Es ist ein Pilotprojekt, bundesweit einzigartig und eine mögliche Antwort auf den Fachkräftemangel im Pflegebereich: Im Kompetenzzentrum für internationale Pflege (Kip) auf dem Gelände der München Klinik (Mük) sollen jährlich an die 500 internationale Pflegefachkräfte ihr Anerkennungsverfahren schneller durchlaufen können. Mit individuell angepassten Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis sowie zertifizierten Prüfungen. Am Dienstag ist das Kip, das von der Stadt München mit knapp drei Millionen Euro gefördert wird, offiziell eröffnet worden.
„Viele qualifizierte Menschen kommen aus dem Ausland nach München, um hier in der Pflege zu arbeiten – wir brauchen jeden einzelnen von ihnen“, sagt Münchens Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD). Aber sie kämen je nach Herkunftsland mit unterschiedlichen Berufsqualifizierungen. Das Kip helfe, fehlende Qualifizierungen zu erwerben, das Anerkennungsverfahren zu verkürzen und die Arbeitssuchenden schnell „in den Pflegeberuf zu bringen“.
„Das Kip ist ein großer Meilenstein“, sagt Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD). Die Idee, die Bedingungen für Pflegende in München zu verbessern und dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sei im Lenkungskreis Pflege des Gesundheitsbeirats der Landeshauptstadt München entstanden und mit dem neuen Kompetenzzentrum nun Wirklichkeit geworden. Ausgleichs- und Anpassungsmaßnahmen dauerten lange. „Durch das Kip können sie jetzt beschleunigt werden“.
„Die Standards im deutschen Gesundheitswesen sind sehr hoch. Etwa die Hygiene -Standards“, sagt Stefanie Hottarek. Die Betriebswirtschaftliche Leiterin des Kip, das bereits im September seine Arbeit aufgenommen hat, erklärt: Wenn eine Pflegefachkraft aus dem Ausland in München arbeiten wolle, müsse sie dem Bayerischen Landesamt für Pflege ihre Qualifizierungen vorlegen. Das Amt entscheide dann, was noch an beruflichen Nachweisen fehle, um in ihrem Pflegeberuf in München arbeiten zu können. Nach einem Informationsgespräch im Kip und einem Deutsch-Einstufungstest wird in 240 Unterrichtseinheiten mit Theorie und Praxis auf die Prüfung vorbereitet.
Luca heißt die Simulationspuppe im Krankenbett. Der kleine Junge hat eine Operation hinter sich. Jetzt muss dringend der Verband gewechselt werden. „Was muss bei der Wunde beachtet werden?“, fragt Praxisanleiterin Iryna Fadieieva ihr Team. Fadieieva kommt aus der Ukraine und arbeitet seit 2022 in der München Klinik. Luca könnte Schmerzen haben, die Wunde warm sein. Die Antworten kommen schnell.

Die bereits gelernten Pflegefachkräfte, die um das Pflegebett herum stehen, kommen aus Tunesien, Bosnien, Albanien oder aus Palästina. Wie Kanan. Der 27-Jährige hat bereits vier Jahre als Pflegefachkraft im Krankenhaus gearbeitet. Sogar in der Notaufnahme. Aber: Es fehlen ihm noch Nachweise, die seine vorhandenen Fachkenntnisse mit den deutschen Anforderungen abgleicht.
Das Kip versteht sich als ergänzendes Angebot zu den Münchner Pflegeschulen, in denen bereits 500 Fachkräfte aus dem Ausland ihre Anerkennung erhalten. Betreut wird Kip vom Bildungscampus der Mük, die im März 2025 nach einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag für das Pilotprojekt bekommen hat.
Viele internationale Pflegekräfte kommen entweder über Vermittlungsagenturen oder über die Arbeitgeber in das Kompetenzzentrum. Viele Anerkennungssuchende arbeiteten bereits in den Berufen, sagt Alexandra Wuttig. Aber eben nicht als qualifizierte Pflegefachkräfte. „Sobald sie diese Anerkennung haben, verdienen sie auch mehr“, sagt die Leiterin des Mük-Bildungscampus’. Das Anerkennungsverfahren zu durchlaufen und nebenbei zu arbeiten, sei nicht einfach. Daher werde auch versucht, die Stundenpläne den Dienstplänen anzupassen.
Ziel soll künftig sein, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer künftig in nur drei Monaten die Prüfungszertifikate haben. Auch nimmt das Kompetenzzentrum internationale Pflegefachkräfte aus Bayern auf. Gearbeitet wird mit digitalen Lern- und Lehrplattformen. Alle Lernenden können außerdem eine E-Bibliothek und Fachliteratur nützen. Noch ist das Kip in Interimsräumen untergebracht. Aber voraussichtlich bis Ende des Jahres erhält es eigene Räumlichkeiten im Haus 13 auf dem Klinikgelände.
Kanan steht am Bett von Luca. Er soll die Wunde mit einem neuen Verband versorgen. „Hallo, Luca. Ich bin Kanan und möchte deine Wunde verbinden“. Sagt er und desinfiziert sich die Hände gründlich. Genau nach Vorschrift. Der 27-Jährige erklärt Luca alles. Auch wenn der ihn ja gar nicht hört. Kanan versorgt die Wunde fachkundig. „Gut gemacht“, sagt Iryna Fadieieva. Alle im Team freuen sich mit ihm. Und alle freuen sich, wenn sie bald ihre Zertifikate in den Händen halten und als das arbeiten können, was sie in ihrem Heimatland schon lange sind: qualifizierte Pflegefachkräfte.

