Rheuma-Behandlung in BogenhausenViel Expertise, keine Betten mehr

Lesezeit: 3 Min.

Schmerzen in den Gelenken sind frühe Anzeichen  für eine rheumatische Erkrankung. Aber eine Rheuma-Erkrankung  ist sehr komplex  und schwer planbar.
Schmerzen in den Gelenken sind frühe Anzeichen  für eine rheumatische Erkrankung. Aber eine Rheuma-Erkrankung  ist sehr komplex  und schwer planbar.
IMAGO/YAY Images

Die München Klinik hat die stationäre rheumatologische Versorgung in Bogenhausen eingestellt. Die Verantwortlichen verweisen zur Begründung auf hohe Kosten und eine niedrige Auslastung. Für Experten jedoch ist die Entscheidung ein „riesiger Schock“.

Von Nicole Graner

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Die Rheumatologische Klinik Bogenhausen ist seit 30 Jahren für ihre Expertise bekannt. Neben vielen modernen, ambulanten Therapiemöglichkeiten hat die Klinik auch zehn Betten zur stationären Behandlung – für Akutfälle und für Patienten mit schweren Krankheitsverläufen. Seit dem 1. August aber ist es damit vorbei: Die München Klinik (Mük) hat die stationäre rheumatologische Versorgung eingestellt. Sie wird den Fokus in diesem Fachbereich auf die ambulante Versorgung legen und künftig deutlich mehr komplexe Fälle ambulant versorgen.

Die Auslastung der Betten auf der kleinen Station ist für die München Klinik einer der Gründe, den stationären Bereich in der Rheumatologie aufzugeben. „Nur fünf bis sechs Betten mit rheumatologischen Patienten sind im Durchschnitt in vergangener Zeit belegt gewesen“, sagt Geschäftsführer Götz Brodermann. Das sei in Zeiten, in denen sich Krankenhäuser neu aufstellen müssten, um zu überleben, „ökonomisch einfach nicht mehr vertretbar“. Und er verweist auf die gute Versorgung am Standort München, der mit zwei großen Universitätskliniken „sehr gut aufgestellt“ sei.

Die Medizin habe sich in der Rheumatologie außerdem gewandelt. 80 bis 90 Prozent der Fälle könnten durch neue, moderne Therapieformen  „gut im ambulanten Setting“ behandelt werden. „Die hochqualitative Betreuung und Versorgung der Patienten ist nach wie vor gewährleistet“, sagt der Geschäftsführer.

Brodermann verweist auf die Richtlinie der sogenannten Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV), die auch für die rheumatologische Abteilung Bogenhausen gilt. Diese greift für die Behandlung bei komplexen und schwer therapierbaren Krankheiten wie Rheuma. Dieser Bereich wird laut dem Geschäftsführer weiter ausgebaut. Auch würden konsiliarisch weiterhin die rheumatologischen Fachärzte der Klinik bei stationären Fällen hinzugezogen und Betten in der internistischen Abteilung zur Verfügung stehen.

Geschäftsführer Götz Brodermann glaubt an eine ausbaufähige ambulante Versorgung in der Rheumatologischen Klinik.
Geschäftsführer Götz Brodermann glaubt an eine ausbaufähige ambulante Versorgung in der Rheumatologischen Klinik.
München Klinik

Für Inka Vallbracht-Ackermann war die Entscheidung der München Klinik ein „riesiger Schock“. Die Ärztin leitet die Rheumatologische Klinik und hat die Abteilung 2023 übernommen. Die 52-Jährige ist dem Haus „schon so lange verbunden“, wie sie sagt.  Aber sie macht keinen Hehl daraus, dass sie die Schließung ihrer stationären Abteilung  „nicht nachvollziehen“ kann und ihr das alles „große Sorgen“ bereitet. „Ich glaube, dass die Lücke, die diese Entscheidung reißt, größer ist als der wirtschaftliche Vorteil“, sagt Vallbracht-Ackermann.

