der Regel, wenn sie kein Fieber und kein Gefühl der Luftnot mehr hätten, erklärt Subklewe. Dies könne nach Hause sein oder an einen anderen Ort, in dem sich die Patienten in Quarantäne begeben könnten. Ein negativer Abstrich aus dem Labor sei bei der Entlassung nicht zwingend nötig. Das heißt, die Viren sind also noch im Körper nachweisbar. Der Zustand des Infizierten könne sich durchaus wieder verschlechtern. Besondere Aufmerksamkeit liege auf Patienten mit Vorerkrankungen.

Denkbar sei die digitale Überwachung per Handy aber auch innerhalb eines Krankenhauses, sagt Subklewe. Wegen der Infektionsgefahr und der aufwendigen Schutzkleidung betreten Mediziner und Pflegepersonal die Räume von Corona-Patienten möglichst selten. Mit der App ließen sich die Patienten über einen Monitor überwachen. Im Vergleich zu anderen digitalen Überwachungsmethoden ist die App deutlich günstiger.

Das Klinikum Rechts der Isar der TU München erprobt derzeit eine Art Ohrstöpsel, mit dem die Vitalfunktionen wie Temperatur und Herzfrequenz gemessen und an einen kleinen Computer übermittelt werden. Auch am Klinikum der LMU seien diese bestellt und kämen bald zum Einsatz - in Kombination mit der App. Subklewe räumt ein, dass diese weniger verlässlich sei, weil die Patienten ihre Daten selbst eingeben müssten. Doch sei sie ein Puzzlestein im Gesamtwerk, um auf die Patienten aufzupassen. Zu handhaben ist die App einfach, jedenfalls für Menschen, die keine Scheu vor dem Digitalen haben. Die ersten Patienten, die aus Skigebieten kamen, hatten keine Probleme damit, sagt Subklewe. Für ältere Menschen sei die Technik hingegen oft nicht so geeignet. Die App mit dem erweiterten Covid-Modul lässt sich über die Webseite von Cankado kostenlos herunterladen. "Das ist unser Beitrag in der jetzigen Situation", sagt Geschäftsführer Timo Schinköthe. In München sei die LMU Hauptanwender. Die App werde aber derzeit auch unter anderem in Italien, Portugal und Argentinien genutzt.

Eine Push-Nachricht erinnert an das tägliche Covid-Assessment. Gefragt wird nach einer erhöhten Körpertemperatur, wie stark der Husten ist, ob Kurzatmigkeit, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen auftreten, Schnupfen, Erschöpfung oder Durchfall. Der Benutzer kann auf einer Skala zwischen "gar nicht" und "sehr" antworten. Abgefragt wird zudem der gefühlte Gesundheitszustand - mit lachenden bis weinenden Smileys. Außerdem ein sogenannter Covid-19-Status. Dort sollen regelmäßig die Temperatur, die Zahl der Atemzüge, der Puls und - wenn möglich - die Herzrate eingetragen werden.

Vorstellbar ist die Nutzung der App auch vor einem Arztgespräch, weil wesentliche Aspekte des Gesundheitszustands abgefragt werden. Die Daten werden auf Servern von Cankado gespeichert, die in Deutschland Büros in Kirchheim bei München und in Köln haben. Die Informationen seien dort nur für die frei geschalteten Mediziner und die Patienten zugänglich, versichert Schinköthe. "Wir sind kein Lifestyleprodukt und wiederholt überprüft worden."

© SZ vom 15.05.2020

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