Rheuma sei eine sehr komplexe, schwer planbare Erkrankung, unter der in Deutschland 2,6 bis drei Prozent der Menschen litten. Durch neue Therapieformen und Medikationen in der Rheumatologie könne man  „viel ambulant versorgen“, erklärt die Medizinerin. „Aber die Versorgung im Akutfall wird darunter leiden“, befürchtet Vallbracht-Ackermann.

Die leitende Ärztin der Rheumaklinik Inka Vallbracht Ackermann sorgt sich um die Versorgung ihrer Patienten.
Die leitende Ärztin der Rheumaklinik Inka Vallbracht Ackermann sorgt sich um die Versorgung ihrer Patienten.
privat

Das könnte bedeuten: Ein Rheuma-Patient kommt wegen einer rheumabedingten Lungenentzündung nicht mehr in die rheumatologische Klinik, sondern in die Notaufnahme. Er wird stationär in der internistischen Abteilung aufgenommen. „Der rheumatologische Hintergrund aber wird möglicherweise gar nicht gesehen, vielleicht muss der Patient umgehend in die Intensivstation“, sagt Vallbracht-Ackermann. Bei Rheuma-Patienten sei die Lunge häufig in das Entzündungsgeschehen eingebunden. Zwar würden die Patienten künftig von den rheumatologischen Fachkräften auf Station konsiliarisch mitbetreut. Aber reicht das?

Zudem sieht die Ärztin mit dem Wegfall der stationären Versorgung die Weiterbildung angehender Rheumatologen gefährdet. Für die Facharztausbildung sei ein stationärer Teil verpflichtend. „Wir sind jetzt schon viel zu wenige Rheumatologen. Viele niedergelassene Rheumatologen sind an die 60 Jahre alt“, erklärt Vallbracht-Ackermann.  „Wenn nun die Betten in Bogenhausen wegfallen, fällt ein weiterer Ausbildungsstandort weg.“ So viele gäbe es trotz Universitätskliniken nicht.

„Eine wichtige und spezielle Versorgung fällt jetzt weg“

In einem Brief an niedergelassene Rheumatologen hat die München Klinik den Ärztinnen und Ärzten ihre Entscheidung mitgeteilt. Helga Merwald-Fraenk, Fachärztin für innere Medizin und Rheumatologie, arbeitet in einer Praxis in der Münchner Innenstadt. Auch sie hat diesen Brief bekommen. Sie teilt die Sorge ihrer Kollegin in der Klinik. Die Praxis habe oft Patienten an die Rheuma-Klinik in Bogenhausen überwiesen.  Diese „so wichtige und spezielle Versorgung“ falle jetzt weg, sagt Merwald-Fraenk. Ebenso die Plätze für die Weiterbildung zukünftiger Kollegen. „Auch glaube ich, dass mit der Aufgabe der stationären Abteilung die Qualifikation in der rheumatologischen Abteilung Bogenhausen für eine ASV nicht mehr gegeben ist.“ Die ASV sei ja auch an eine „besondere Ausstattung“ geknüpft.

Götz Brodermann sieht das nicht so. „Physisch nehmen wir die Betten ja nicht vom Netz. Die zehn Betten werden jetzt nur einer anderen Abteilung zugeordnet“, sagt er und glaubt auch, dass die ASV weiterlaufen werde. Denn die medizinische Expertise der Abteilung falle nicht weg, sondern komme dem ambulanten Setting „verstärkt zugute“. Auch der ambulante Teil der Weiterbildung für angehende Fachärzte ist laut Brodermann weiterhin möglich.

Inka Vallbracht-Ackermann weiß um die nötigen Umstrukturierungen an den deutschen Kliniken und die Ambulantisierung. Sie unterstütze neue Konzepte. Deswegen glaube sie aber auch, dass man die Rheumatologische Klinik in Bogenhausen mit ihrem großen Expertenwissen weiter hätte ausbauen können – mit neuen Ideen und Synergien.

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